# taz.de -- Teddy Award auf der Berlinale: „Das queere Kino ist Teil des Festivals“
> Zum 40. Mal wird auf der Berlinale der queere Filmpreis verliehen. In
> Zeiten des globalen Backlash ist der Teddy Award wichtiger denn je.
(IMG) Bild: Meret Beckers Schuhe beim Teddy Award 2015
So viele Filme: Das Programm der diesjährigen Berlinale, die am
Donnerstagabend eröffnet wird, [1][umfasst insgesamt 276 Filme aus 80
Ländern]. Über 50 Produktionen haben einen queeren Bezug. Das ist erst mal
eine erstaunliche große Zahl, doch hier in Berlin laufen traditionell die
meisten queeren Filme, quer durch alle Sektionen. Diese Bandbreite bietet
weder Cannes noch Venedig. Und mit dem Teddy Award haben [2][die
Internationalen Filmfestspiele Berlin] einen queeren Filmpreis, der
weltweit einmalig ist. Dieses Jahr wird der Teddy zum 40. Mal verliehen –
das wird gefeiert.
[3][Der Teddy Award] war der erste queere Filmpreis auf einem A-Festival.
Seit 1987 wird dieser in den Kategorien Kurz-, Dokumentar- und Spielfilm
vergeben. Als erste Preisträger wurden mit Gus Van Sant und Pedro Almodóvar
zwei junge Regisseure ausgezeichnet, die später Weltkarriere machten. Seit
1992 ist der Teddy Award offiziell als unabhängiger Preis der Berlinale
anerkannt.
Das 40-jährige Bestehen des Preises wird mit einer Sonderreihe „Teddy 40“
begangen, die sechs Kurzfilme und acht Langfilme beinhaltet. „Das sind
natürlich nur ein paar Highlights aus vier Jahrzehnten
Teddy-Filmgeschichte“, sagt Michael Stütz, einer von drei
geschäftsführenden Vorständen des Fördervereins Teddy e. V., der 1997
gegründet wurde.
Stütz hat seine Laufbahn 2005 als Praktikant bei der Berlinale begonnen,
erzählt er im Gespräch mit der taz. Seit 2021 ist er beim Förderverein
dabei und arbeitet seit 2019 als Leiter der Panorama-Sektion, aus der der
Teddy hervorgegangen ist. [4][Wieland Speck] (Jahrgang 1951) und
[5][Manfred Salzgeber] (1934–1994) gelten als Gründungsväter. Queere oder
wie es damals hieß: schwule und lesbische Filme liefen teilweise schon seit
Anfang der 1980er auf der Berlinale, also vor der Teddy-Gründung. Manfred
Salzgeber und Wieland Speck haben diese Filme ins Berlinale-Programm
aufgenommen.
## Preise generieren Öffentlichkeit
Michael Stütz hat einst als Assistent von Speck gearbeitet. „Ich habe
sozusagen die Nachfolge von Wieland angetreten.“ Und seit 2024 ist Stütz
zudem Direktor des Gesamtfilmprogramms, also auch für die
Wettbewerbsbeiträge zuständig. „Wir brauchen diesen Preis“, erzählt Stütz
von den einstigen Beweggründen für den Teddy, „weil Preise Öffentlichkeit
generieren.“ Und so ein Preis ist gut „für den Filmmarkt und die
Filmindustrie, um die Filme in die Welt hinauszuschicken, um denen auch
eine Karriere außerhalb des Festivals zu ermöglichen“.
Hat geklappt. Der Teddy Award ist eine Erfolgsgeschichte. Der Preis genießt
international großes Renommee. „Der Teddy hat eine große Strahlkraft weit
über die deutschen Grenzen hinaus“, sagt Stütz.
Zum Jubiläum läuft [6][eine Veranstaltungsreihe] unter dem Titel „Wild at
Heart“ noch bis 19. Februar, darunter am 18. Februar das jährliche Treffen
von Fachleuten aus der queeren Filmbranche. Filmemacher:innen,
Programmierer:innen sowie Verleiher:innen und
Vertriebsagent:innen kommen im Gropius Bau zusammen. Queeres Kino baut
traditionell auf Netzwerke und kollaborative Produktionsformen und ist auf
Bündnisse angewiesen. Schon immer.
