# taz.de -- US-Klimapolitik nach einem Jahr Trump: Solar-Boom und „wunderschöne“ Kohle
> Donald Trump will die Welt vom Klimaschutz abbringen. Selbst im eigenen
> Land gelingt ihm das nur teilweise. Der Schaden ist dennoch enorm.
(IMG) Bild: Im April 2025 unterzeichnete Donald Trump eine Verordnung zur Förderung der Kohleproduktion in den USA
Als Donald Trump am 20. Januar 2025 zum US-Präsidenten vereidigt wurde, war
eine seiner ersten Amtshandlungen, die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zu
entfernen. Ein Jahr später wird der US-Austritt am Dienstag offiziell.
In den vergangenen 12 Monaten schoss das Weiße Haus immer wieder gegen den
Klimaschutz: Windräder „ruinieren die Landschaften“. Solaranlagen seien
„hässlich“, Kohle dagegen „wunderschön“, sagte Trump. Vor den Vereinten
Nationen nannte er den Klimawandel einen „Schwindel“ und warnte die Staaten
der Welt, mit dem Klimaschutz aufzuhören, „[1][sonst wird euer Land
scheitern]“.
Aber Trump redet viel, und nicht immer folgen Taten. Wie steht es um den
Klimaschutz in den USA?
„Es ist wirklich schlimm“, sagt Lori Bird. Sie ist Direktorin der
Energieabteilung bei der US-Denkfabrik World Resources Institute. „Aber die
Erneuerbaren-Industrie hat Schwung.“ Erneuerbare Energien seien auch in den
USA die effizienteste Stromquelle und schneller zu bauen als fossile
Kraftwerke. Im republikanisch regierten Texas erzeugen Wind- und
Sonnenkraft [2][fast doppelt so viel Strom] wie im demokratisch regierten
Kalifornien, weil Land billig und sonnenreich ist. „Aber den Erneuerbaren
werden viele Hindernisse in den Weg gestellt“, sagt Bird.
## Bedrohung für weltweite Windkraft
Im Sommer [3][strichen Trumps Republikaner den Inflation Reduction Act
zusammen], der unter Präsident Joe Biden gigantische Summen für Solar- und
Windprojekte sowie E-Autos bereitstellte. Die Förderung für Solar- und
Windprojekte wurde darin ab 2027 gestrichen, Subventionen für E-Autos schon
ab September vergangenen Jahres.
„In einigen Staaten wurde sogar Projekten die Förderung entzogen, die sich
schon im Bau befanden“, sagt Bird. Die Projektträger klagen, es laufen
Gerichtsverfahren. Wie die ausgehen, ist ungewiss: Fünf riesige
Offshore-Windparks vor der Ostküste der USA mussten zunächst den Bau
unterbrechen, weil die US-Bundesregierung ihnen Genehmigungen entzog.
Sowohl das Projekt [4][Empire Wind] des norwegischen Ölkonzerns Equinor als
auch [5][Revolution Wind] des dänischen Unternehmens Ørsted und [6][ein
Windpark eines Unternehmens aus Virginia] dürfen nun aber nach der
Intervention eines Bundesgerichts weiterbauen, auch wenn über ihre Klagen
gegen den Entzug der Genehmigungen noch nicht entschieden wurde.
Trumps Angriffe machen der Offshore-Industrie aber weltweit zu schaffen,
obwohl er vor Gericht verliert. „Unsicherheit in Offshore-Märkten könnte
die Kapitalkosten nach oben treiben, weil Investoren höhere Risiken
einpreisen“, sorgte sich Henrik Andersen [7][gegenüber der Financial
Times]. Er ist CEO des Windturbinenherstellers Vestas und Vorsitzender des
Branchenverbandes WindEurope. „Wenn es Beeinträchtigungen in einem Teil der
Industrie gibt, fangen alle an sich zu fragen: ‚Könnte uns das auch
treffen?‘“
## US-Emissionen sind 2025 gestiegen
Trotzdem [8][planten Projektträger], bis Ende vergangenen Jahres fast 60
Gigawatt neuer Solar-, Wind- und Batteriespeicher-Kapazitäten ans Netz zu
bringen, mehr als 90 Prozent aller neuen Stromerzeugungskapazitäten in den
USA. Zu den tatsächlichen Anschlüssen gibt es noch keine Daten. Bis 2030
sollen es 195 Gigawatt sein – dazu kommen aber auch fast 40 Gigawatt neuer
klimaschädlicher Gaskraftwerke. „Wir werden mehr Gaskraftwerke sehen, viel
mehr“, sagt Bird.
