# taz.de -- Bundesregierung will mehr Tempo: Streit um schnelleren Autobahnbau
> Autobahnen sollten „im überragenden öffentlichen Interesse“ sein, findet
> die Bundesregierung. Der Verkehrsverband VCD hält das für
> verfassungswidrig.
(IMG) Bild: Bau aus, Bau aus: Autobahn 8 bei Pforzheim – eine neue Trasse wurde eröffnet
In der Diskussion um das Infrastrukturzukunftsgesetz der Bundesregierung
gehen die Einschätzungen weit auseinander, von „offensichtlich
verfassungswidrig“ bis „rechtlich unbedenklich“. Das wurde in einer Sitzung
des Verkehrsausschusses des Bundestages deutlich, die am Montag stattfand.
Mit dem Gesetz will [1][die schwarz-rote Koalition die marode Infrastruktur
des Landes ertüchtigen und erweitern]. Dafür sollen unter anderem
Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, indem mehr Projekte im
„überragenden öffentlichen Interesse“ liegen und so zum Beispiel den
Umweltschutz ausstechen können. Außerdem wollen CDU und SPD künftig
erlauben, Geld in einen zentralen Topf zu zahlen, mit dem andernorts
Ökosysteme wiederhergestellt oder verbessert werden, wenn Natur bei einem
Vorhaben beschädigt wird. Bisher müssen Ausgleichsmaßnahmen lokal
geschaffen werden.
Ruth Hadamek von der bundeseigenen Autobahn GmbH begrüßte den Vorschlag
„entschieden“. Ohne die Vorhaben, die durch das Gesetz priorisiert werden
sollen, „stehen wir vor einem Verkehrsinfarkt“, warnte sie.
Anders sah das Swantje Michaelsen, verkehrspolitische Sprecherin der
Grünen-Fraktion. „Die Bundesregierung schafft sich mit diesem Gesetz eine
Rechtsgrundlage, um von Schwarz-Rot politisch gewollte Autobahnprojekte
gegen jeden Widerstand durchzudrücken“, sagte sie im Vorhinein der Sitzung.
Für eine Beschleunigung seien [2][stattdessen] mehr Personal für Behörden
und Gerichte sowie eine sichere Finanzierung nötig.
## Raststätten im überragenden öffentlichen Interesse?
Ein von den Grünen bestelltes Gutachten des Verkehrsverbands VCD kommt
ebenfalls zu einem vernichtenden Urteil: Der Gesetzentwurf sei
„offensichtlich verfassungswidrig“, weil er [3][Infrastrukturprojekte dem
Naturschutz vorziehe]. Das Grundgesetz verspreche aber in Artikel 20a den
„Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen“.
Außerdem schützten Ausgleichszahlungen für beschädigte Ökosysteme die Natur
„immer nur verzögert“, kritisierte die Autorin des Gutachtens, Christine
Rohleder. „Nur der ortsnahe Ausgleich schützt die konkreten Arten und
Ökosysteme.“
Beides hält der Rechtsanwalt Wolfgang Ewer für „rechtlich unbedenklich“. Er
habe aber auch „schlucken müssen, als ich das mit der Raststätte gelesen
habe“, sagte er – im überragenden öffentlichen Interesse sollen laut
Gesetzentwurf nämlich auch LKW-Parkplätze an Autobahnen sein.
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Abbau-von-Umweltschutz-fuer-Strassenbau/!6137460
(DIR) [2] /Die-Regierung-will-Bauvorhaben-beschleunigen-klappt-das/!6139055
(DIR) [3] /Schwarz-Rot-will-auf-die-Tube-druecken/!6157473
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Infrastruktur
(DIR) Naturschutz
(DIR) Autobahn
(DIR) Deutsche Bahn (DB)
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Ines Schwerdtner
(DIR) Vereinte Nationen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Deutsche Klimabilanz: Immerhin dem Wald geht's besser
Die deutschen CO₂-Emissionen sinken nur minimal. Auch fürs Klimaziel 2030
sieht es nicht gut aus. Ein Hoffnungsschimmer ist der gesundende Wald.
(DIR) Ines Schwerdtner vs. Katharina Dröge: „Wir kämpfen doch sehr allein“
Linken-Chefin und Grünen-Fraktionsspitze streiten über Klima, Rente,
Ukraine, Palästina. Von oppositioneller Einigkeit wirken sie entfernter
denn je.
(DIR) UN-Bericht zur Finanzierung von Natur: 30 zu 1 für Naturzerstörung
Laut UN-Bericht fließt deutlich mehr Geld in die Zerstörung der Natur als
in den Naturschutz. Die Vereinten Nationen fordern eine Kehrtwende.