# taz.de -- SPÖ-Bundesparteitag in Wien: Andreas Bablers harter Realitätscheck
       
       > In Österreich hat sich der SPÖ-Chef zwar beim Bundesparteitag behauptet.
       > Doch das schlechte Ergebnis zeigt, wie schwierig sein erstes Jahr als
       > Vizekanzler war.
       
 (IMG) Bild: Andreas Babler wurde auf dem Parteitag seiner Sozialdemokraten mit nur 81,5 Prozent der Stimmen als SPÖ- Vorsitzender wiedergewählt
       
       Bis vor kurzem galt er als [1][Hoffnung der österreichischen
       Sozialdemokraten]: Andreas Babler. Am SPÖ-Parteitag am Samstag erhielt
       Babler nun mit 81,5 Prozent Zustimmung das historisch zweitschlechteste
       Ergebnis eines SPÖ-Bundesvorsitzenden. Trotz des ausbaufähigen Rückhalts
       kann der Vizekanzler ein Stück weit aufatmen.
       
       Als der linke Babler im Juni 2023 [2][überraschend knapp den Parteivorsitz
       eroberte], verkörperte er für seine Anhänger eine klare Hoffnung: Endlich
       wieder eine Sozialdemokratie mit Ecken und Kanten, die für Umverteilung
       steht und sich nicht von Wirtschaftsinteressen vereinnahmen lässt. Babler
       versprach eine Vermögens- und Erbschaftssteuer, eine
       Facharzt-Termingarantie binnen 14 Tagen, eine sechste Urlaubswoche und eine
       Vier-Tage-Arbeitswoche. Nichts davon konnte er halten: Die Vermögenssteuer
       wurde von den Koalitionspartnern blockiert. Die anderen Forderungen waren
       von vornherein nicht umsetzbar.
       
       Viele einst glühende Anhänger sind inzwischen enttäuscht. Während die
       konservative Kanzlerpartei ÖVP sich in Umfragen zuletzt leicht verbessern
       konnte (22 Prozent), dümpeln die Sozialdemokraten bei 18 Prozent – ein
       historischer Tiefstwert. Unangefochten an der Spitze liegt weiterhin die
       rechtsextreme FPÖ mit rund 36 Prozent.
       
       Mitgrund für die Krise ist, dass sich die Boulevardmedien seit Wochen gegen
       Babler einschießen. Sie nehmen ihm übel, dass er als Medienminister die
       zuvor üppigen Werbegelder für Regierungsinserate drastisch gekürzt hat.
       Eine mindestens so große Rolle spielen die in der SPÖ [3][besonders
       kultivierten Sticheleien und Vorsitzdebatten]. Erst im Februar schien ein
       Umsturzversuch durch den früheren SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern zum
       Greifen nahe. Weil ihm entscheidende Gruppen, allen voran die mächtige
       Wiener Landespartei, die Unterstützung verweigerten, wurde das Vorhaben
       abgeblasen.
       
       ## Dauerthema Inflation
       
       Zugutehalten muss man Babler die schwierige Ausgangslage. Die SPÖ hat als
       [4][Sandwichpartei zwischen ÖVP und Neos] einen denkbar schwierigen Stand.
       Zudem lässt der klamme Staatshaushalt kaum Spielraum für Reformen.
       SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer achtet auf strengen Budgetvollzug,
       manchmal zu streng für Bablers Geschmack. Bei der Mehrwertsteuersenkung auf
       Grundnahrungsmittel musste Babler Marterbauer überzeugen, dem die
       Gegenfinanzierung nicht wasserdicht genug war.
       
       Die überbordende Inflation war das zentrale Thema zum Start der Regierung
       vor einem Jahr und ist es bis heute. Die Inflationsrate blieb im Vorjahr
       hartnäckig hoch und lag erst Anfang 2026 wieder unter der
       Zwei-Prozent-Marke. Babler argumentierte, die getroffenen Maßnahmen
       brauchten Zeit, um zu wirken.
       
       Doch es gibt auch Erfolge: Im Energiebereich hat die Regierung unter
       anderem einen Sozialtarif für Menschen in der Mindestsicherung eingeführt.
       Der von Babler forcierte Mietpreisdeckel entlastet 2,7 Millionen Menschen.
       Die kürzlich beschlossene Steuersenkung bei Grundnahrungsmitteln soll rund
       100 Euro Ersparnis pro Haushalt und Jahr bringen.
       
       Doch auch anderswo gibt es Herausforderungen: Babler ist nicht nur
       Vizekanzler, sondern als Sport-, Kultur- und Medienminister für ein breites
       Portfolio zuständig. Die Reform der Medienförderung ist angesichts der
       [5][drängenden Zeitungskrise] überfällig, lässt aber weiter auf sich
       warten. Im Kulturbereich musste Babler die Budgets kürzen und dennoch die
       Breite des Angebots sichern. Dass dabei größere Häuser sparen müssen,
       bringt ihm keine Sympathien.
       
       Wohl wegen der schwierigen Lage zeigte sich Babler mit den 81,5 Prozent vom
       Samstag – ernstzunehmende Gegenkandidaten waren gar nicht erst angetreten –
       höchst zufrieden: Über vier Fünftel Zustimmung, das sei ein starkes
       Zeichen. Auch wenn beim letzten SPÖ-Parteitag 2023 noch knapp 89 Prozent
       für ihn gestimmt haben und die nächste Vorsitzdebatte wohl nur eine Frage
       der Zeit ist.
       
       8 Mar 2026
       
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