# taz.de -- KI-Deepfakes von Frauen auf X: Sexualisierte Gewalt als Feature
> Elon Musks Chatbot Grok erstellt auf X sexualisierte Bilder realer Frauen
> – und von Kindern. Dahinter steckt ein neues System digitaler Gewalt.
(IMG) Bild: Grok manipuliert Bilder realer Frauen, um aus ihnen fotorealistische Szenarien sexualisierter Gewalt zu erzeugen
Es ist eine neue Infrastruktur der Gewalt, die gerade auf X entsteht:
Nutzer verwenden Elon Musks Chatbot Grok, [1][um Bilder realer Frauen zu
manipulieren und Szenarien sexualisierter Gewalt zu erzeugen].
Vergewaltigungsdarstellungen, Entführungen, Tötungsfantasien. Diese Gewalt
wird öffentlich produziert, geteilt, kommentiert, in einer Atmosphäre
spielerischer Normalität.
[2][Eine Untersuchung der europäischen Organisation AI Forensics] belegt:
Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles
Phänomen. Über 80 Prozent der identifizierten Accounts waren männlich. Mehr
als die Hälfte der Bilder, die Grok generierte, zeigten Menschen in
freizügiger Kleidung, rund 80 Prozent davon Frauen. Sexualisierung ist kein
Nebeneffekt, sondern systematische Praxis.
Während die deutsche Justizministerkonferenz im November selbst
mehrheitlich ablehnte, heimliche voyeuristische Aufnahmen bekleideter
Körperpartien unter Strafe zu stellen – [3][das Strafrecht sei keine
„Supermoralinstanz“, erklärte Sachsens Justizministerin Constanze Geiert
(CDU)] – ist die technologische Realität längst weiter. Auf X braucht es
keine heimlichen Aufnahmen mehr. Frauen werden einfach mit KI-Assistenz
vergewaltigt, gefoltert, ermordet. In hochauflösender Qualität. Auf
Bestellung.
Das ist keine Deepfake-Pornografie im herkömmlichen Sinn. Die KI wirkt als
aktive Assistenz bei der Visualisierung von Gewalt. Nutzer formulieren
präzise Anweisungen: verängstigte Gesichtsausdrücke, sichtbare
Verletzungen, Zwangssituationen. Und Grok liefert.
## Gewalt inszeniert als Kreativakt
Der [4][Sozialpsychologe Rolf Pohl hat in „Feindbild Frau“ (2004) einen
männlichen Gewalthabitus beschrieben] – die strukturelle Verfügungsgewalt
über weibliche Körper als Grundlage männlicher Identität. Was er
theoretisch analysierte, wird hier technologisch perfektioniert und
industrialisiert.
Gewaltfantasien gegen Frauen wirken laut Pohl für viele Männer
identitätsstiftend. Der spielerische Ton, in dem diese Gewalt auf X
verhandelt wird, ist kein Widerspruch. Die digitale Arena verwandelt
Fantasien in kollektive Praxis. Nutzer überbieten sich in der Brutalität
ihrer Prompts, inszenieren Gewalt als Kreativakt.
Besonders alarmierend: Diese Gewalt macht nicht vor Kindern halt. In zwei
Prozent der von AI Forensics untersuchten Fälle erzeugte Grok Bilder von
Personen, die als minderjährig eingeschätzt wurden. 30 Bilder zeigten
sexualisierte Darstellungen von Kindern, darunter Mädchen unter fünf
Jahren. Grok ist damit faktisch ein Werkzeug offen zugänglicher
Pädokriminalität.
Noch absurder: Nachdem Grok sexualisierte Bilder minderjähriger Mädchen
erzeugt hatte, [5][entschuldigte sich der Chatbot selbst]. Nicht Elon Musk,
nicht die Entwickler, nicht die Plattform X, sondern die Software. Diese
Entschuldigung ist Ausdruck systematischer Verantwortungsdiffusion. Die KI
wird als handelndes Subjekt inszeniert, um menschliche Verantwortung zu
verschleiern.
