# taz.de -- Demonstrationen in Leipzig: Wem gehört Connewitz?
> In Leipzigs linker Hochburg brüllen sich am Samstag propalästinensische
> und proisraelische Demonstrant:innen nieder. Die Rechtsextremen freut
> das.
(IMG) Bild: Das Lager der propalästinensischen Demo am Samstag auf dem Connewitzer Kreuz
Als der Lautsprecherwagen losrollt, rufen Antideutsche und
Antiimperialist:innen sich nochmal besonders laut feindselige
Parolen zu. Behelmte Polizeibeamte, zwei Reihen Absperrgitter und ihre
Positionen zu Israel und Palästina trennen sie an diesem Samstagnachmittag
voneinander. Hören können sie sich trotzdem. „Von Leipzig bis nach Gaza,
Yallah Intifada“, skandieren Antiimperialist:innen. „Kannibalismus gehört
zu unsern Riten, esst mehr Antisemiten“, antwortet ein Sprechchor bei den
israelsolidarischen Antideutschen.
Es ist laut auf dem Connewitzer Kreuz in Leipzig. Auf beiden Seiten der
Gitter flattern Antifa-Flaggen im kalten Wind. Hunderte Menschen sind da,
etwa gleich verteilt auf die palästinasolidarische Demonstration und die
Gegenkundgebungen.
Ende Dezember wurde der erste palästinasolidarische Aufruf öffentlich, am
Samstag in Connewitz gegen die sogenannten Antideutschen zu demonstrieren.
Diese linke Strömung wendet sich unter anderem gegen Antisemitismus und
steht für Solidarität mit Israel ein. Im Leipziger Stadtteil gilt sie als
besonders stark vertreten. Antiimperialist:innen solidarisieren sich
hingegen mit den Palästinenser:innen.
## Neonazis wollten mit Popcorn vorbeikommen
Innerhalb weniger Tage wurde der propalästinensische Demoaufruf bundesweit
bekannt und diskutiert. Wechselseitig überzogen sich die Gruppen mit
Kritik, Vorwürfen und Beleidigungen. Die Antideutschen seien rassistisch,
hieß es von der einen Seite. Die Antiimperialist:innen seien
antisemitisch, von der anderen. Der Konflikt zwischen beiden Parteien zieht
sich schon seit Jahrzehnten. Doch aktuell spitzt er sich zu, spätestens
seit dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober
2023 und dem anschließenden Krieg in Gaza.
Vor dem Demo-Tag in Connewitz war in manchen Medien von einem „Showdown“
die Rede. Linke gegen Linke. Die Neonazi-Partei Freie Sachsen kündigte an,
mit Popcorn vorbei zu kommen.
Doch dann läuft am Samstag vieles anders als angekündigt. Die
antiimperialistische Demo geht zum Beispiel gar nicht tief rein in den
Stadtteil, wie ursprünglich angekündigt, sondern bleibt am Connewitzer
Kreuz stehen. Und die Freien Sachsen tauchen gar nicht auf. Trotzdem
erzählt das Geschehen rund um die Demo viel über den Zustand der Linken in
Deutschland.
## Von Antideutschen „auf die Fresse bekommen“?
Die Gruppe hinter dem ersten palästinasolidarischen Aufruf kommt selbst aus
Connewitz. Lotta Antifascista heißt sie. Ein Mitglied ist Max Klindt. Ein
paar Tage vor der Demo sitzt er in einer Wohnung mitten in Connewitz und
telefoniert mit der taz. Auf der Straße treffen wolle er sich lieber nicht,
sagt er. Nach mehreren gewalttätigen Übergriffen auf palästinasolidarische
Aktivist:innen sei er vorsichtig, fühle sich nicht sicher, selbst ohne
Kufiya, dem traditionellen Tuch der Palästinenser:innen.
„Man weiß nie, wer einen wiedererkennt. Da herrscht eine gewisse
Grundangst.“ Er habe selbst schon von Antideutschen „auf die Fresse“
bekommen, einmal bei einer Diskussion, einmal beim Plakatieren. Eigentlich
lautet sein Name auch gar nicht Max Klindt, aber seinen richtigen Namen
möchte er aus Vorsicht nicht nennen.
