# taz.de -- Friedensverhandlungen für die Ukraine: Theater und Realität
> Während die Ukraine und Russland in Abu Dhabi verhandelten, eskalierte
> Russland seine Angriffe. Die USA sagen dazu nichts, Europa tut dagegen
> nichts.
(IMG) Bild: Eine ukrainische Familie sucht in einer U-Bahn-Station Schutz vor den russischen Angriffen
Wer glaubt, Russlands Krieg zur Vernichtung der Ukraine ließe sich am
Verhandlungstisch beenden, dessen Herzen dürften in den vergangenen Tagen
höher geschlagen haben. [1][Zwei Tage lang saßen sich in Abu Dhabi
russische und ukrainische Unterhändler gegenüber – zusammengebracht von den
USA. „Konstruktiv“] seien die Gespräche gewesen, heißt es, in einer Woche
soll es weitergehen. Steht also endlich Frieden vor der Tür?
Drei Gründe gibt es, daran sehr stark zu zweifeln. Erstens: Zugeständnisse
werden einzig von der ukrainischen Seite verlangt, und zwar solche, die
keine Regierung politisch überleben würde, etwa die freiwillige Übergabe
auch solcher Gebiete, die die Ukraine bis heute gegen Russland unter großen
Opfern erfolgreich verteidigt und wo sich mehrere große Städte samt ihrer
Bewohner befinden. Zweitens: Russland zeigt überhaupt kein
Friedensinteresse, es macht keinerlei eigene Zugeständnisse, beharrt auf
seinen Maximalforderungen und [2][eskaliert seine Angriffe noch während der
Gespräche]. Drittens: die USA sind kein ehrlicher Makler, jedenfalls nicht
unter ihrem aktuellen Präsidenten.
Die Ukraine macht bei diesem Theater nur mit, um nicht vollends die
Unterstützung der USA zu verlieren. Und Russland zerstört weiter
systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine. Millionen von
[3][Menschen erleiden jetzt ihren schlimmsten Kriegswinter, ausgebombt und
von Strom und Wasser abgeschnitten bei Minustemperature]n. Es ist die
größte humanitäre Katastrophe in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Das ist
die Realität. Nicht dieser „Friedensprozess“.
Russland beruft sich jetzt auf bestehende angebliche Vereinbarungen mit den
USA und sagt, Europa sei kein Gesprächspartner. Die US-Seite widerspricht
dem nicht, sie hat kein Konzept. Ebenso wenig Europa, das viel von der
Zukunft spricht, aber in der Gegenwart faktisch die Hände in den Schoß
legt. Es kann sehr einsam sein in Kyjiw im Bombenwinter. Mitten in Europa –
und doch, wenn es darauf ankommt, unsichtbar.
25 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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