# taz.de -- Landrat stoppt Bürgermeisterwahl: Hatte Kandidat Zugriff auf Briefwahlunterlagen?
> Eklat bei Bürgermeisterwahlen in Strausberg: Stadt unterhält Postfach im
> Geschäft eines der Kandidaten. Der sieht sich zu Unrecht verdächtigt.
(IMG) Bild: Gernot Schmidt (SPD), Landrat des Kreises Märkisch-Oderland, sieht ein Problem beim Postfach der Stadt Strausberg (Foto von 2024)
dpa | Der Landrat des Kreises Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt, hat den
ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahlen in Strausberg für ungültig erklärt.
Wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten in der Briefwahl fordert der
SPD-Politiker, die Wahl zu wiederholen, wie er der Deutschen Presse-Agentur
sagte. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Die Wahl fand am 15. Februar
statt.
Konkret richtet sich der Vorwurf des Landrats gegen den
Bürgermeisterkandidaten Patrick Hübner (parteilos). Schmidt wirft ihm
Wahlmanipulation vor. Hübner hatte im ersten Wahlgang mit einem Anteil von
22,5 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Knapp dahinter lag Kandidatin
Annette Binder, ebenfalls parteilos, mit einem Anteil von 21,2 Prozent. Die
Stichwahl sollte am 15. März stattfinden. Das Aussenden der
Briefwahlunterlagen für diesen zweiten Wahlgang sei nun gestoppt worden,
sagte Schmidt.
Seinen Verdacht begründete der Landrat in einem Schreiben an
Bürgermeisterin Elke Stadeler folgendermaßen: Im Geschäft des Kandidaten
Hübner, einer Rösterei, befindet sich das Postfach der Stadt Strausberg, in
dem die per Post eingereichten Wahlunterlagen ankommen. Es sei auffällig,
dass ein „außergewöhnlich großer Anteil der Wahlbriefe“ nicht den Weg
zurück vom Wähler zur Wahlbehörde gefunden hätten.
Laut dem Landrat wurden mehr als 4.000 Wahlbriefe ausgegeben und versandt,
doch nur 2.835 gelangten zurück zur Wahlbehörde. Das sind rund 1.170
weniger, also gut 30 Prozent. Die Erfahrung aus vergangenen Wahlen zeige,
dass in der Regel nur rund 10 Prozent nicht oder nicht rechtzeitig
zurückgesendet würden.
## „Zugriffsmöglichkeit auf Wahlbriefe“
„Von der Einlieferung der Wahlbriefe in das Postfach bis zum
Weitertransport zur Stadt Strausberg hatte Herr Hübner die
Zugriffsmöglichkeit auf die betreffenden Wahlbriefe“, so Schmidt. Nur
Wahlbriefe, die direkt in der Stadtverwaltung abgegeben würden, seien nicht
im Zugriffsbereich Hübners gewesen. Eine Sprecherin des Landkreises
Märkisch-Oderland sagte der dpa: „Der Staatsschutz und die
Staatsanwaltschaft ermitteln.“
Zum Vorwurf der Manipulation sagte Hübner der dpa: „Ich kann dem nicht
zustimmen und ich kann ihn auch erstmal von meiner Stelle aus nicht
nachvollziehen.“ Es sei schon lange bekannt, dass die Stadt ein Postfach in
seinem Laden habe. Wenn es nicht gewünscht gewesen wäre, dass die
Wahlunterlagen in seinem Geschäft ankämen, hätte es nur einen Hinweis
gebraucht, sagte Hübner.
„Wenn die Briefwahlunterlagen reinkommen, werden die durchgezählt,
aufgeschrieben und am selben Tag abgeholt“, beschreibt er den Vorgang in
seinem Geschäft. Wie erklärt er sich, dass mehr als 1.100
Wahlbriefunterlagen nicht zurückgesendet wurden? „Ich kann mir das
persönlich gar nicht erklären, weil ich in dem Postprozess nur ein Baustein
bin“, sagt Hübner und ergänzt: „Ich stehe für transparente und reguläre
Wahlen, unabhängig von meiner Kandidatur.“
24 Feb 2026
## TAGS
(DIR) Bürgermeisterwahl
(DIR) Wahlmanipulation
(DIR) Strausberg
(DIR) Märkisch-Oderland
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl 2019 in Brandenburg
(DIR) Brandenburg
(DIR) Geschichtsrevisionismus
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Nachhaltigkeit
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Landratswahl in Oberspreewald-Lausitz: AfD liegt erstmal hinten
Knapp verfehlte der CDU-Kandidat die absolute Mehrheit. Nun muss er gegen
die AfD in die Stichwahl. 2026 werden in Brandenburg sechs Landräte
gewählt.
(DIR) AfD-Stadtverordneter verurteilt: Mit Klappmesser beim Gedenken
Nach einem Auschwitz-Gedenken soll ein Strausberger AfD-Stadtverordneter
Menschen bedroht haben. Nun wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.
(DIR) Gedenken an NS-Opfer in Strausberg: AfD-Mann soll Messer gezückt haben
Beim Gedenken an die NS-Opfer in Strausberg soll ein AfD-Mann zunächst
gestört haben. Dann soll ein Parteikollege gar mit einem Messer gedroht
haben.
(DIR) Kulturprojekt in Brandenburg: Vertrauensbildung im Bunkerland
In Strausberg entsteht auf einem einstigen Postareal ein nachhaltiges
Kulturquartier. Bald soll eine besondere DDR-Hinterlassenschaft begehbar
sein.