Im Aufruf von Lotta Antifascista aus dem Dezember heißt es, man wolle „den
palästinensischen Befreiungskampf auch hier auf die Straße tragen“. Zum
anderen möchte man den Übergriffen auf palästinasolidarische
Aktivist:innen etwas entgegensetzen.
Wenige Tage nach Lotta Antifascista veröffentlichten weitere Gruppen aus
Leipzig Aufrufe zu der Demonstration, darunter die Migrantifa Leipzig und
die umstrittene Gruppe Handala. Letztere war ein vom Verfassungsschutz als
„gesichert extremistisch“ eingestufter Verein. Der Verein wurde zwar
aufgelöst, aber eine Gruppe agiert unter diesem Namen weiter.
Die weiteren Aufrufe richteten sich expliziter gegen Orte in Connewitz.
Antideutsche seien demnach „rassistisch“ und hätten in linken Strukturen zu
viel Einfluss. Das zeige sich etwa am Beispiel des Conne Island, einem
linken Kulturzentrum im Stadtteil. Und auch die Linken-Landtagsabgeordnete
Juliane Nagel, die sich proisraelisch positioniert, hat hier ihr
Abgeordnetenbüro, das Linxxnet.
Deshalb werde die Demo direkt durch den Stadtteil führen, hieß es damals.
Doch das blieb nicht ohne Widerspruch. Vier Kundgebungen mobilisierten bis
Samstag, unter anderem von der Initiative Solidarisches Connewitz mit dem
Titel „All Connewitzer are beautiful“. Auch die deutsch-israelische
Gesellschaft Leipzig rief zur Kundgebung „Gegen jeden Antisemitismus“.
Der Mann, der sich Max Klindt nennt, ist in Connewitz geboren und
aufgewachsen. Früher sei er zu Plenen im Linxxnet gewesen und auf Konzerte
im Conne Island gegangen, sagt er: „Aber das war vor der ganzen
Eskalation.“ Mittlerweile finde er, das seien keine richtigen
antifaschistischen oder linken Freiräume. Zu sehr bestimmten dort
Antideutsche die Strukturen; es fehle an Solidarität mit Palästina. Mit der
Demo wolle Lotta Antifascista „die Leute, die hier im Viertel
palästinasolidarisch sind, empowern“. Das Ganze, sagt Klindt, sei dann aber
„sehr viel größer geworden als unser Plan war“.
## Verfassungsschutz stuft Handala als extremistisch ein
Ein Grund dafür ist möglicherweise die nach wie vor vorhandene
Mobilisierungskraft der Gruppe Handala. Auch der Verfassungsschutz schätzt
die als „stark“ ein. Handala-Mitglieder überschreiten regelmäßig die
Grenzen zum Antisemitismus, zeigen ein unkritisches Verhältnis zur Hamas
und leugnen das Existenzrecht Israels.
Ein Jahr nach dem 7. Oktober tritt bei einer Demo im Leipziger Süden eine
Frau mit Kufiya ans Mikrofon. „Vor einem Jahr sahen wir großartige Bilder,
die wir uns nicht hätten vorstellen können“, rief sie damals, und zählte
auf: Jubelnde Kinder, Bagger, die den Grenzzaun um Gaza einrissen,
zurückkehrende Menschen, Motorräder, Fallschirme, Panik auf einen Fesitval.