## EU-Kommission zwischen Untätigkeit, Verharmlosung und Weigerung
Am 5. Januar 2026 erklärte die EU-Kommission, man nehme die Beschwerden
sehr ernst und verwies auf Digital Services Act und EU AI Act. [6][Einige
Tage später leitete sie eine Untersuchung] ein und wies die Plattform an,
Dokumente zu Grok bis zum Jahresende aufzubewahren. Ansonsten bleibt es
bislang bei Stellungnahmen. Keine Sanktionen, keine Abschaltung, keine
Konsequenzen. Die Gewalt findet jetzt statt, die Regulierung reagiert im
Konjunktiv.
So entsteht eine gefährliche Lücke zwischen normativer Ablehnung und
faktischer Duldung. Plattformen lernen, dass selbst schwerste Formen
digitaler Gewalt keine unmittelbaren Folgen haben. Regulierung ohne
Durchsetzung ist keine Regulierung, sondern politische Untätigkeit.
Was hier entsteht, ist keine Fehlfunktion einzelner Tools. Es ist eine
bewusst geschaffene Gewaltinfrastruktur, die durch KI skalierbar,
automatisiert und niedrigschwellig verfügbar wird. Die Frage ist, wann die
EU-Kommission und die nationalen Regulierungsbehörden begreifen, dass sie
längst Teil des Problems sind – durch Untätigkeit, durch Verharmlosung,
durch die Weigerung, digitale Gewalt als das zu behandeln, was sie ist:
Gewalt.
11 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.theguardian.com/technology/2026/jan/08/grok-x-nonconsensual-images
(DIR) [2] https://aiforensics.org/work/grok-unleashed?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [3] /Debatte-um-digitalen-Voyeurismus/!6128162
(DIR) [4] https://www.mabuse-buchversand.de/offizin-verlag-hannover/mabuse-buchversand/feindbild-frau-partnerschaft-sexualitaet_pid_870_52515.html
(DIR) [5] https://www.theguardian.com/technology/2026/jan/08/grok-x-nonconsensual-images
(DIR) [6] https://www.deutschlandfunk.de/eu-startet-untersuchungen-zum-ki-tool-grok-102.html
## AUTOREN
(DIR) Jessica Ramczik
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Elon Musk
(DIR) Sexualisierte Gewalt
(DIR) Twitter / X
(DIR) Gewalt gegen Frauen
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Sexualisierte Gewalt
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Elon Musk
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Big Tech
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) KI-Chatbot auf X: Sperre soll Nacktbilder von Grok verhindern
User*innen konnten mit der KI Grok Nacktbilder von anderen Menschen
erstellen. Mit Geoblocking will X diese sexualisierte Gewalt beenden.
(DIR) Sexualisierte Deepfakes auf X: „Hey Grok, put her in a bikini“
Eine Bildfunktion des KI-Chatbots Grok erzeugt massenhaft sexualisierte
Deepfakes. Auf rechtliche Ermittlungen reagiert Elon Musk wie gewohnt.
(DIR) Künstliche Intelligenz Grok: Malaysia und Indonesien sperren Musks Chatbot
Als weltweit erstes Land hat Indonesien den Chatbot Grok gesperrt.
Grund:Verbreitung pornografischer Bilder. Malaysia folgte am Sonntag
nach.
(DIR) Wegen Holocaust-Leugnung: Frankreich geht gegen Musks Chatbot Grok vor
Frankreich geht hart gegen Holocaust-Leugnung vor. Nun hat Grok in einem
Beitrag behauptet, Gaskammern seien nur zur Typhus-Desinfektion gedacht
gewesen.
(DIR) Grokipedia startet: Musk bringt Konkurrenz für Wikipedia an den Start
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist Elon Musk ein Dorn im Auge. Nun
startet er eine „Alternative“, die von seiner KI-Firma entwickelt wurde.
(DIR) Grok-KI von Elon Musk: Adolf Hitler als Lösung
Der Chatbot Grok wirft Menschen mit jüdischem Nachnamen „Hass auf Weiße“
vor und lobt Hitler. Die Entwicklerfirma xAI muss eingreifen.