# taz.de -- Landratswahl in Oberspreewald-Lausitz: AfD liegt erstmal hinten
       
       > Knapp verfehlte der CDU-Kandidat die absolute Mehrheit. Nun muss er gegen
       > die AfD in die Stichwahl. 2026 werden in Brandenburg sechs Landräte
       > gewählt.
       
 (IMG) Bild: Mit Universität und See: Senftenberg im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
       
       Bei der Auszählung der ersten Stimmbezirke lag die AfD mit ihrer Kandidatin
       Antje Ruhland-Führer noch in Führung. Dann aber hat Alexander Erbert die
       Wahl gedreht. Zur absoluten Mehrheit reichte es für den [1][CDU-Kandidaten
       mit 48,8 Prozent] dennoch nicht. Die Entscheidung, wer künftig das
       Landratsamt in Oberspreewald-Lausitz führt, fällt bei der Stichwahl am 25.
       Januar.
       
       Der Wahlgang am Sonntag war der Auftakt einer ganzen Reihe wichtiger
       kommunalpolitischer Entscheidungen in Brandenburg in diesem Jahr. Neben dem
       Landratsamt in Senftenberg werden auch die Landräte und Landrätinnen in
       Elbe-Elster (15. Februar), Spree-Neiße (8. März), Barnim und Uckermark (19.
       April) sowie in Ostprignitz-Ruppin (7. Juni) gewählt. Hinzu kommen
       Bürgermeisterwahlen in Erkner, Strausberg, Guben und Forst (Lausitz).
       
       Die Wahl in Oberspreewald-Lausitz war nötig geworden, weil der bisherige
       Landrat Siegurd Heinze (parteilos) nach 16 Jahren Amtszeit nicht mehr
       angetreten war. Mit Alexander Erbert stellte sich der bisherige Dezernent
       für Gesundheit, Jugend und Soziales zur Wahl. Die AfD-Kandidatin
       Ruhland-Führer kam auf 43,6 Prozent. Sie ist Referentin der
       AfD-Landtagsabgeordneten und ehemaligen Landesvorsitzenden Birgit Bessin.
       Dritter im Bunde ist Evgeni Kivman von der Tierschutzpartei. Er kam auf 7,6
       Prozent der Stimmen.
       
       Auf Kivmans Wählerinnen und Wähler dürfte es am 25. Januar ankommen. „Ein
       Problem ist, dass wir als Region zu wenig attraktiv sind für junge
       Menschen“, sagte der in Sankt Petersburg geborene Kivman im Dezember dem
       [2][Deutschlandfunk]. Kivman will dem etwas entgegensetzen, baut auf die
       Wählerinnen von Linkspartei, Grünen und SPD, die selbst keine Kandidaten
       für die Landratswahl gefunden haben. Seine Forderungen: Der Ausbau der
       Infrastruktur und der medizinischen Versorgung sowie eine bessere
       Ausstattung der Schulen.
       
       Tatsächlich hat der Landkreis mit großen Problemen zu kämpfen. Zwar ist
       Senftenberg einer der beiden Standorte der [3][Brandenburgischen
       Technischen Universität BTU Cottbus-Senftenberg]. Von den 7.500
       Studierenden zieht es allerdings nur knapp 1.000 in die 23.000 Einwohner
       zählende Stadt am Senftenberger See.
       
       ## Weiterer Bevölkerungsrückgang
       
       In Zukunft könnte sich die Lage sogar noch verschärfen. Während Cottbus
       laut einer [4][Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und
       Raumforschung (BBSR) zur Bevölkerungsentwicklung] bis 2038 zu den Gewinnern
       des Strukturwandels in der Energieregion gehören wird, droht dem Landkreis
       Oberspreewald-Lausitz ein Bevölkerungsrückgang von bis zu 15 Prozent. Von
       den ehemals 140.000 Einwohnern, die inzwischen auf 100.000 geschrumpft
       sind, würden dann nur noch 85.000 übrig bleiben.
       
       Dem gegenüber stehen freilich auch größere Investitionen wie etwa in
       Lübbenau. In der idyllischen Spreewaldstadt will die Schwarz-Gruppe bis
       Ende 2027 ein riesiges Rechenzentrum für 11 Milliarden Euro bauen. „Die
       Stadt gestaltet den Strukturwandel aktiv und zeigt, wie aus einer fossilen
       Industriegeschichte eine digitale Zukunft erwächst“, betonte Bürgermeister
       Helmut Wenzel beim Spatenstich im November. Wie viele Arbeitsplätze
       entstehen, lässt die Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland gehören,
       allerdings offen.
       
       Insbesondere die Brandenburger SPD dürfte mit Interesse, aber auch mit
       großer Sorge auf die Landratswahlen schauen. Neben Oberspreewald-Lausitz
       hat es die selbst ernannte „Brandenburgpartei“ auch im benachbarten
       Elbe-Elster nicht geschafft, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene
       Kandidatin aufzustellen. Wie Spree-Neiße gehören auch diese beiden
       südlichen Landkreise zu den Hochburgen der AfD.
       
       Würde die in Brandenburg als gesichert rechtsextremistisch eingestufte
       Partei neben Sonneberg in Thüringen erstmals einen Landkreis erobern,
       stünde auch die SPD noch mehr unter Druck. Deren Ministerpräsident Dietmar
       Woidke will nach dem Aus der Koalition mit dem BSW bis Ostern eine
       Koalition mit der CDU schmieden. Die AfD dagegen setzt, wie das BSW, auf
       Neuwahlen.
       
       12 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://wahl.osl-online.de/AppPortal/lw2026.html
 (DIR) [2] https://www.deutschlandfunkkultur.de/landratswahlen-in-der-lausitz-warum-die-afd-gute-chancen-hat-laenderreport-100.html?fbclid=IwY2xjawPRtIxleHRuA2FlbQIxMQBicmlkETFZUkNQMkFYVlZybXZZREZ4c3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHjF3wgV-WzwjaUQHe8Td8WxcXz9B__SHZLiPEqaSMSSNmbnfOOIyaRPoLazc_aem_2StFyb8_Ny9-Ahq8fvfyAA
 (DIR) [3] https://www.b-tu.de/
 (DIR) [4] https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/analysen-kompakt/2025/ak-14-2025-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=3
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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