„Es war nicht ansatzweise so brutal wie die israelische Besatzungsmacht“,
sagt die Frau. Der „Widerstand“ sei nur eine Reaktion darauf. [1][Das Video
von der Veranstaltung ist immer noch online. ]
Klindt verteidigt die Handala-Gruppe, sagt, sie leiste „wichtige Arbeit“
und sei nicht antisemitisch. Für die Demonstration am Samstag gelte, wer
„antisemitischen Müll“ verbreite, habe dort nichts verloren. Was er damit
meint? „Wenn einer ‚scheiß Juden‘ ruft, der fliegt.“
## Politikerin explizit als Protestziel genannt
Nicht weit von Klindt entfernt, ebenfalls im Stadtteil Connewitz, lehnt
Juliane Nagel am Mittwoch vor der Demonstration am Tresen in ihrem Büro
Linxxnet. Bei der letzten Landtagswahl hat sie das Direktmandat in
Connewitz gewonnen. Hätte das nicht geklappt, wäre die Linke nicht mehr im
sächsischen Landtag vertreten gewesen. Vom Bundes-, Landes- und
Stadtvorstand ihrer Partei bekommt sie Unterstützung wegen der
Demonstration am Samstag. Trotzdem mobilisieren Teile der Partei dorthin,
in deren Aufruf Nagel explizit als Protestziel genannt wird.
Nagel stützt die Ellenbogen auf der Tresenplatte ab. Nachdem sich Handala
dem Aufruf zur Demonstration in Connewitz angeschlossen hatte und immer
weitere Gruppen eigene Aufrufschreiben veröffentlichten, sei ihr klar
geworden: „Das wird ein schwieriger Tag.“
Im Aufruf stünden mehrere Aussagen, die stimmten einfach nicht. Zum
Beispiel, dass im Conne Island und im Linxxnet der Angriff auf Afghanistan
und Irak mit USA- oder Israel-Flaggen gefeiert worden sei. Oder, dass sie
eine antideutsche Politikerin sei. Ihre eigene Postion sei aber eine
andere. „Keine Solidarität mit dem Staat Israel, erst recht keine
bedingungslose, sondern mit den Menschen in Israel“, fordert Nagel.
## Manche würden die Kufiya gerne verbieten in Connewitz
Mit Diskussionen und ähnlichen Veranstaltungen fördere sie den Austausch
linker Positionen. „In Medien heißt es gerade, Connewitz sei ein
israelsolidarischer Stadtteil, aber das ist er vielleicht gar nicht. Hier
gibt's ein breites Spektrum, hier kann man sich mit Kufiya bewegen und
verschiedene Meinungen vertreten.“ Klar, es gebe Menschen, die das Tuch
gerne im Stadtteil verbieten würden, sagt sie. „Aber das ist eine Position,
kein Konsens in Connewitz.“ Nagel selbst halte das zum Beispiel für
„Quatsch“.
Ein Problem: Es fehle an direkter Kommunikation, glaubt Nagel. Zu viel
passiere über Social Media, statt miteinander zu sprechen. Die Demos und
die Gegendemos, die seien genauso eine weitere Eskalation, sagt Nagel am
Mittwochabend. „Das trägt eher dazu bei, dass sich die Abwehrreflexe
verstärken, dass sich Türen schließen.“
Drei Tage später, Demo-Tag. Mitten auf dem Connewitzer Kreuz sammeln sich
die Teilnehmer:innen der propalästinensischen Demonstration.
Mittlerweile ist klar, ihre Route führt nicht durch Connewitz, sondern
zieht vom Connewitzer Kreuz aus in die Leipziger Innenstadt. Laut Polizei
war das der Wunsch der Demo-Anmelderin. Die Gruppe Handala schreibt
hingegen, die Route durch Connewitz sei ihnen verboten worden.
Südlich von ihnen gibt es zwei Gegenkundgebungen. Über einer wehen viele
Israel-Flaggen, bei der anderen stehen offenbar Connewitzer:innen
entspannt beieinander, es gibt Kaffee und Kuchen. Gespräche mit
Teilnehmer:innen der israelfeindlichen Demo? Die lassen sich kaum
beobachten. Ein paar kurze, laute Wortgefechte, bei denen sich die
Teilnehmer:innen gegenseitig aberkennen, links zu sein.
Propalästinensische Gruppen hatten in ihren Demo-Aufrufen kritisiert, dass
linke Aktivist:innen in Connewitz fast alle weiß seien. Nagel sagt, das
sei auch aus ihrer Sicht tatsächlich ein Problem Allerdings, fragt sie: „Wo
ist das anders?“ Menschen mit Migrationshintergrund seien überhaupt nur
wenig in linken Strukturen vertreten.
