# taz.de -- Sexualisierte Deepfakes auf X: „Hey Grok, put her in a bikini“
       
       > Eine Bildfunktion des KI-Chatbots Grok erzeugt massenhaft sexualisierte
       > Deepfakes. Auf rechtliche Ermittlungen reagiert Elon Musk wie gewohnt.
       
 (IMG) Bild: Nach seinem Geschmack: Elon Musks KI Grok
       
       „@Grok bikini now.“ Drei Worte reichen. Ein US-Unternehmer schreibt sie
       unter ein Foto der schwedischen Vizeministerpräsidentin Ebba Busch. Sie
       trägt ein blaues Kleid. Wer nach unten scrollt, sieht ein neues Bild: Busch
       im Bikini. Generiert von Grok, dem KI-Chatbot von X, ehemals Twitter. Ein
       anderer Nutzer legt nach: „Größere Brüste.“ „String-Bikini.“ „Lass sie
       einen Bleistift aufheben.“
       
       Seit Wochen häufen sich unter Beiträgen von Politikerinnen, Journalistinnen
       oder gewöhnlichen Nutzerinnen Kommentare wie: „Hey @Grok, put her in a
       bikini.“ Möglich macht das eine Bildbearbeitungsfunktion, die Grok Ende
       Dezember eingeführt hat. Damit hat die KI-Firma xAI von Elon Musk, zu der
       auch X gehört, die Schwelle für Deepfakes drastisch gesenkt.
       
       Mit KI lassen sich Bilder und Videos realer Personen manipulieren –
       manchmal harmlos, oft pornografisch. [1][Eine Studie von 2019] zeigte, dass
       95 Prozent der im Netz kursierenden Deepfakes sexualisiert sind. Meistens
       zeigen sie Frauen ohne deren Zustimmung. „Es ist also keinesfalls
       überraschend, dass ein Tool zur Bildgenerierung genau zu diesem Zweck
       eingesetzt wird. X hätte das antizipieren müssen, scheint es aber genau
       darauf anzulegen“, sagt Josephine Ballon, Geschäftsführerin der
       Organisation HateAid, der taz.
       
       HateAid ist bundesweit die erste Anlaufstelle für Betroffene digitaler
       Gewalt, wozu auch die Erstellung nicht einvernehmlicher Deepfakes zählt.
       Die Organisation steht regelmäßig mit Betroffenen in Kontakt.„Für sie
       bedeuten solche Bildmanipulationen einen massiven Eingriff in ihre
       Intimsphäre und sexuelle Selbstbestimmung sowie einen gravierenden
       Kontrollverlust“, so Ballon. Neben psychischen Belastungen drohen auch
       langfristige Rufschäden.
       
       ## Verhaltene Reaktion auf realen Schaden
       
       Die EU-Kommission zweifelt, ob X europäische Digitalgesetze einhält, und
       forderte das Unternehmen auf, interne Dokumente bis Jahresende für eine
       Untersuchung zu sichern. Auch Vorwürfe zu KI-generierten pornografischen
       Inhalten werden geprüft.
       
       Der Schaden, den diese Deepfakes anrichten, sei „sehr real“, sagte
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem Spiegel. „Wir werden den
       Schutz von Kindern und die Frage der Einwilligung nicht an das Silicon
       Valley auslagern. Wenn sie nicht handeln, werden wir es tun.“ Bereits
       vergangene Woche hatte die EU-Kommission angekündigt, Beschwerden über die
       Verbreitung kinderpornografischer Inhalte auf X zu prüfen.
       
       ## Bilder von Kindern werden ebenfalls generiert
       
       Auch in der Menge hebt Grok das Deepfake-Problem auf ein nie gesehenes
       Niveau. Laut einer Deepfake-Forscherin entstehen [2][stündlich Tausende
       Bilder]. Eine [3][Untersuchung] der europäischen gemeinnützigen
       Organisation AI Forensics zeigt: Mehr als 50 Prozent der von Grok
       generierten Bilder zeigen Menschen in Bikini oder Unterwäsche. In 97,5
       Prozent der Fälle kamen die Anfragen nicht von den abgebildeten Personen
       selbst, sondern von Dritten – sehr wahrscheinlich ohne deren Einwilligung.
       In der Mehrzahl der Fälle waren es männlich gelesene Accounts, die Bilder
       von Frauen erstellen ließen. Betroffen sind nicht nur Prominente, sondern
       vor allem private Nutzerinnen, darunter Minderjährige.
       
