# taz.de -- Rassismus in Deutschland: Die neue deutsche Islamophobie-Industrie
       
       > Immer mehr Akteure wollen uns weismachen, dass antimuslimischer Rassismus
       > eine linke Erfindung sei – und profitieren davon. Warum das gefährlich
       > ist.
       
 (IMG) Bild: „Operation Luxor“: Der brutale Spezialeinsatz gegen mutmaßliche Islamist:innen wurde im Nachhinein als rechtswidrig eingestuft
       
       „Es ist ekelhaft. Es ist rassistisch. Es ist, als würde man sagen: ‚Oh, du
       schmieriger Jude!‘“, entgegnete US-Schauspieler Ben Affleck einst sichtlich
       aufgebracht dem Comedian und Talkshow-Host [1][Bill Maher]. In der
       [2][hitzigen Debatte im Jahr 2014] fegte Affleck die Pauschalisierungen
       seines Gegenübers vom Tisch: „Wie wäre es mit den über einer Milliarde
       Menschen, die keine Fanatiker sind, die ihre Frauen nicht schlagen, die
       einfach nur zur Schule gehen wollen, die fünfmal am Tag beten und die keine
       der Dinge tun, die Sie uns hier als ‚prägend‘ für alle Muslime verkaufen
       wollen?“ Es war ein Moment, der vielen Zuschauern guttat und deshalb auch
       viral ging.
       
       Denn bis heute gehört Maher, der sich als Liberaler gibt, zu den
       schrillsten und muslimfeindlichsten Stimmen Amerikas. Er unterstützte die
       verheerenden Antiterror-Kriege der USA, israelische Kriegsverbrechen in
       Gaza und in diesen Tagen auch die US-Angriffe auf Iran. Mahers Rhetorik
       unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht kaum von jener Donald Trumps oder
       Benjamin Netanjahus – zwei Fanatikern, die auf der internationalen
       Weltbühne kaum noch ernst genommen werden, hierzulande [3][jedoch
       erschreckend viele Anhänger:innen finden.]
       
       Mit seiner Haltung gegenüber Muslim:innen steht Maher keineswegs allein
       da. Vor allem in Deutschland lassen sich immer mehr Akteure mit ähnlicher
       Rhetorik finden, die damit in erster Linie den Diskurs über reale Probleme
       vergiften wollen. Hierzu gehören schon seit Langem nicht nur
       AfD-Politiker:innen wie Gottfried Curio, die die Existenz jedweder
       Muslimfeindlichkeit stets als „ideologisches Konstrukt“ negieren, sondern
       auch zahlreiche Personen, die sich trotz ihrer kruden Weltanschauungen als
       „Vertreter der Mitte“ oder „Feinde von jedwedem Extremismus“ verstehen.
       
       So ist es wenig überraschend, dass in den letzten Wochen auch verschiedene
       Vertreter:innen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion antimuslimischen
       Rassismus kleinredeten oder gar völlig als Illusion oder Erfindung von
       „Linken und Islamisten“ abstempelten. Besonders deutlich wurde dies durch
       Akteure wie Christoph de Vries, der den Begriff im Bundestag [4][als
       „konstruiert“ bezeichnete] und damit suggerierte, es handle sich lediglich
       um ein politisches Manöver, um Islamkritik mundtot zu machen.
       
       ## Die deutsche Islamophobie-Industrie
       
       Dass derartige Positionen mittlerweile den politischen Mainstream erreicht
       haben, verwundert kaum: Seit den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober
       2023 und dem darauffolgenden genozidalen Vorgehen der israelischen Armee in
       Gaza boomt in Deutschland abermals das, was man nur als
       Islamophobie-Industrie bezeichnen kann. Konkret bedeutet dies, dass die
       Angst vor Extremismus geschürt und kommerziell ausgeschlachtet wird – sei
       es für Regierungsprogramme, Buchverträge oder mediale Aufmerksamkeit.
       
       In Deutschland floriert dieses Geschäft weiterhin, wie der Fall Ahmad
       Mansour verdeutlicht. Erst im vergangenen Jahr zeigte eine
       Correctiv-Recherche auf, dass ein [5][Antisemitismusprojekt Mansours vom
       Forschungsministerium mit Millionen gefördert wird], obwohl es
       höchstwahrscheinlich wissenschaftliche Standards verletzt. Mansour gilt in
       konservativen Kreisen weiterhin als der Islamismusexperte schlechthin,
       obwohl tatsächliche Expert:innen, darunter vor allem viele
       Islamwissenschaftler:innen, seine Methodik seit Jahren massiv kritisieren.
       
