# taz.de -- Demonstrationen in Leipzig-Connewitz: Innerlinkes Rollenspiel vor braunem Hintergrund
       
       > Mehrere linke Gruppen protestierten am Samstag in Leipzig. Inmitten eines
       > beispiellosen Rechtsrucks im Osten wirkte das Schauspiel absurd.
       
 (IMG) Bild: Friedenstaube und Gewehr – Demonstrant*innen in Connewitz sind offenbar mit sich selbst uneins
       
       Connewitzer*innen müssen viel mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Vor
       ziemlich genau zehn Jahren überfielen Neonazis [1][den als links geltenden
       Stadtteil in Leipzig]. Am sogenannten „Tag X“ vor zwei Jahren riegelte die
       Polizei [2][das Viertel quasi ab.]
       
       Neu ist, dass weder der Polizei noch Nazis die zentralen Rollen zufallen.
       Vor einigen Wochen kündigten mehrere propalästinensische Gruppen an, unter
       dem Motto „Antifa means: Free Palestine“ unter anderem gegen „zionistische
       Schlägerbanden“ im Leipziger Süden zu protestieren. Ausgangspunkt hierfür
       waren einzelne Angriffe auf palästinasolidarische Aktionen in Leipzig, etwa
       ein Überfall von Vermummten auf einen Infostand.
       
       Ziel der Demonstration sollten das Büro der lokalen Linken-Politikerin
       Juliane Nagel und das soziokulturelle Zentrum [3][Conne Island] sein. In
       den Augen der Protestierenden stehen sie symbolisch für die antideutsche
       Strömung, die in Leipzig Wurzeln hat. Daraufhin formierte sich
       israelsolidarischer Protest, von parteilosen Antifaschist*innen bis
       hin zur Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
       
       ## Antifa anti Antifa
       
       Dass hier ein „Linke gegen Linke“-Szenario drohte, zog auch einzelne
       Vertreter aus dem rechtsextremen und Querfront-Milieu nach Leipzig. Das
       führte ebenfalls zu einem seltenen Anblick in Leipzig-Connewitz: Beflügelt
       von einem allgemeinen Ausnahmezustand und massiver Polizeipräsenz, konnten
       sich zwischen Israel- und Palästinafahnen auch erkennbare Neonazis in dem
       sonst antifaschistisch gut abgeschirmten Stadtteil für einen Moment sicher
       fühlen.
       
       Beiden Lagern gelang es, bundesweit zu mobilisieren, am Ende standen sich
       [4][knapp 3.500 Teilnehmer*innen gegenüber]. Kurz zuvor wich die
       Palästinademo von ihrer ursprünglichen Route ab, auch, weil der zu
       erwartende Widerstand wohl größer ausfiel als angenommen. Der Protesttag in
       Leipzig blieb damit friedlicher als manch anderer.
       
       Es wäre leicht, sich über die offenkundigen Absurditäten zu amüsieren.
       Allein die Umstände lassen das nicht zu. Im Nachbarland Sachsen-Anhalt
       droht dieses Jahr ein beispielloser AfD-Erfolg. In Thüringen gründete sich
       parallel zum Protesttag in Leipzig die rechtsextreme Höcke-Jugend. Rechte,
       Konservative und das BSW wollen im Leipziger Stadtrat Räumen wie dem Conne
       Island schon länger die Förderung entziehen.
       
       Leipzig-Süd gilt als einer der wenigen Orte in ganz Ostdeutschland, wo
       Linke wie Juliane Nagel noch ein Direktmandat erringen können. Auch
       deswegen zogen sich die Leipziger Linken aus den Mobilisierungen zu beiden
       Demo-Blöcken weitgehend zurück. Sie mahnten nur zur Friedlichkeit.
       
       ## Palästinafahnen am „Kreuz“
       
       Im Nachhinein zeigte sich, dass dieses Vorgehen strategisch nicht unklug
       war. Zwar wollten die Palästinaprotestierenden ihre Demonstration als
       „solidarische Kritik“ verstanden haben wissen, für ihre Aktion hatten
       zumindest die Connewitzer*innen überwiegend Kopfschütteln übrig.
       
       Auch [5][einige sonst propalästinensische Gruppierungen] distanzierten sich
       verhalten von dem Versuch, jahrzehntelange antifaschistische Arbeit in
       Ostdeutschland nahtlos mit jüngerer Palästinasolidarität zu verknüpfen. Das
       hielt manche Jugendgruppen nicht davon ab, sich in ihrem innerlinken
       Rollenspiel auf der richtigen Seite zu imaginieren, derweil Neonazis von
       der Seite belustigt zuschauten.
       
       Während linke Räume im Osten unter beispiellosem Druck von rechts stehen,
       wehten am „Kreuz“ nun die Palästinafahnen. Das mag manchen Protestierenden
       wie ein Punktesieg vorgekommen sein, gewonnen ist aber fast nichts. Zu
       hoffen bleibt, dass diese Erkenntnis nicht erst reift, wenn jene Räume, in
       denen über den Nahen Osten gestritten werden könnte, im ganz nahen Osten
       vollständig verschwunden sind.
       
       18 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Grossangriff-auf-einen-Stadtteil/!5265306
 (DIR) [2] /Polizeieinsatz-in-Connewitz/!5935868
 (DIR) [3] /Conne-Island/!t5348458
 (DIR) [4] /Palaestina-Demo-in-Connewitz/!6146323
 (DIR) [5] https://rotewendeleipzig.org/es-wird-langsam-zeit-sich-zu-der-scheisse-hier-zu-aeussern/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konstantin Nowotny
       
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