# taz.de -- Wolf-Abschuss per Gesetz: Das Problem im deutschen Wald ist nicht der Wolf
> Die Politik will den Abschuss des Raubtieres erleichtern. Doch das wahre
> Problem ist der Jäger. Zumindest wenn er nichts von Nachhaltigkeit
> versteht.
(IMG) Bild: Ist nicht das Problem im deutschen Wald: der Wolf
In der Pressemitteilung zur geplanten [1][Änderung des Bundesjagdgesetzes]
ist es nur ein Nebensatz: Man wolle nicht nur den Wolf ins Gesetz
aufnehmen, sondern auch einen runden Tisch einrichten – mit Jägern,
Waldbesitzern und Umweltschützern. Ziel der Bundesregierung sei es, bis
Ende 2026 „Ergebnisse zum Wald-Wild-Konflikt“ vorzulegen. Sehr schöne Idee,
doch geredet wurde in den vergangenen Jahrzehnten genug. Deswegen hier
schon mal ein Vorschlag für ein Ergebnis: Es braucht neue Jagdgesetze, die
den Wald nicht länger zur Kulisse für Jägerwünsche degradieren.
Denn das Problem im deutschen Wald ist nicht der Wolf. Ja, es ist richtig,
Problemwölfe, die Schafe und andere Tiere reißen, sollten so schnell wie
möglich geschossen werden. Mehr Tempo und einfachere Verfahren wären dabei
hilfreich. Doch das größere Problem sind die Jäger – nicht wegen der Tiere,
die sie schießen wollen (Wölfe), sondern wegen derer, die sie nicht
schießen wollen.
Sie wollen Wölfe loswerden, weil diese Unruhe ins Revier bringen, Rehe und
Rotwild fressen – auch die mit prächtigen Geweihen – und die gemütliche
Jagd vom Hochsitz erschweren. Bitte keine Konkurrenz, das ist das wahre
Motiv.
Ansonsten aber sind Jäger sehr wählerisch darin, was gejagt werden soll,
etwa Rehe und Rotwild: Ja, gerne – aber nicht zu viele. Zwar werden im Jahr
mehr als 1,3 Millionen Rehe geschossen, aber die, die noch da sind, reichen
aus, um den dringend nötigen [2][Waldumbau] dramatisch auszubremsen. Rehe
fressen junge Laubbäume, und so bleiben die artenarmen, anfälligen Fichten-
und Kiefernplantagen bestehen. Dichte Laubwälder könnten längst wachsen,
wenn der Wildbestand sinken würde. Schon 1971 forderte der Naturschützer
[3][Horst Stern] genau das. Jedes Weisergatter – umzäunte Waldflächen, wo
Rehe nicht reinkommen – zeigt das. Doch alle Reformen der Jagdgesetze, die
den Wald über die Wildhege stellen, scheitern am Widerstand traditioneller
Jäger oder werden bis zur Unkenntlichkeit verwässert.
Doch es gibt Hoffnung: Immer mehr junge Jägerinnen und Jäger verstehen das
Problem. Sie jagen im Einklang mit Wald- und Landbesitzern so, dass die
Naturverjüngung ohne Zäune gelingt. Nein, es geht nicht um die Ausrottung
der Rehe, wie manche Jäger reflexhaft behaupten. Es geht um eine
zukunftsorientierte Balance zwischen Wald und Wild. Mit Wolf.
Und auch das entwickelt sich: Wo Jagdpächter nicht bereit sind, genug zu
jagen, denken Waldbesitzer in manchen Jagdgenossenschaften um. Statt die
Wälder für die Jagd zu verpachten, für mindestens neun Jahre (auch so eine
Regel im Jagdgesetz, die wegkann), organisieren sie das selbst. Das ist
viel Arbeit für Kleinwaldbesitzer, vor allem am Anfang, aber es lohnt sich:
Endlich wächst bei ihnen ein klimaresilienter Wald für eine Zukunft, die
Lebensraum bietet, Ökosysteme stabilisiert und eine profitable Holzernte
ermöglicht. Solche Modelle sollte ein Jagdgesetz fördern und unterstützen,
statt konservativen Jagenden den Wolf vor die Flinte zu liefern.
25 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Maike Rademaker
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