# taz.de -- UN-Bericht zur Finanzierung von Natur: 30 zu 1 für Naturzerstörung
       
       > Laut UN-Bericht fließt deutlich mehr Geld in die Zerstörung der Natur als
       > in den Naturschutz. Die Vereinten Nationen fordern eine Kehrtwende.
       
 (IMG) Bild: Unaufhaltsame Zerstörung der Natur so weit das Auge reicht: Tagebau der Lausitz Energie Bergbau AG in Trebendorf
       
       Wäre es nur ein Spiel um Geld und die Natur träte an gegen ihre Ausbeutung,
       dann lautete der Spielstand: 1 Punkt für Mutter Natur und 30 Punkte für den
       Raubbau. Endstand: 1 zu 30.
       
       Nur ist es kein Spiel, sondern Realität: Auf jeden US-Dollar, der in den
       Erhalt von Natur fließt, werden 30 US-Dollar in ihre Zerstörung investiert.
       Diese Bilanz zieht das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) [1][in
       einem am Donnerstag vorgestellten Bericht] in Nairobi. Es sei an der Zeit,
       gegenzusteuern, heißt es. Der Bericht ging in seine vierte Auflage und
       basiert laut Unep auf verbesserten Datensätzen und Methoden bei der
       Rückverfolgung der Finanzflüsse, in diesem Fall für das Jahr 2023.
       
       Finanzinstitute, Kredite oder Anlagen spielten eine wichtige Rolle für den
       Erhalt oder die Zerstörung von Natur, sagt Tina Lutz, Wald- und
       Handelsexpertin bei der Deutschen Umwelthilfe. „Wir brauchen verbindliche
       Regeln, die sicherstellen, dass Umwelt- und Menschenrechte durch ihre
       Finanzaktivitäten nicht verletzt werden.“
       
       Der UN-Report zeigt: 2023 verfehlten die Investitionen in die Natur um
       Weiten ihr Ziel. Also das, was zur [2][Eindämmung der Klimakrise], des
       Aussterbens der Arten und der Zerstörung von Ökosystemen notwendig ist. In
       dem Jahr seien fast 220 Milliarden Dollar [3][in Naturschutz investiert]
       worden, ein Großteil aus öffentlichen Haushalten – 4 Prozent mehr als 2022.
       Und trotzdem: 2,4 Billionen US-Dollar flossen als Subventionen in die
       Zerstörung von Natur – besonders in fossile Brennstoffe oder
       umweltschädliche Landwirtschaft.
       
       ## Nachhaltiger Anbau von Kaffee, Palmöl oder Soja
       
       Mehr als doppelt so hoch sind die privaten Investitionen, die für
       Zerstörung und Degradierung von Natur sorgen: 4,9 Billionen US-Dollar. Laut
       Unep flossen umweltschädliche Gelder besonders in die Sektoren
       Versorgungswirtschaft, Energie, Industrie und Grundstoffe.
       
       Unep folgert, dass bis 2030 die jährlichen naturerhaltenden Investitionen
       auf 571 Milliarden US-Dollar steigen müssten, um eine Kehrtwende zu
       erreichen – zum Beispiel durch nachhaltigen [4][Anbau von Kaffee], Palmöl
       oder Soja. Das entspreche nur etwa einem halben Prozent der globalen
       Wirtschaftsleistungen. Vorerst hat die Natur gegen ihre Ausbeutung
       verloren. Der Spielstand kann sich aber noch drehen.
       
       23 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.unep.org/resources/state-finance-nature-2026
 (DIR) [2] /Klimafolgen/!6147744
 (DIR) [3] /Europapolitikerin-ueber-Naturschutz/!6137098
 (DIR) [4] /Kleinbauern-in-Aethiopien/!6147472
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
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