# taz.de -- Protest gegen Fake-KZ-Bilder: „Für Profit instrumentalisiert“
       
       > Gedenkstätten fordern Betreiber sozialer Medien auf, gegen KI-Fälschungen
       > vorzugehen. Es bahne sich ein Problem mit historischen Fotos an.
       
 (IMG) Bild: Foto der Häftlingsregistratur Auschwitz von Czeslawa Kwoka in der Abteilung Flucht und Vertreibung der Deutschen, 21.6.2021
       
       Die Bilder sind herzzerreißend. Da trägt ein amerikanischer Soldat zwei
       Kleinkinder in gestreifter KZ-Kleidung aus Buchenwald in die Freiheit. Eine
       junge Frau spielt im Vernichtungslager Auschwitz auf einer Geige. Es gibt
       Fotos vom angeblichen Wiedersehen zwischen Gefangenen und Befreiern oder
       erfundene Szenen weinender Kinder hinter Stacheldraht. Ein Bild zeigt die
       14-jährige Czesława Kwoka in Auschwitz. Das polnische Mädchen ist dort
       tatsächlich inhaftiert und ermordet worden. Die Fälscher haben aber ein
       historisches Schwarz-Weiß-Bild von ihr in ein Farbfoto umgewandelt. Ihre
       Verletzungen im Gesicht wurden wegretuschiert.
       
       Fotos dieser Art überschwemmen derzeit die sogenannten sozialen Medien. Sie
       werden mit wenig Aufwand mithilfe von künstlicher Intelligenz hergestellt.
       Weltweit produzieren Content-Farmen solche geschichtsverfälschenden Inhalte
       mit möglichst emotionalen Inhalten, sagt Gina Wiedemann von den Arolsen
       Archives, der [1][weltgrößten Datenbank über verschleppte Opfer der Nazis].
       Ihr Ziel: Klicks generieren und damit Geld verdienen. Hinzu kämen offenbar
       rechtsradikale Kreise, die so ihre revisionistischen Thesen verbreiteten.
       
       Jetzt fordern rund 40 deutsche NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren
       [2][in einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief] von den
       Betreiberfirmen wie Instagram oder Tiktok, Konsequenzen zu ziehen. Man
       betrachte die Entwicklung „mit großer Sorge“, heißt es darin.
       Lebensgeschichten würden „für Profit instrumentalisiert“, Geschichte
       verfälscht und verkitscht.
       
       KI-generierte Bilder müssten von den Betreibern sozialer Medien
       gekennzeichnet werden, verlangen die Gedenkstätten. Geschichtsverfälschende
       und irreführende Inhalte müssten als Fehlinformation meldbar gemacht
       werden. Die Firmen sollten proaktiv gegen diese geschichtsverfälschenden
       KI-Inhalte vorgehen und mit Gedenkstätten kooperieren, „um
       Erkennungssysteme für Holocaust-bezogene Fehlinformationen zu verbessern“,
       heißt es weiter.
       
       Andreas Ehresmann von der [3][niedersächsischen Gedenkstätte Sandbostel]
       hat den Anstoß zu der Initiative gegeben. Vor rund sechs Wochen seien in
       der Gedenkstätte erstmals sehr emotionalisierende Bilder aufgefallen, die
       angeblich aus Sandbostel stammen. Da sehe man US-Soldaten, die Häftlinge
       befreien. Ein anderer Soldat trage einen Häftling in den Armen, sagt
       Ehresmann der taz. Die Fotos transportierten ein Körnchen Wahrheit, doch es
       handele sich um Fälschungen. So sei Sandbostel 1945 nicht von
       amerikanischen, sondern von britischen Soldaten befreit worden.
       
       Uwe Neumärker von der Berliner Stiftung Denkmal befürchtet, dass die
       KI-Fälschungen von Holocaust-Szenen nur der Anfang seien. Man werde bald
       „insgesamt Probleme mit historischen Fotos bekommen“, sagt er der taz. Wenn
       man nicht mehr zwischen historischen Dokumenten und KI-generierten
       Fälschungen unterscheiden könne, bestehe die Gefahr, dass die Authentizität
       der echten Erinnerungen infrage gestellt würden. Von daher sei eine
       Kennzeichnung der KI-Bilder eine „Mindestforderung“, so der Direktor der
       Stiftung Denkmal.
       
       15 Jan 2026
       
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 (DIR) [3] /Fotograf-ueber-das-Lager-Sandbostel/!5949290
       
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