Für die Freien Sachsen hat die Polizei eine Fläche östlich der
palästinasolidarischen Demonstration freigehalten. Sie bleibt den ganzen
Tag ungenutzt. Eine Anfrage der taz, weshalb sie nicht auftauchen, bleibt
unbeantwortet. Zuvor hatten die Neonazis mitgeteilt, dass sie 20 Kilogramm
„eines Premium-Popcorns“ mitbringen wollten, um es an Passant:innen zu
verteilen. Dass Linke gegen Linke demonstrieren, sei „wie eine amüsante
Filmvorstellung, die wir von der Seitenline aus verfolgen“. Ganz
unparteiisch seien sie aber nicht. Gegen die antideutsche Szene in
Connewitz zu demonstrieren sei aus ihrer Sicht „begrüßenswert“.
Bei Max Klindt ist die Unterstützung von rechts allerdings unerwünscht. Die
Neonazis von den Freien Sachsen „haben nichts auf der Demo oder im Viertel
zu suchen“, sagt er. Doch auch wenn die Freien Sachsen am Samstag ihre
Popcorn-Kundgebung ausfallen ließen, andere Rechtsextreme waren trotzdem
da.
## Plattform für Nazis
Noch bevor die Polizei am Samstag auf dem Connewitzer Kreuz die
Absperrgitter errichtet hat, schaltet ein Mann seine Kamera an und geht
live auf Sendung: der Streamer Sebastian Weber, auch bekannt unter seinem
Künstlernamen „Weichreite“. Stundenlang begleitet er Demonstrationen und
bietet Rechtsextremen eine Plattform.
An diesem Tag will er aber etwas anderes filmen: das Aufeinandertreffen von
Linken auf Linke. Weber monologisiert in die Kamera, kurz darauf spuckt ihm
ein Fahrradfahrer ins Gesicht. Als Weber am Abend zu seinem in Connewitz
geparkten Auto kommt, [2][sind dessen Scheiben an allen vier Türen
eingeschlagen und die Reifen zerstochen.]
Zehn Jahre ist es her, dass Neonazis durch Connewitz marodierten, der
Schock im Stadtteil sitzt bis heute tief. Am 11. Januar 2016 kamen sie im
Dunkeln, es waren mehr als 250. Sie hatten ihre Autos in der Nähe
abgestellt, während viele Anwohner:innen aus Connewitz gerade ein paar
Kilometer entfernt in der Innenstadt gegen die rassistische Legida
demonstrierte, den Leipziger Ableger von Pegida. Mit Äxten, Knüppeln,
Böllern und selbstgebauten Kugelbomben schlugen die Neonazis auf alles
mögliche in der Wolfgang-Heinze-Straße ein, die einmal mitten durch
Connewitz führt.
Schwarz gekleidet, vermummt, zündeten sie Pyros und schossen damit durch
das eingeschlagene Fenster eines Buchladens. 23 Geschäfte wurden
beschädigt. 215 von ihnen konnte die Polizei festsetzen.
In Berichten und auf Social Media wurde kritisiert, dass die Demonstration
gegen die Antideutschen am Samstag so nahe am zehnten Jahrestag des
Neonazi-Überfalls liege. Max Klindt von der Gruppe Lotta Antifascista hat
dafür kein Verständnis. Das halte er „für bodenlos und absolut scheiße“.
Bei Läden in Connewitz die Fenster einschmeißen, wie die Nazis? „Auf die
Idee würden wir nicht mal kommen.“
Auf dem Connewitzer Kreuz am Samstag läuft die propalästinensische Demo
friedlich ab. Trotzdem greift ein Teilnehmer einen Kameramann an und
verletzt ihn. Wenig später rennen behelmte Polizeibeamt:innen in die
Teilnehmer:innen, schubsen, schlagen, treten, um einzelne herauszugreifen.
Der Grund laut Polizei: Vermummung.
## Sachsens Innenminister fordert Abgrenzung von Gewalt
Etwas abseits am Rand beobachtet später Sachsens Innenminister Armin
Schuster (CDU), wie sich der Lautsprecherwagen bei der propalästinensischen
Demo in Bewegung setzt. Er wirkt entspannt, posiert lächelnd gemeinsam mit
René Demmler, dem Präsidenten der Polizeidirektion Leipzig, für ein Foto.
