# taz.de -- Zoll-Einigung von Indien und USA: Deal nach elf Monaten Verhandlungen
> Kurz nach der Einigung mit der EU verkündet US-Präsident Trump ein
> Abkommen mit Indien, das eine Senkung der US-Zölle vorsieht. Doch nicht
> alle sind zufrieden.
(IMG) Bild: Ob das Abkommen den Menschen, wie hier in einer Teppichmanufaktur im indischen Baramulla, helfen wird, ist unklar
Nach elf Monaten Verhandlungen haben die USA und Indien offenbar einen
Handelsdeal geschlossen. Die US-Zölle auf indische Waren sollen von 50 auf
18 Prozent gesenkt werden. US-Präsident Donald Trump verkündete die
Einigung am Montag auf seiner Plattform Truth Social. Zuvor hatte er mit
dem indischen Premierminister Narendra Modi telefoniert. Die Regelung gilt
sofort. Nur wenige Tage zuvor hatten sich die [1][Europäische Union und
Indien auf ein weitreichendes Handelsabkommen] geeinigt.
Dass [2][Brüssel schneller zum Abschluss] kam, lag wohl an den angespannten
Beziehungen zwischen Washington und Delhi. Provokante Äußerungen Trumps,
etwa seine Behauptung, er habe einen Waffenstillstand zwischen Indien und
Pakistan vermittelt, hatten das Verhältnis belastet. Trump nannte Modi nun
einen „angesehenen Führer“, wohl nicht ohne Hintergedanken.
Der 50-prozentige US-Zollsatz, den er im August eingeführt hatte, gehörte
zu den höchsten überhaupt. Die Senkung auf 18 Prozent entlastet nun unter
anderem Indiens Bekleidungs-, Teppich-, Arznei-, Schmuck- und
Diamantenindustrie. Jedoch nicht alle Branchen profitieren, der Stahlsektor
etwas nicht.
Trump behauptete zudem, Indien werde zudem US-Produkte im Wert von 500
Milliarden Dollar kaufen, darunter Energie, Technologie,
Landwirtschaftsgüter und Kohle, außerdem den Import von russischem Öl
einstellen. An den US-Börsen legten die Aktien großer indischer Unternehmen
wie Infosys und Wipro nach der Ankündigung zu.
## Künftig weniger Öl aus Russland
Im vergangenen August hatte Trump die Zölle auf 50 Prozent verdoppelt, um
Indien zu einem Stopp der russischen Ölkäufe zu bewegen. Die indischen
Märkte waren daraufhin stark unter Druck geraten, Indien hatte sich 2025
zum schwächsten Schwellenlandmarkt entwickelt. Bisher kauft Indien etwa 40
Prozent seines Öls aus Russland. Trump stellte in Aussicht, dass Indien
künftig mehr Öl aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela beziehen
könnte, wo die US-Ölbranche ebenfalls aktiv ist.
Von 2021 bis 2025 waren die USA Indiens größter Handelspartner für Waren.
Sie nahmen 18 Prozent der indischen Exporte ab und lieferten 6 Prozent der
Importe. Der bilaterale Handel mit Waren und Dienstleistungen belief sich
2024 auf 212,3 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das ist etwa ein Viertel
des Handelsvolumens zwischen den USA und Europa.
Gleichzeitig sanken zuletzt laut offiziellen Angaben Indiens Importe aus
Russland. Mit dem neuen Zollsatz hat Indien nun [3][leichte
Wettbewerbsvorteile] gegenüber Konkurrenten wie Kambodscha, Pakistan und
Thailand (jeweils 19 Prozent Zoll in den USA), Bangladesch, Vietnam und Sri
Lanka (jeweils 20 Prozent) sowie China (34 Prozent).
Premierminister Narendra Modi von der hindunationalistischen Volkspartei
BJP bedankte sich auf X im Namen der 1,4 Milliarden Inder:innen beim
US-Präsidenten. Handelsminister Piyush Goyal (BJP) lobte das Abkommen als
Ausdruck der Stärke zweier gleichgesinnter Demokratien, die für gemeinsamen
Wohlstand arbeiten. Es eröffne Landwirten, kleinen und mittleren
Unternehmen, Konzernen und Fachkräften neue Chancen, in Indien für den
Weltmarkt zu produzieren. Außerdem erleichtere es den Zugang zu
US-Technologien.
## Satirisches Bild von Modi mit MAGA-Baseballkappe
Die von Trump genannten Bedingungen im Abkommen stießen aber auch auf
Kritik. „Herr Modi hat Indien zweifellos viele Premieren beschert. Aus
Trumps Truth-Social-Account zu erfahren, dass Indien kein russisches Öl
(mehr) kaufen wird, und Details zum Handelsabkommen zwischen den USA und
Indien zu erfahren (noch bevor Indien dies bekannt gegeben hat), ist
sicherlich eine weitere Premiere“, [4][kritisierte die
Oppositionspolitikerin Mahua Moitra] (TMC).
Die indische Kongresspartei zeigte in den sozialen Medien ein, anscheinend
KI-generiertes, [5][satirisches Bild von Modi mit einer
MAGA-Baseballkappe]. Anand Ranganathan, Professor an der JNU-Universität,
[6][sprach von einem „großartigen Deal“], allerdings für Amerika. Der
Grund: Zwar sollen 18 Prozent Zoll auf indische Waren erhoben werden, aber
US-Produkte sollen zollfrei bleiben. Michael Kugelman, Südasienexperte beim
Atlantic Council, nennt die Einigung nach fast einem Jahr der Spannungen
eine „dennoch vielversprechende Entwicklung“. Aber: Die „guten Zeiten“ für
die Beziehungen seien wohl noch lange nicht zurück.
3 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-Freihandelsabkommen-mit-Indien/!6149009
(DIR) [2] /Handelsabkommen-zwischen-EU-und-Indien/!6149025
(DIR) [3] https://timesofindia.indiatimes.com/business/india-business/faqs-on-trump-18-tariff-relief-what-does-the-trade-deal-mean-for-india-russian-oil/articleshow/127882006.cms
(DIR) [4] https://x.com/MahuaMoitra/status/2018401164426182814
(DIR) [5] https://x.com/INCIndia/status/2018649912549019998
(DIR) [6] https://x.com/ARanganathan72/status/2018543059865350327
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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