Vor vier Jahrzehnten war der Teddy „enorm wichtig“, sagt Michael Stütz,
„was die Sichtbarkeit queerer Filme und Filmemacher:innen und das
Integrieren eines queeren Filmpreises in ein Festival wie die Berlinale
betrifft“. Der Teddy habe sich „über die Jahre hinweg von einem
subkulturellen Event zu einem der begehrtesten und größten Events der
Berlinale entwickelt“.
## Ins Festival „hineingewachsen“
Der Teddy, so Stütz, war eng mit Berlin und den vielen queeren Räumen in
der Stadt verbunden – „was auch heute immer noch sehr wichtig ist“. Gerade
in Zeiten wie diesen: „Es gibt einen globalen Backlash“, sagt Stütz,
„politisch gesehen ist der Teddy Award und die Präsenz queerer Filme auf
der Berlinale wichtiger als vor zehn Jahren.“
Und weil queere Filme in allen Sektionen laufen, „haben wir eine
wahnsinnige Bandbreite an queeren Filmschaffenden im Programm“, sagt Stütz.
Das Queere wäre gewissermaßen ins Festival „hineingewachsen“. Und das ginge
auf die „große und verdienstvolle Pionierarbeit, die Manfred Salzgeber und
viele andere damals geleistet haben“, zurück. „Das queere Kino ist Teil der
Festival-DNA“, bringt es Stütz auf den Punkt.
Das sieht übrigens auch Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle so. „Der Teddy
Award ist auch fast 40 Jahre später noch sehr wichtig“, hat sie dem
[7][queeren Onlineportal queer.de] in einem Interview gesagt. „Er hatte
damals großen Einfluss und trägt immer noch dazu bei, queeres Kino sichtbar
zu machen.“ Viele bedeutende Filmemacher:innen wie der diesjährige
Jury-Präsident [8][Todd Haynes] hätten den Teddy gewonnen. „Der Preis ist
ein unverzichtbarer Teil der Geschichte des Festivals“, so Tuttle. „Wir
werden ihn weiterhin bewahren und entwickeln, da er zu unserem Erbe
gehört.“
Das wird nun also gefeiert. Am besten, in dem sich die Berliner:innen
die rund 50 queeren Filme anschauen (der Teddy-Förderverein [9][stellt auf
seiner Homepage] alle vor). „Wenn wir uns auf der Leinwand sehen, nehmen
wir das natürlich mit in die Welt hinaus“, sagt Michael Stütz über den so
wichtigen Sinn von queeren Filmen. „Idealerweise kann das eine Haltung
verfestigen und stärken – und einem Mut mitgeben.“
Die Teddy-Award-Gala, die traditionell am Vorabend der Preisgala zum
Goldenen Bären, also am 20. Februar in der Volksbühne stattfindet, endet
mit einer großen Party. Filme und Feiern gehören schon immer zusammen. „Das
Zusammenkommen und das Feiern auf einem Filmfestival und auf einer
Filmparty ist auch ein politischer Aspekt“, sagt Michael Stütz.
12 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pressekonferenz-der-Berlinale/!6147194
(DIR) [2] https://www.berlinale.de/de/home.html
(DIR) [3] https://www.teddyaward.tv/de/teddy/
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Wieland_Speck
(DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Salzgeber
(DIR) [6] https://www.teddyaward.tv/de/talks/
(DIR) [7] https://www.queer.de/detail.php?article_id=52117
(DIR) [8] https://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Haynes
(DIR) [9] https://www.teddyaward.tv/de/filme/
## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
## TAGS
(DIR) Queer cinema
(DIR) Kino
(DIR) Filmbranche
(DIR) Dokumentarfilm
(DIR) Kurzfilm
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) GNS
(DIR) Museum
(DIR) Kino
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kino International öffnet nach Sanierung: So chic war die DDR
Das einstige Premierenkino der DDR war in die Jahre gekommen. Nach
Generalsanierung eröffnet das Kino International zwei Monate früher als
geplant.
(DIR) Neueröffnung Deutsche Kinemathek: Mehr Leinwandzeit wagen
Die Deutsche Kinemathek eröffnet ihren neuen Standort im ehemaligen E-Werk.
Mit der Installation „Screentime“ geht sie neue Wege der Präsentation.
(DIR) Pressekonferenz der Berlinale: Auf in die Schlacht
Die 76. Berlinale zeigt Filme aus 80 Ländern. Internationaler Glanz strahlt
jedoch in diesem Jahr nur vereinzelt.