# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Luftangriffe während Besuchs des Nato-Generalsekretärs
> Russland feuert 450 Drohnen und 70 ballistische Raketen auf die Ukraine
> ab. Betroffen ist – wieder einmal – vor allem die kritische
> Infrastruktur.
(IMG) Bild: Trümmer und Kälte und kein Frieden in Sicht
Immer wenn in Kyjiw Luftalarm ausgelöst wird, gibt eine eigens von der
Stadtverwaltung erstellte App auf dem Smartphone den Laut einer Sirene von
sich. Und wenn man sich zu diesem Zeitpunkt gerade gemeinsam mit anderen
Menschen in einem Bus befindet, hört man von allen Seiten dieses Heulen aus
den Smartphones der anderen Fahrgäste.
Auch am Dienstag war das nicht anders. Bereits die ganze Nacht über hatte
es in der ukrainischen Hauptstadt von kurz nach Mitternacht bis acht Uhr
morgens Luftalarm gegeben. Und tagsüber waren die Sirenen erneut zu
vernehmen – zweimal, jedoch deutlich kürzer.
Für die Bevölkerung von Kyjiw kamen dieser Luftalarm und die damit
einhergehenden Luftangriffe überraschend, hatte sich doch für den Dienstag
Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Kyjiw angekündigt. Üblicherweise bleibt
die Hauptstadt während des Besuches hochrangiger Gäste von russischen
Luftangriffen verschont.
Mit rund 450 Drohnen sowie mehr als 70 ballistischen Raketen und
Marschflugkörpern [1][waren diese nächtlichen Angriffe auf die Ukraine mit
die verheerendsten auf die Ukraine seit Jahresanfang]. Betroffen war
Energie-, Wärme- und zivile Infrastruktur unter anderem in Kyjiw, Charkiw,
Odessa und Dnipro. Insgesamt, so zitiert die New Voice Energieminister
Denys Schmyhal, seien landesweit acht Gebiete angegriffen worden.
## Rohrbrüche verhindern
In der ukrainischen Hauptstadt wurden Wohnhäuser, ein Kindergarten sowie
Anlagen der Wärme- und Stromversorgung beschädigt. 1.170 mehrstöckige
Wohngebäude, so Bürgermeister Vitali Klitschko, seien in der Folge ohne
Heizung und Strom – bei Temperaturen von bis zu −23 Grad Celsius.
In mehreren Bezirken mussten die Heizsysteme vorsorglich entleert werden,
um ein Einfrieren der Leitungen zu verhindern. Am stärksten betroffen war
die Stadt Charkiw im Osten der Ukraine. Beschädigt wurden ein wichtiges
Heizkraftwerk sowie mehrere Umspannwerke. In 820 Wohnhäusern wurde das
Heizwasser abgelassen, um so Rohrbrüche zu verhindern. In der Folge waren
über 100.000 Menschen ohne Heizung. „Das ist staatlicher Terror“, textet
die Charkiwer Bloggerin Halyna Kuts auf ihrer Facebook-Seite.
Schäden meldet auch die Region Odessa. Nach Angaben der Militärverwaltung
waren rund 50.000 Haushalte zeitweise ohne Strom. Landesweit gibt es
Dutzende Verletzte. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Angriffe
zeigten eindeutig, dass Moskau kein ernsthaftes Interesse an Frieden habe.
Russland habe eine kurzfristige diplomatische Pause genutzt, um Raketen zu
sammeln und dann gezielt während der kältesten Tage zuzuschlagen.
In seiner Rede vor dem Parlament sagte Rutte, die nächtlichen Angriffe
belegten die „Unaufrichtigkeit Russlands in Bezug auf Frieden“. Auch im
russischen Belgorod gab es Opfer. Dort wurden nach Angaben des Gouverneurs
Wjatscheslaw Gladkow am Mittwoch ein Zivilist und ein Militär durch eine
Drohne verletzt. [2][Am Mittwoch beginnt in Abu Dhabi eine weitere Runde
von Friedensgesprächen] mit Delegationen aus der Ukraine, Russland und den
USA. Die jüngsten Luftangriffe sind kein gutes Omen für das Treffen.
3 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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