# taz.de -- Deutsche Reaktionen zum Trump-Vorschlag: „Friedensrat“ stößt auf Ablehnung – außer bei der AfD
       
       > Kanzler Merz schweigt zur Einladung aus Washington, aber fast alle
       > Bundestagsparteien sehen die Trump-Idee für ein neues Weltgremium
       > skeptisch.
       
 (IMG) Bild: Trumps „Friedensrat“ sorgt in Europa für Unruhe: Bundeskanzler Merz schweigt dazu – noch
       
       afp | Die Pläne von US-Präsident Donald Trump zur Gründung eines ganz auf
       ihn zugeschnittenen „Friedensrats“ stoßen auf große Skepsis bei
       außenpolitischen Fachleuten im Bundestag. Der Sprecher der
       SPD-Bundestagsfraktion für Außenpolitik, Adis Ahmetovic, riet Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU) am Dienstag dazu, [1][die Einladung der USA zur
       Mitarbeit auszuschlagen]. Ähnlich äußerten sich Grüne und Linke, auch die
       Union zeigte sich skeptisch. Die AfD hingegen riet zur Teilnahme.
       
       Der SPD-Außenexperte Ahmetovic sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP
       von einem „höchst fragwürdigen Unterfangen“, [2][das die Vereinten Nationen
       schwächen könnte]. „Wir sehen hier ein bekanntes Muster, dass Donald Trump
       erneut versucht, die regelbasierte internationale Ordnung zu unterlaufen,
       indem er Parallelstrukturen zu etablierten Formaten wie den Vereinten
       Nationen, den G7 oder der G20 schafft“, sagte Ahmetovic. „Wir wären gut
       beraten, uns nicht daran zu beteiligen.“
       
       ## „Unseriöser Vorschlag“
       
       Grüne und Linke drängten die Bundesregierung zu einer klaren Absage an den
       „Friedensrat“. Die Grünen-Außenexpertin Agnieszka Brugger sprach gegenüber
       AFP von einem „unseriösen Vorschlag“, der auf die Schwächung der UNO
       abziele. Die Linken-Außenexpertin Lea Reisner wertete den Rat als
       „machtpolitisches Projekt“ von Trump.
       
       Die Bundesregierung ließ weiter offen, wie sie mit der heiklen Einladung
       aus Washington umgehen will. Der „Friedensrat“ soll nach Vorstellung von
       US-Präsident Trump unter seiner direkten Kontrolle stehen und in Konkurrenz
       zu den Vereinten Nationen weltweit Konflikte lösen – insbesondere jenem im
       Gazastreifen. Die Bundesregierung hingegen ist erklärte Unterstützerin der
       Vereinten Nationen.
       
       „Prinzipiell unterstützen wir alle Bemühungen, die in die bestehende
       völkerrechtliche Ordnung eingebettet sind“, sagte ein Sprecher der
       Bundesregierung zu AFP. Es werde weiter geprüft, ob der US-Vorschlag
       [3][dem Ziel diene, im Gazastreifen für Frieden zu sorgen].
       
       ## Absage von Merz gefordert
       
       Die Bundesregierung dürfe sich „hier nicht erpressen lassen und sollte sich
       daran ganz sicher nicht beteiligen“, sagte die Grünen-Außenexpertin Brugger
       zu AFP. „Offensichtlich geht es Donald Trump weniger darum, den schwierigen
       Konflikt wirklich zu lösen, sondern eine Konkurrenzorganisation zu den
       Vereinten Nationen aufzubauen, über die er ganz allein und willkürlich
       bestimmen kann.“
       
       Die Linke forderte Kanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer klaren
       Positionierung auf. „Ein ‚Friedensrat‘ unter Führung von Donald Trump ist
       ungefähr so glaubwürdig wie ein Waffenstillstand, der von Waffenhändlern
       moderiert wird“, sagte die Linken-Abgeordnete Reisner zu AFP.
       
       Die USA haben Deutschland – wie viele andere Staaten auch – zu einer
       Mitarbeit in Trumps „Friedensrat“ eingeladen. Mit einer Absage würde die
       Bundesregierung den Ärger des US-Präsidenten riskieren. Frankreich hatte
       eine Mitwirkung abgelehnt – woraufhin Trump mit Zöllen von bis zu 200
       Prozent auf Champagner und französische Weine drohte.
       
       ## AfD fordert Teilnahme
       
       Eindeutig positiv äußerte sich der AfD-Außenexperte Markus Frohnmaier zu
       dem US-Vorstoß. „Die Einladung sollte angenommen werden“, sagte Frohnmaier
       der Nachrichtenagentur AFP. Sollten die USA den Rat als „wirksames
       Instrument“ etablieren, dürfe „Deutschland seine Interessen nicht von der
       Seitenlinie aus vertreten“. Die Vereinten Nationen seien im Gazakrieg
       „erkennbar nicht handlungsfähig und in zentralen Fragen ideologisch
       voreingenommen“.
       
       Skeptisch äußerte sich der außenpolitische Sprecher der
       CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt. Er sprach sich gegenüber AFP
       dafür aus, multinationale Institutionen wie die Union, die G7 und die G20
       zu stärken und weiterzuentwickeln. „Eine neue Institution, in der Mächtige
       Kraft eigener Erklärung für sich in Anspruch nehmen, ihre Interessen
       durchzusetzen, ist genau das Gegenteil von Verhandlungen“, sagte er. Bevor
       Deutschland über seine mögliche Teilnahme an einem solchen Gremium
       entscheide, „bräuchte es mehr Informationen über Prozess, Aufbau und
       Tragweite“, betonte Hardt.
       
       Trumps „Friedensrat“ sorgt in Europa für Unruhe. In einer achtseitigen
       Charta machten die USA klar, dass das Gremium eine Alternative zu den
       Vereinten Nationen sein solle – eine der „Institutionen, die zu oft
       gescheitert sind“, so heißt es in der Präambel. Zahlreiche Länder, darunter
       Russland, hatten bereits eine Einladung für eine Mitgliedschaft erhalten.
       Trump will mit dem Rat, den er selbst leiten will, ein Gremium schaffen,
       das in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen weltweit Konflikte beilegen
       soll. Der US-Präsident hatte die UNO regelmäßig kritisiert und in diesem
       Monat den Rückzug der USA aus 66 internationalen Organisationen verkündet.
       
       20 Jan 2026
       
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