# taz.de -- „Sicherheitsgarantien“ von Paris: Europäische Beruhigungspillen für die Ukraine
       
       > In Paris hat sich Europa verpflichtet, zu einer Friedenssicherung in der
       > Ukraine militärisch beizutragen. Aber Frieden ist gar nicht in Sicht.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Elysee-Palast, Paris, am 6.1.2026
       
       Die Inszenierung war perfekt. Feierlich haben Frankreichs Präsident
       Emmanuel Macron und Großbritanniens Premierminister Keir Starmer als
       Anführer der [1][europäischen „Koalition der Willigen“] im Elysée-Palast
       von Paris der Ukraine militärischen Beistand versprochen. Jedenfalls sollte
       es so aussehen. Was aber sind die Zusagen tatsächlich wert?
       
       Es geht nicht um Eingreiftruppen auf dem Schlachtfeld – das will niemand.
       Es geht auch nicht um Friedenstruppen, um einen möglichen Waffenstillstand
       zu überwachen – das sollen die USA machen, aus der Distanz. Es geht laut
       Pariser Erklärung um eine „multinationale Streitmacht“, die „Abschreckung
       unterstützen“ soll. Von „logistischen Knotenpunkten“ war in Paris die Rede.
       „Keine Kampftruppe“, präzisierte Gastgeber Macron, sondern eine
       „Rückversicherungstruppe“. Das französische Wort „réassurance“ kann man
       auch mit „Beruhigung“ übersetzen: Die Ukrainer sollen beruhigt sein, dass
       Franzosen und Briten ihnen helfen, sollte Russland sie erneut überfallen.
       In so einem Fall, verspricht das [2][Dokument, gelten bindende
       „Sicherheitsgarantien“], die den „Einsatz militärischer Kapazitäten“
       beinhalten können, aber nicht müssen.
       
       Ob das die Ukrainer beruhigt? Ihre eigene Armee ist hundertmal größer als
       jede denkbare westliche „Rückversicherungstruppe“ und deutlich mutiger und
       kampferfahrener. Ukrainische Soldaten werden die westlichen Truppen
       schützen müssen, nicht umgekehrt. Ohnehin sind das alles Luftschlösser.
       Denn Frieden zwischen der Ukraine und Russland ist nicht in Sicht.
       Schlimmer noch: Friedensverhandlungen sind nicht in Sicht. Russland erkennt
       die Ukraine nicht als Gesprächspartner an und akzeptiert keine Kampfpause.
       
       Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine akzeptiert Russland schon gar
       nicht. Es gibt aber ein denkbares Szenario, unter dem sich das ändern
       könnte: wenn nämlich Nato-Truppen im Namen des „Friedens“ die Ukraine dazu
       zwingen, sich von der Front zurückzuziehen. Was ist, wenn Russland
       plötzlich seine Friedensbereitschaft entdeckt und im Gegenzug vom Westen
       verlangt, sich notfalls auch gegen die Ukraine zu stellen? Trump wäre
       begeistert. Die Europäer wären düpiert.
       
       Es reicht also nicht, dass die „Koalition der Willigen“ ihre möglichen
       Beiträge zur Friedenssicherung definiert. Sie muss auch klar sagen, was für
       einen Frieden sie zu sichern bereit ist. Einer zu den Bedingungen Putins
       und Trumps, mit Europa als Beruhigungspille, wäre kein Frieden, der diesen
       Namen verdient. Er wäre eine Zementierung von Besatzung, Terror und
       fortwährender Bedrohung Europas. Aber ein anderer „Frieden“ steht aktuell
       nicht zur Debatte. Europa darf sich nicht auf [3][Trumps und Putins
       zynisches Spiel] mit dem Überleben der Ukraine einlassen
       
       7 Jan 2026
       
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