Der rasant wachsende Stromhunger des KI-Rechenzentren-Booms sorgt dafür,
dass alle Arten der Stromerzeugung hoch im Kurs stehen, nicht nur die
klimafreundlichen. Die Trump-Regierung versucht sogar, mit
Millionen-Investitionen [9][veraltete und teure Kohlekraftwerke am Leben zu
erhalten].
Dementsprechend sind die CO2-Emissionen in den USA im vergangenen Jahr um
2,4 Prozent angewachsen, statt wie 2023 und 2024 zu fallen. Neben dem
KI-Energiehunger trug [10][den Schätzungen der Denkfabrik Rhodium Group
zufolge] auch der kalte Winter im Norden der USA zum wachsenden CO2-Ausstoß
bei, weil dort häufig noch mit Gas und anderen fossilen Brennstoffen
geheizt wird.
Lori Bird bezeichnet die Energiepolitik der US-Bundesregierung als
„besorgniserregend wirtschaftsfeindlich“. Die Trump-Regierung „blockiert
Genehmigungen für Erneuerbare, aber versteht sich als Concierge für Öl und
Gas“. Große Tech-Konzerne und 29 US-Bundesstaaten hätten zwar weiterhin
Ziele und Regularien, ihren Strommix auf Erneuerbare umzustellen. „Aber es
ist ein herausforderndes Umfeld.“
## Trump greift Katastrophenschutz an
Dazu kommt: Trumps extrem rechte Regierung attackiert auch den
Katastrophenschutz, der mit der weiteren Nutzung von Kohle, Öl und Gas und
der deshalb fortschreitenden Erderhitzung [11][immer wichtiger wird] –
immerhin waren die teuersten Waldbrände aller Zeiten, die im Januar 2025
Teile Los Angeles’ zerstörten, auch vom Klimawandel angefeuert worden.
Die Koordinierungsstelle für Naturkatastrophen Fema verlor ein Drittel
ihrer Mitarbeiter*innen und ging [12][dem Fernsehsender ABC zufolge]
ohne Plan in die Hurrikane-Saison, die [13][rein zufällig glimpflich für
die USA] verlief. Bei den Fluten in Texas, die [14][vom Klimawandel
verschärft] [15][über 100 Menschen töteten], machte Fema ebenfalls keine
gute Figur. Und vor einem der heftigsten Stürme in der Geschichte des
Bundesstaates Alaska konnte [16][dem britischen Guardian zufolge] wohl auch
deswegen nicht früher gewarnt werden, weil das dortige
Wetterballon-Netzwerk wegen Personalmangels nur teilweise in Betrieb war.
19 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Klimakrise-treibt-Schaeden-nach-oben/!6144956
(DIR) [2] https://insideclimatenews.org/news/06032025/inside-clean-energy-texas-leads-renewable-generation/
(DIR) [3] /Neues-Haushaltspaket/!6086980
(DIR) [4] https://www.cnbc.com/2026/01/15/judge-allows-equinor-empire-wind-construction-trump.html
(DIR) [5] https://www.ft.com/content/d1cc714b-a439-4430-abef-7a9b9269e110
(DIR) [6] https://apnews.com/article/trump-offshore-wind-energy-climate-lawsuits-8b6d14485da8c213058f07af4f1946a4
(DIR) [7] https://www.ft.com/content/2fbba1aa-5cc1-4a44-a74b-46d206f60000?utm_source=cbnewsletter&utm_medium=email&utm_term=2026-01-12&utm_campaign=Daily+Briefing+Oil+firms+cool+on+Venezuela+Australia+s+fossil+roadmap+push+Record+ocean+heat
(DIR) [8] https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=65964
(DIR) [9] https://www.wri.org/insights/trump-coal-plant-extension-cost-impacts
(DIR) [10] https://rhg.com/research/us-greenhouse-gas-emissions-2025/
(DIR) [11] /Klimakrise-treibt-Schaeden-nach-oben/!6144956
(DIR) [12] https://abcnews.go.com/Politics/fema-ready-hurricane-season-internal-review-finds/story?id=121837637
(DIR) [13] /Wie-der-Klimawandel-den-Jahrhundert-Hurrikan-Melissa-antreibt/!6125006
(DIR) [14] https://www.climatecentral.org/climate-shift-index-alert/texas-us-floods
(DIR) [15] /Hochwasserkatastrophe-in-Texas/!6100014
(DIR) [16] https://www.theguardian.com/us-news/2025/oct/27/alaska-storm-emergency-response-trump-cuts
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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