# taz.de -- Ernährungsexperten üben Kritik: US-Regierung empfiehlt rotes Fleisch
       
       > Was ist gesunde Ernährung? Die neuen Richtlinien der USA widersprechen
       > teils dem wissenschaftlichen Sachstand.
       
 (IMG) Bild: Nicht nur weniger Zucker empfiehlt die US-Regierung, um sich gesund zu ernähren – sondern auch mehr Fleisch als bisher
       
       afp | Rotes Fleisch für mehr Gesundheit: Die US-Regierung hat am Mittwoch
       neue Ernährungsrichtlinien veröffentlicht, die teils dem wissenschaftlichen
       Sachstand widersprechen. Fachleute kritisierten deshalb einige der neuen
       Empfehlungen. Die Empfehlungen würden die Essgewohnheiten in den USA
       „revolutionieren“ und „Amerika wieder gesund“ machen, erklärte
       Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. unter Anlehnung an seinen Slogan
       „Make America Healthy Again“.
       
       Alle fünf Jahre veröffentlicht die US-Regierung neue Empfehlungen für die
       Ernährung. In der neuen Empfehlung werden US-Bürger dazu angehalten,
       möglichst wenig Zucker zu konsumieren. Für Kinder bis zum Alter von zehn
       Jahren wird dazu geraten, bei der Ernährung komplett auf Süßstoffe und
       zuckerhaltige Getränke zu verzichten. Auch der Verzehr von raffinierten
       Kohlenhydraten, wie in Weißbrot oder Weizentortillas enthalten, soll
       reduziert werden.
       
       Stattdessen rät die neue Richtlinie zu mehr Protein: 1,2 bis 1,6 Gramm
       Protein pro Kilogramm Körpergewicht sollte ein Mensch demnach zu sich
       nehmen. Frühere Empfehlungen gingen davon aus, dass etwa 0,8 Gramm pro
       Kilogramm Körpergewicht für die meisten Menschen ausreichen. Das entspricht
       auch dem, [1][was beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
       rät].
       
       Statt Fertiggerichte und andere industriell hergestellte Lebensmittel zu
       kaufen, sollen die US-Bürger ihr Essen der neuen Empfehlung zufolge aus
       frischen Zutaten selbst zubereiteten. Bei der neuen Ernährungspyramide
       stehen Fleisch, Milchprodukte und gesunde Fette nun auf der gleichen Stufe
       wie Gemüse und Obst. Sie sollen demnach mehr konsumiert werden als
       kohlenhydrathaltige Getreideprodukte, darunter auch ballaststoffreiche
       Vollkornprodukte wie Haferflocken.
       
       Die Reaktionen von Ernährungswissenschaftlern und Gesundheitsexperten
       fielen gemischt aus: Die Empfehlung, Zucker und hochverarbeitete
       Lebensmittel zu reduzieren, wurde positiv aufgenommen, der Fokus auf
       tierisches Eiweiß aber deutlich kritischer. Die Expertin Marion Nestle,
       emeritierte Professorin der New York University, kritisierte die neuen
       Empfehlungen etwa als „verworren, widersprüchlich, ideologisch und sehr
       rückständig“. Kritisiert wurde insbesondere, dass zu den empfohlenen
       tierischen und pflanzlichen Eiweißlieferanten jetzt auch rotes Fleisch
       zählt.
       
       Dabei gilt dieses in höheren Mengen sogar als gesundheitsschädlich. Die
       Internationale Agentur für Krebsforschung beispielsweise, eine Einrichtung
       der Weltgesundheitsorganisation, [2][stuft den Verzehr von rotem Fleisch
       seit 2015 als „wahrscheinlich karzinogen für den Menschen“], also in
       Zusammenhang mit Krebserkrankungen stehend. [3][Zudem ist die Produktion
       von Fleisch im Allgemeinen, aber besonders von Rindfleisch, sehr klima- und
       umweltschädlich].
       
       Gesundheitsminister Kennedy will vor allem das in der US-Bevölkerung
       weitverbreitete Übergewicht bekämpfen. Der Politiker sprach wiederholt von
       einem „Gesundheitsnotstand“ im Land: Chronische Krankheiten sollen seinem
       Ministerium zufolge durch die Fokussierung auf „sicheres, gesundes Essen,
       sauberes Wasser und die Beseitigung von Giften in der Umwelt“ eingedämmt
       werden.
       
       Früher war Kennedy ein angesehener Anwalt für Umweltrecht, bevor er
       zunehmend mit Verschwörungserzählungen für Aufmerksamkeit sorgte. In der
       Vergangenheit vertrat er zudem wiederholt die widerlegte Theorie, Impfungen
       in der Kindheit führten zu Autismus. Im April gab er eine entsprechende
       Untersuchung dazu in Auftrag.
       
       9 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.dge.de/presse/meldungen/2011-2018/wie-viel-protein-brauchen-wir/
 (DIR) [2] https://www.aerzteblatt.de/news/who-behoerde-stuft-rotes-fleisch-und-wurst-als-krebserregend-ein-0d40c33d-d4d3-4fb7-85c8-73dc6d2d9102
 (DIR) [3] /Klimabilanz-von-Lebensmitteln-Agrarminister-sieht-keinen-Grund-fuer-weniger-Fleisch/!6133048
       
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