       AI Forensics dokumentierte 30 Fälle, in denen Grok freizügige Bilder von
       Minderjährigen generierte, darunter Mädchen, die jünger als fünf Jahre
       wirkten. Auch die Internet Watch Foundation (IWF) fand strafrechtlich
       relevante Bilder von Kindern zwischen 11 und 13 Jahren, die mit Grok
       erstellt und im Darknet verbreitet wurden. Diese Bilder würden inzwischen
       genutzt, um mit anderen KI-Tools „noch wesentlich extremere“ Videos zu
       generieren.
       
       ## Justizministerium will härtere Strafen
       
       Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigte an, entschiedener gegen die
       Erstellung und Verbreitung sexualisierter Bilder vorzugehen, die mithilfe
       künstlicher Intelligenz entstehen. Das Justizministerium arbeite an einem
       digitalen Gewaltschutzgesetz, das Deepfakes mit angemessenen Strafen ahnden
       soll. Zugleich müsse es Betroffenen leichter fallen, sich gegen
       Verletzungen ihrer Persönlichkeitsrechte zu wehren.
       
       Es sei „fürchterlich“, wenn KI-Tools wie Grok massenhaft anzügliche Bilder
       von Frauen ohne deren Zustimmung erzeugten, sagte Hubig der Neuen
       Osnabrücker Zeitung. Solche Praktiken verletzten systematisch
       Persönlichkeitsrechte und degradierten Frauen zu Objekten. Besonders
       gravierend sei die Erstellung sexualisierter KI-Bilder von Kindern und
       Jugendlichen. „Das dürfen wir nicht hinnehmen“, betonte Hubig. Zwar gebe es
       bereits rechtliche Mittel gegen manipulierte Bilder, doch reichten diese
       nicht aus. Das neue Gesetz solle hier Abhilfe schaffen.
       
       In Großbritannien hat die Medienaufsichtsbehörde Ofcom bereits Ermittlungen
       zu den Vorfällen eingeleitet. Im Extremfall könnte X in Großbritannien
       gesperrt werden. Elon Musk reagierte auf die Androhung rechtlicher
       Konsequenzen wie gewohnt: Die britische Regierung wolle die
       Meinungsfreiheit einschränken, schrieb er auf X. Wer Grok für illegale
       Inhalte nutze, müsse jedoch mit Konsequenzen rechnen.
       
       Unter wachsendem Druck schränkte X die Funktion für nichtzahlende Nutzer
       ein. Viele Anfragen und Bilder bleiben jedoch öffentlich zugänglich. Den
       britischen Behörden reicht das nicht. X mache aus einer problematischen
       Funktion einen „Premiumdienst“, sagte ein Sprecher des britischen
       Premierministers Keir Starmer. Das sei „keine Lösung“, zeige aber, dass X
       schnell handeln könne – wenn es wolle.
       
       Starmer selbst kritisierte die Inhalte auf X als „widerwärtig“ und forderte
       auf, sie umgehend zu entfernen. Andernfalls werde man selbst eingreifen.
       Laut ihm habe selbst der KI-freundliche Politiker J. D. Vance bei einem
       Telefonat deutliche Kritik geäußert.
       
       Auch Frankreichs Staatsanwälte weiteten ein Verfahren gegen X aus – wegen
       der Erstellung und Verbreitung sexualisierter Inhalte. Indonesien sperrte
       Grok als erstes Land vollständig, Malaysia folgte. In den USA fordern
       Senatoren, die Apps von X und Grok aus den App-Stores zu entfernen.
       
       „Plattformen und Entwickler wie X und xAI tragen eine klare Verantwortung,
       die Risiken neuer Funktionen vor ihrer Einführung zu prüfen und zu
       minimieren“, kritisiert Ballon. X habe dies offenbar unterlassen und
       gefährde damit sehenden Auges die Rechte der Nutzenden. Ballon sieht darin
       einen strategischen Schritt: Die Funktion erhöhe die Interaktion der
       Nutzenden, bringe mehr Klicks und damit auch höheren Profit.
       
