# taz.de -- Geplante Proteste in Leipzig: Connewitz wieder im Fadenkreuz – diesmal von links
> Propalästinensische Gruppen wollen gegen andere Linke in
> Leipzig-Connewitz demonstrieren, die angeblich zu israelfreundlich seien.
> Die Rechten jubeln.
(IMG) Bild: Macht für Samstag gegen Connewitzer Linke mobil: Mitglieder des Bündnisses Handala, hier bei einer Demo im Oktober 2025
Leipzig-Connewitz ist seit Jahrzehnten ein politischer Ausnahmeort. Kaum
ein anderer Stadtteil in Ostdeutschland steht so stark für linke Milieus
und antifaschistische Selbstverortung. Zugleich war Connewitz immer wieder
Ziel rechter Gewalt – vom neonazistischen Großangriff 2016 bis zu
regelmäßigen rechten Mobilisierungen. Nun steht der Stadtteil erneut im
Zentrum einer Eskalation.
Für den 17. Januar 2026 ist eine Demonstration unter dem Motto „Antifa
means: Free Palestine“ angemeldet. Mobilisiert wird von der
palästinasolidarischen Gruppe Handala Leipzig und Students for Palestine
Leipzig. Die Demonstration richtet sich gegen [1][sogenannte
„Antideutsche“], gegen das Abgeordnetenbüro linXXnet und gegen [2][die
Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Die Linke)].
Nagel ist innenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion und Mitbegründerin des
linXXnet. „Der Aufmarsch bedrückt und beunruhigt mich hochgradig“, sagt
sie. Die Ankündigung zeige, dass es den Initiator*innen darum gehe,
„Feinde zu markieren und eine ideologische Machtdemonstration zu
veranstalten“. Es gehe nicht darum, „einen gemeinsamen Nenner zu finden
oder gemeinsam gegen Rassismus und Antisemitismus vorzugehen“. Der
Aufmarsch sei „ein Versuch der Einschüchterung und Bedrohung“.
Entlang der Route seien Kundgebungen vor dem linXXnet und dem Kulturzentrum
Conne Island angemeldet – einem zentralen Ort linker Kultur und
antifaschistischer Politik in Connewitz.
Schwere Vorwürfe gegen Connewitzer Strukturen
In den Mobilisierungsaufrufen werden Nagel, das linXXnet und das Conne
Island massiv angegriffen. Die Vorwürfe: angebliche Unterstützung der
israelischen Armee, Spendenaktionen für israelische Soldaten, ein
behauptetes Kufija-Verbot und struktureller Rassismus. Zur Untermauerung
werden gewalttätige Vorfälle angeführt: Vermeintliche Angriffe auf
palästinasolidarische Infostände an der HTWK, Sachbeschädigungen an einem
postmigrantischen Hausprojekt in Plagwitz oder Angriffe auf die
Eyüp-Sultan-Moschee im Leipziger Osten.
In Veröffentlichungen von Handala wird behauptet, Vertreter*innen der
antideutschen Szene hätten diese Taten relativiert oder ideologisch
legitimiert. Das Conne Island wird als Ort einer angeblichen antideutschen
Hegemonie beschrieben, der palästinasolidarische Gruppen systematisch
ausgrenze. Die Zuspitzung lautet: „Antideutsche sind keine Linken.“
Handala Leipzig hat auf Anfragen zu den erhobenen Vorwürfen nicht reagiert.
Nagel weist die Vorwürfe zurück. „Mit all den Lügen über mich und das
linXXnet wird eine Realität konstruiert, die so nicht existiert“, sagt sie.
„Die Landschaft der Positionen im Viertel und auch bei uns im linXXnet ist
viel pluraler, als der Aufruf glauben machen will.“ Man stehe für Israel
als Schutzraum für Jüdinnen und Juden, kritisiere aber den „erbarmungslosen
Krieg Israels gegen die Zivilbevölkerung in Gaza“.
Deeskalation abgebrochen
Besonders schwer wiegt für Nagel der Zeitpunkt. Die Mobilisierung falle
mitten in laufende Deeskalationsbemühungen. Im November hatte das linXXnet
die Veranstaltungsreihe „between the lines“ gestartet, zu deren Auftakt 300
Menschen kamen. Ziel sei gewesen, „aus der Polarisierung rauszukommen, das
Leid beider Seiten sichtbar zu machen und für gemeinsame Lösungen zu
streiten“.
Besonders betroffen macht Nagel, dass sie nach handgreiflichen Vorfällen zu
einem Deeskalationstreffen eingeladen hatte, an dem auch
palästinasolidarische Menschen teilnahmen, die nun an der Mobilisierung
beteiligt sind. Ein Folgetreffen sei geplant gewesen, „ist nun aber
obsolet“.
Der Aufmarsch hat breite Gegenreaktionen ausgelöst. Antifaschistische
Initiativen sowie innerparteiliche Zusammenschlüsse der Linken stellten
sich hinter Nagel und das linXXnet. Der sächsische Linken-Politiker Thomas
Dudzak formulierte deutlich: Wer gegen Connewitz mobilisiere, mobilisiere
gegen das Viertel, das der Partei 2021 den Bundestagseinzug gerettet habe.
Kritisiert wird auch, dass der Bundesarbeitskreis Palästinasolidarität der
Linken die Mobilisierung unterstützt. Kritiker*innen warnen, dass dabei
antisemitische Deutungsmuster reproduziert würden.
Beifall von rechts
Besonders brisant ist die Reaktion von rechts. Die rechtsextreme Partei
„Freie Sachsen“ begrüßte den Aufmarsch öffentlich. Parteivertreter,
darunter Vorsitzender Michael Brück, rahmen die Demonstration als Schlag
gegen die „Antifa-Hochburg Connewitz“.
Für Nagel ist diese Anschlussfähigkeit kein Zufall. „Antisemitische
Denkweisen sind nach rechts anschlussfähig“, sagt sie. „Dass junge
palästinasolidarische Menschen aus Connewitz eine solche Querfront nicht
von ihrem Plan abhält, erschreckt mich zutiefst.“ Mit der Mobilisierung
mache man „den Job für Staat und Neonazis“. Connewitz sei ein Zufluchtsort
für viele, „die Schutz vor rechter Hegemonie in Ostdeutschland suchen“.
Für den 17. Januar haben antifaschistische Gruppen zu Gegenprotesten
aufgerufen. Der Konflikt um Connewitz steht exemplarisch für [3][die tiefe
Spaltung der Linken] – und für die Gefahr, dass diese Spaltung von rechts
gezielt genutzt wird.
6 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Debatte-um-Antideutsche/!6115105
(DIR) [2] /Geldstrafe-gegen-Linken-Politikerin/!5885755
(DIR) [3] /Ein-Gespraech-ueber-Israel-und-Palaestina/!6137390
## AUTOREN
(DIR) Jessica Ramczik
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