# taz.de -- Konservative in Österreich: Antimuslimische Kampagne löst breite Empörung aus
> In Österreich hetzt die Volkspartei mit Slogans wie „Null Toleranz“ gegen
> Muslime. SPÖ und Neos distanzieren sich von ihrem Koalitionspartner.
(IMG) Bild: Die Kampagne seiner Partei erinnert an die rechte FPÖ: der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker von der ÖVP
„Wusstest du, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als
schwierig empfinden?“ Mit dieser und ähnlichen Botschaften flutet die
konservative Österreichische Volkspartei (ÖVP) derzeit die [1][sozialen
Medien]. Dabei beruft sie sich auf eine [2][Umfrage des umstrittenen
Österreichischen Integrationsfonds]. Die Postings unter dem Slogan „Null
Toleranz“ verlinken auf eine ÖVP-Website, die Stimmung für Abschiebungen
nach Syrien und Afghanistan und ein „Scharia-Verbot“ macht.
In weiteren Sujets der Kampagne werden zusätzliche Umfrageergebnisse
präsentiert: 72 Prozent der befragten 1.000 österreichischen
Staatsbürger:innen würden Integration als schlecht bewerten, 66 Prozent
sähen das Zusammenleben mit Muslim:innen negativ. In einem Video sagt
ÖVP-Integrationsministerin Claudia Plakolm: „Integration ist kein Angebot,
sondern Pflicht.“
Aufmachung und Inhalt erinnern an die rechtsextreme Freiheitliche Partei
(FPÖ). Nun hat die Kampagne auch den ersten offen ausgetragenen Konflikt
der knapp ein Jahr amtierenden Dreierkoalition ausgelöst.
SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer entschuldigte sich öffentlich bei den
rund 800.000 österreichischen Muslim:innen: „Entschuldigung! Wir sind nicht
so.“
Auch Yannick Shetty, Fraktionsvorsitzender der mitregierenden liberalen
Neos, kritisierte scharf: Wer alle Muslim:innen pauschal unter
Generalverdacht stelle, spalte bewusst die Gesellschaft und befördere
Rechtsextreme wie Islamisten gleichermaßen. Die Sozialistische Jugend (SJ)
stellte gar Anzeige wegen Verhetzung gegen die Partei und Ministerin
Plakolm. In ihrer Kritik verwies die SJ auf Schüsse auf eine
niederösterreichische Moschee, die zeitgleich zum Start der Kampagne am
Wochenende abgegeben wurden. Der Vorfall zeige, wohin derartige
Stimmungsmache führen könne.
## „Solche Pauschalurteile verstoßen gegen christliche Werte“
Kritik kommt auch aus der Zivilgesellschaft. Die Menschenrechtsorganisation
SOS Mitmensch warf Plakolm vor, Muslim:innen kollektiv an den Pranger zu
stellen. Ungewöhnlich deutlich reagierte Ferdinand Kaineder, Präsident der
Katholischen Aktion Österreich: Solche Pauschalurteile von einer Partei,
die sich als Vertreterin christlicher Werte darstelle, seien schmerzhaft.
Die Debatte ist brisant, da die konservative ÖVP seit Jahrzehnten für das
Innenministerium und sämtliche Integrationsagenden zuständig ist. Auch der
Integrationsfonds (ÖIF), auf dessen Befragung die Kampagne basiert,
untersteht dem Bundeskanzleramt und wird seit Jahren für seine ÖVP-Nähe
kritisiert.
Der Sozialforscher Günther Ogris bezeichnete bereits 2020 eine ÖIF-Studie
als „Wahlkampfmaterial für eine Propaganda-Abteilung“. Auch damals wurden
suggestive Fragen gestellt, etwa zur „gesellschaftlichen Abschottung durch
Parallelstrukturen von zugewanderten Personen“. Die Ergebnisse wurden von
der ÖVP in ähnlicher Form wie jetzt ausgeschlachtet.
## FPÖ fordert „Festung Europa“
Unterstützung erhält die Volkspartei von der FPÖ. Deren Generalsekretär
Michael Schnedlitz fordert noch schärfere Maßnahmen und eine „Festung
Österreich“. Tatsächlich ist die Linie der beiden Rechtsparteien kaum mehr
unterscheidbar. Erst kürzlich beschloss die Regierung auf ÖVP-Initiative
ein [3][Kopftuchverbot für muslimische Mädchen unter 14 Jahren in der
Schule]. Verfassungsexperten rechnen damit, dass es neuerlich vom
Verfassungsgerichtshof gekippt wird.
Die ÖVP verteidigt ihre Kampagne vehement. Generalsekretär Nico Marchetti
hält die Empörung für „verwunderlich“, man präsentiere lediglich
wissenschaftliche Fakten. Zudem gebe es „wirklich Parallelgesellschaften“,
wie er aus eigener Erfahrung bestätigen könne. Die Transparenz der Partei
ist jedenfalls ausbaufähig: Eine taz-Anfrage zu Umfang und Kosten der
Kampagne sowie zur Frage, ob dafür Steuergelder aufgewendet werden, ließ
die ÖVP unbeantwortet.
23 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DSZ2UV0DLBu/?utm_source=ig_embed&utm_campaign=loading
(DIR) [2] https://www.integrationsfonds.at/mediathek/mediathek-publikationen/publikation/oeif-studie-integrationsbarometer-02-2025-28468/
(DIR) [3] /Kopftuchverbot-in-Oesterreich/!6137879
## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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