       Freiwillige Selbstverpflichtung reiche nicht aus, rechtliche Vorgaben
       würden nicht konsequent durchgesetzt. „Die Risiken müssen regulatorisch
       adressiert werden“, fordert Ballon. Mit dem Digital Services Act habe die
       EU ein wirksames Instrument, das nun konsequent angewendet werden müsse.
       
       ## Sexualisierte KI-Inhalte in Alltagsanwendungen
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass KI sexualisierte Bildmanipulationen und
       Chatfunktionen bereitstellt, während der Schutz von Frauen und Kindern
       vernachlässigt wird. Schon im Sommer ermöglichte xAI die Erstellung von
       Nacktdeepfakes bekannter Persönlichkeiten in Sekunden. Auch Meta geriet
       unter Druck, weil der Chatbot Meta AI auf Facebook, WhatsApp und Instagram
       Minderjährigen romantische Interaktionen erlaubte. OpenAI kündigte im
       Oktober 2025 an, einen sogenannten Erotikmodus für ChatGPT einführen zu
       wollen.
       
       Diese Entwicklungen betrachtet HateAid mit großer Sorge. „Sie haben ein
       neues Gefahrenpotenzial für Frauen und weiblich gelesene Personen
       geschaffen, die nun stets befürchten müssen, dass Nacktbilder von ihnen
       verbreitet werden, sobald sie sich im Netz äußern“, so Ballon. Sie betont,
       dass die Technologie inzwischen nicht mehr nur frei verfügbar ist, sondern
       direkt in Alltagsanwendungen wie ChatGPT und sozialen Netzwerken integriert
       wird. Dadurch würden die Hürden weiter gesenkt und geschlechtsspezifische
       digitale Gewalt werde zunehmend normalisiert.
       
       ## Selbst- und Nothilfe
       
       Die schwedische Vizeministerpräsidentin hat sich inzwischen [4][selbst zu
       den Bildern auf X geäußert]. Mit Selbstironie filmt sie sich im
       verschneiten Schweden, sie trage dort derzeit eher dicke Winterkleidung als
       einen Bikini. Doch der Ton wechselt schnell. Sie stellt klar, dass sie
       niemals in die Erstellung oder Verbreitung dieser Bilder eingewilligt habe.
       „Als Frau entscheide ich, wann, wo und für wen ich mich in einem Bikini
       zeige“, sagt Busch.
       
       Dann redet sie über ihre Tochter. Sie sei 9 Jahre alt, irgendwann werde sie
       14 sein, später 16. Sie wolle nicht, dass ihr Kind eines Tages Ähnliches
       erlebe. „Was, wenn das deine Tochter wäre?“, fragt sie die Nutzerinnen und
       Nutzer von X. Busch fordert dazu auf, zweimal nachzudenken, bevor man
       Inhalte teilt. „Die Welt braucht mehr gute Männer und Frauen – und weniger
       Arschlöcher.“ Mittlerweile wurden die Fotos von Busch gesperrt.
       
       Anfragen internationaler Medien beantwortete die Presseabteilung von xAi
       mit dem Hinweis „legacy media lies“ – „Mainstream-Medien lügen“.
       
       14 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://regmedia.co.uk/2019/10/08/deepfake_report.pdf
 (DIR) [2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-01-07/musk-s-grok-ai-generated-thousands-of-undressed-images-per-hour-on-x?accessToken=eyJhbGciOiJIUzI1NiIsInR5cCI6IkpXVCJ9.eyJzb3VyY2UiOiJTdWJzY3JpYmVyR2lmdGVkQXJ0aWNsZSIsImlhdCI6MTc2Nzc5MDk4NywiZXhwIjoxNzY4Mzk1Nzg3LCJhcnRpY2xlSWQiOiJUOEhRS0hLR0lGUE8wMCIsImJjb25uZWN0SWQiOiJGRUIzODlCNUI2ODI0RTY0QjY5MENEODE1RTBDREZGRCJ9.3B4JWnmqmXFC3DOqhs11h99g5gNzi4j_poKAHLuWdrY&leadSource=uverify%20wall
 (DIR) [3] https://aiforensics.org/work/grok-unleashed
 (DIR) [4] https://x.com/buschebba/status/2009694742347714618?s=48
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Laura Verseck
       
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