# taz.de -- Kritik an deutscher Corona-Politik: US-Gesundheitsminister wirft Deutschland Fehlverhalten vor
> Robert F. Kennedy Jr. hat die deutsche Regierung für den Umgang mit
> Corona kritisiert. Laut ihm habe Deutschland die Autonomie von Patienten
> missachtet.
(IMG) Bild: Mischt sich in Deutschlands Umgang mit der Corona-Pandemie ein: US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr
dpa | US-Gesundheitsminister [1][Robert F. Kennedy Jr.] hat die deutsche
Regierung wegen Strafverfahren im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie
kritisiert und ihr vorgeworfen, die Autonomie von Patienten zu missachten.
Aus diesem Grund habe er am Freitag einen Brief an die deutsche
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geschickt, teilte er am Samstag auf
der Plattform X mit. Den Nachnamen der Ministerin gab er dabei
fälschlicherweise als „Workin“ wieder.
In einem dem Post beigefügten Video sagte er, er habe erfahren, dass „mehr
als 1.000 deutsche Ärzte und Tausende ihrer Patienten“ derzeit
strafrechtlich verfolgt und bestraft würden, weil sie während der
Corona-Pandemie Ausnahmen vom Tragen von Masken und von [2][Impfungen gegen
Covid-19] gewährt hätten. „Die Berichte aus Deutschland zeigen, dass die
Regierung die Autonomie der Patienten beiseiteschiebt und die Möglichkeiten
der Menschen einschränkt, bei medizinischen Entscheidungen nach ihren
eigenen Überzeugungen zu handeln.“
In Deutschland sind zahlreiche Fälle in verschiedenen Bundesländern vor
Gericht gelandet, bei denen es etwa um den Vorwurf der Fälschung von
Impfausweisen oder falsche Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht
ging. Auf welche Berichte genau sich der US-Minister für seine
Anschuldigungen nun stützte und woher er insbesondere die zitierten Zahlen
hatte, ging aus seinem Post allerdings nicht hervor.
## Umstrittener Trump-Minister
Kennedy Jr. gilt als [3][besonders umstrittene Personalie] im Kabinett von
US-Präsident Donald Trump. Der Neffe des einstigen US-Präsidenten John F.
Kennedy hatte in den vergangenen Jahren vielfach Zweifel an Impfungen
gestreut, Verschwörungstheorien verbreitet und mit schrillen Wortmeldungen
von sich reden gemacht.
Wenn eine Regierung Ärzte dafür kriminalisiere, dass sie ihre Patienten
berate, „überschreitet sie eine Grenze, die freie Gesellschaften immer als
unantastbar betrachtet haben“, kritisiert Kennedy nun. Er wirft der
deutschen Regierung vor, die „heilige Beziehung zwischen Arzt und Patient“
zu verletzten und warnt davor, dass Ärzte in einem solchen System zu
„Vollstreckern staatlicher Politik“ würden.
Er fordere „die deutsche Regierung dringend auf, ihren Kurs zu ändern“,
mahnte Kennedy Jr. Konkret mahnte er an, entsprechende Strafverfolgungen,
die er in dem Post als „politisch motiviert“ bezeichnete, zu beenden. Aus
seiner Sicht zu Unrecht entzogene Zulassungen für Ärzte sollten
wiederhergestellt werden. Der US-Gesundheitsminister forderte auch, „das
deutsche Volk seine eigenen fundierten medizinischen Entscheidungen treffen
zu lassen“.
Deutschland genieße seit langem Ansehen als eine Nation, die sich für
demokratische Werte und Menschenrechte einsetze. Eine Politik, die
abweichende Meinungen unterdrücke, Meinungsäußerungen unterbinde und
medizinische Entscheidungen kriminalisiere, untergrabe dieses Erbe.
## Lauterbach und Warken weisen Kritik zurück
Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach wies die Vorwürfe Kennedys
zurück und verwies auf die Probleme des US-Gesundheitssystems. „Ehrenwerter
@SecKennedy sollte sich um Gesundheitsprobleme im eigenen Land kümmern.
Kurze Lebenserwartung, extreme Kosten, Zehntausende Drogentote und
Mordopfer“, schrieb der SPD-Politiker auf der Plattform X. In Deutschland
würden Ärzte für falsche Atteste nicht von der Regierung bestraft. „Bei uns
sind die Gerichte unabhängig.“
Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat Vorwürfe ihres
amerikanischen Amtskollegen Robert F. Kennedy Jr. wegen Gerichtsverfahren
in Deutschland in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie entschieden
zurückgewiesen. „Die Einlassungen des US-amerikanischen
Gesundheitsministers entbehren jeglicher Grundlage, sie sind faktisch
falsch und zurückzuweisen. Das erläutere ich ihm gerne auch persönlich“,
teilte Warken am Abend mit.
„Während der Corona-Pandemie gab es zu keiner Zeit eine Verpflichtung der
Ärzteschaft, Impfungen gegen Covid-19 durchzuführen. Wer aus medizinischen,
ethischen oder persönlichen Gründen keine Impfungen anbieten wollte, machte
sich weder strafbar, noch mussten Sanktionen befürchtet werden“, sagte
Warken. Es habe kein Berufsverbot oder Geldstrafe gegeben, wenn nicht
geimpft worden sei. „Strafrechtliche Verfolgung gab es ausschließlich in
Fällen von Betrug und Urkundenfälschung, etwa bei der Ausstellung falscher
Impfpässe oder unechter Maskenatteste.“
Warken erklärte weiter, in Deutschland gelte grundsätzlich die
verfassungsrechtlich geschützte ärztliche Therapiefreiheit. „Ärztinnen und
Ärzte entscheiden selbstständig und eigenverantwortlich über die Behandlung
von Patientinnen und Patienten.“ Der Leistungsumfang der gesetzlichen
Krankenversicherung basiere auf nachgewiesener wissenschaftlicher Evidenz
und werde nicht von der Politik festgelegt. „Ebenso sind Patientinnen und
Patienten frei in ihrer Entscheidung, welche Therapie sie in Anspruch
nehmen.“
11 Jan 2026
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