Ein Statement möchte er da aber noch nicht abgeben.
Später erklärt Schuster: „Diese Demonstrationslage war Ausdruck einer eher
kuriosen politischen Konstellation, die es für die Polizei kniffliger
gemacht hat.“ Der Tag zeige, wie zerissen das linke Lager sei. „Angesichts
der geschmacklosen bis strafrechtlich relevanten Äußerungen und Plakate im
propalästinensischen Aufzug“, fordere er Abgrenzung von Gewalt aus dem
„demokratischen Spektrum“.
Die propalästinensische Demo bewegt sich langsam auf der
Karl-Liebknecht-Straße aus Connewitz in die Innenstadt. Seitlich davon auf
dem Fußgängerweg begleiten mehrere Dutzend Menschen die Demonstration.
Manche recken Israelfahnen in die Höhe, eine Flagge der israelischen
Verteidigungsstreitkräfte IDF ist auch dabei. „Nie, nie, nie wieder Gaza“,
rufen ein paar, und: „Free Gaza from Hamas“.
Wieder trennen behelmte Polizeibeamte die Gruppen voneinander.
Zwischendurch ziehen sie noch mehrfach mit Gewalt Menschen aus der
israelfeindlichen Demonstration, mutmaßlich wegen Vermummung. [3][Trotz der
kurzen Auseinandersetzungen bleibt es friedlich. Festnahmen werden am Ende
zwei gemeldet.] Die Polizei geht am Ende des Tages von insgesamt rund 3.000
Demo-Teilnehmer:innen aus, davon etwa die Hälfte im propalästinensischen
Lager.
Währenddessen kehrt auf dem Connewitzer Kreuz Ruhe ein. Nachdem die
palästinasolidarische Demo verschwunden ist, löst sich auch der
Gegenprotest schnell auf. Auf dem Weg zurück zu ihrem Abgeordnetenbüro
kommt Juliane Nagel an einer weiteren Kundgebung vorbei. Die Partei „Die
Partei“ hat sie angemeldet und ihr den Titel gegeben „Stromausfall und
Bombenhagel – Schuld hat Juliane Nagel“.
## „Es hört einfach nicht auf“
Über die Boxen läuft in schrillem Ton ein Lied, dass die Parteimitglieder
extra für Nagel geschrieben haben. Der Refrain: „An allem ist die Jule
schuld. Juliane Nagel ist an allem Schuld.“ Die Linkspolitikerin lacht. Das
Lied habe sie schon aufs Handy zugeschickt bekommen. Anders klingt sie,
wenn sie über die Nachrichten spricht, die sie gerade bei Social Media
bekomme. Da gehe es ihr zunehmend schlechter. „Es hört einfach nicht auf“,
sagt Nagel.
Eigentlich sei sie das ja ein bisschen gewöhnt. Wenn Nagel Demos gegen
Neonazis anmelde, bekomme sie auch viele Nachrichten. „Da kann ich mich
einfach durchklicken, alles gut.“ Aber dieses Mal sind es keine Neonazis.
„Das geht an die Substanz. Wie viel Hass da ist.“ Das sei kein gutes
Zeichen dafür, wie künftig innerlinke Meinungsverschiedenheiten ausgetragen
werden. „Ich habe das Gefühl, dass aus der autoritären Ecke manche wollen,
dass undogmatische Teile der Linken verschwinden. Das macht mir Sorge.“
Als die propalästinensische Demonstration auf dem Augustusplatz mitten in
Leipzig ankommt, ist es schon dunkel. Antideutscher Gegenprotest ist keiner
mehr zu sehen. Vom Lautsprecherwagen heißt es an die Menschen auf dem
Augustusplatz: „Wir kommen aus Connewitz, dem neuerdings
palästinasolidarischen Stadtteil.“ Connewitz ist von hier nur drei
Kilometer Luftlinie entfernt.
18 Jan 2026
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(DIR) David Muschenich
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