       Doch echte Expertise scheint im aktuellen Klima zweitrangig zu sein.
       Stattdessen wird gepusht, was schrill ist und einfache Weltbilder liefert.
       Darauf bauen Medien, Publizist:innen und auch manche
       Wissenschaftler:innen seit Langem auf. Ein aktuelles Beispiel hierfür
       ist der Journalist Sascha Adamek, der jüngst ein vermeintlich
       investigatives Sachbuch mit dem Titel „Unterwanderung – Der Politische
       Islam weiter auf dem Vormarsch“ veröffentlichte. Es ist ein Sammelsurium an
       Behauptungen, die praktisch jeden muslimischen und migrantischen Akteur in
       Deutschland als potenziell extremistisch markieren.
       
       Hilfsorganisationen, antirassistische Vereine, kritische
       Wissenschaftler:innen oder gar der Münchener Vorzeigeimam Benjamin
       Idriz – für Adamek sind sie alle irgendwie Teil eines islamistischen
       Geflechts, das im Namen der Muslimbrüder heimlich nach Einfluss strebt.
       
       ## Eine Mischung aus Provinzialität und Radikalisierung
       
       Besonders perfide ist Adameks Umgang mit dem Fall des österreichischen
       Politologen Farid Hafez, der heute an der Universität William & Mary in
       Virginia lehrt. Kritik an Hafez’ Thesen ist legitim, doch Adamek
       instrumentalisiert die „Operation Luxor“, deren Opfer Hafez wurde, und
       unterschlägt dabei entscheidende Fakten: Dieser brutale Spezialeinsatz
       gegen mutmaßliche Islamist:innen wurde im Nachhinein als rechtswidrig
       eingestuft. Hafez konnte zahlreiche Gerichtsverfahren für sich entscheiden,
       während investigative Recherchen belegten, dass Desinformationskampagnen
       aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) bei der Kriminalisierung eine
       Schlüsselrolle spielten.
       
       Es ist bezeichnend, dass Adamek ausgerechnet die VAE immer wieder als
       verlässliche Quelle für „Antiislamismus“ nennt – gemeinsam mit der
       israelischen Regierung, deren Angaben von keiner namhaften
       Menschenrechtsorganisation mehr ungeprüft übernommen werden. Dass solche
       Quellen im deutschen Diskurs als sakrosankt gelten, verdeutlicht dessen
       zunehmende Provinzialität und Radikalisierung.
       
       Letztlich ist es kein Zufall, dass Adamek den Begriff des antimuslimischen
       Rassismus in einem aktuellen Interview mit Cicero [6][als „Erfindung“
       abtut]. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Antimuslimische Übergriffe
       gehören in Deutschland zum Alltag und der Begriff ist wissenschaftlich
       längst etabliert. In einem Land, in dem der Terroranschlag von Hanau
       stattfand, der NSU jahrelang morden konnte und Marwa El-Sherbini im
       Gerichtssaal hingerichtet wurde, sollte die Existenz dieses Hasses kein
       Gegenstand kruder Debatten sein, sondern Anlass für entschlossenes
       staatliches Handeln.
       
       28 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Debatte-um-Asyl-und-Migration/!6032780
 (DIR) [2] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.theguardian.com/tv-and-radio/tvandradioblog/2014/oct/06/bill-maher-islam-ben-affleck&ved=2ahUKEwj2yJbH3I2UAxVKcPEDHZ8ZJ04QFnoECB0QAQ&usg=AOvVaw0pzclkVtnTYqlqtHvrgOWs
 (DIR) [3] /Antimuslimischer-Rassismus-in-Deutschlan/!6091513
 (DIR) [4] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=http://www.csu-landesgruppe.de/node/24858&ved=2ahUKEwjrkYXl3Y2UAxVBBNsEHUn7CPIQFnoECCEQAQ&usg=AOvVaw2xbuREYXkJhQU61guo93Zd
 (DIR) [5] /Schwarz-rote-Islampolitik/!6132425
 (DIR) [6] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3D8_1-OkBdWtg&ved=2ahUKEwjduMXT4I2UAxW_SfEDHRU5F6cQtwJ6BAgZEAI&usg=AOvVaw3UC9axA8lZcJhBavNwbAjr
       
       ## AUTOREN
       
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