# taz.de -- Ausfall auch ohne Schneesturm: Ein völlig verlorener Schultag
       
       > Erst spät am Donnerstag setzt auch Berlins Schulsenatorin für Freitag
       > die Schulpflicht aus. Schon da war absehbar, dass das unnötig ist.
       
 (IMG) Bild: Sieht doch ganz gemütlich aus, und der Schnee liegt auch nicht zu hoch: Schule am Abend vor dem Doch-Nicht-Schneesturm in Berlin
       
       Berlin blieb am Freitag zwar vom Schneechaos verschont. Berlins Schulen
       hingegen versanken trotzdem im Chaos. Grund war allerdings nicht der
       drohende Schneesturm Elli, sondern die Unentschiedenheit der
       Bildungsverwaltung.
       
       Erst am Donnerstagnachmittag teilte die Bildungssenatorin Katharina
       Günther-Wünsch (CDU) im Bildungsausschuss mit, dass Schüler*innen für
       Freitag von der Schulpflicht freigestellt seien. Es war eine Ankündigung,
       die sie zum eigentlich ungünstigsten Zeitpunkt tätigte. Zu spät für die
       Schulen, um noch sinnvoll mit den Schüler*innen zu kommunizieren. Zu
       früh für die Wetterlage, [1][weil bereits gegen Abend schon langsam
       absehbar war], dass es in Berlin eventuell gar nicht so dicke kommen würde
       mit dem Schnee.
       
       Das Argument, dass Berlin hier hinterhergezogen habe, weil auch Brandenburg
       die Schulpflicht ausgesetzt hatte, ist sehr schwach. Denn gerade bei
       Schneeverwehungen ist der Unterschied zwischen Flächenland und Stadtstaat
       so groß, dass die Situation nicht zu vergleichen ist – und somit auch
       niemand mit dem Nachbarn mitziehen muss. Und, wo wir schon beim Vergleich
       mit anderen Bundesländern sind: Selbst [2][Schleswig-Holstein, wo die
       Schule teilweise ausfiel, hatte sich keine flächendeckende Regelung]
       gegeben.
       
       Das Resultat? An einigen Schulen waren am Freitag [3][mehr Lehrer*innen
       als Schüler*innen anwesend. Einige Medien berichteten von Schulen, an
       denen weniger als ein Prozent] der Schüler*innen in der Schule erschien.
       Lehrer*innen, die vor nur eine*r Schüler*in standen, schickten dann
       diese teils auch einfach mit Aufgaben nach Hause.
       
       Richtig kompliziert war es dann für die Lehrer*innen, die eigentlich
       Klassenarbeiten oder Klausuren schreiben wollten. Die meisten werden diese
       wohl ausfallen gelassen haben und sie verschieben. Das ist ausgerechnet am
       Ende des Halbjahres extrem ungünstig.
       
       Für Lehrer*innen galt die Aussetzung der Schulpflicht selbstredend
       nicht, so dass sie alle komplett vorbereitet zum Unterricht kommen mussten
       – den sie dann meist nicht sinnvoll durchführen konnten. Anstatt mit einer
       spät und zögerlich herausgebrachten Aussetzung der Schulpflicht den
       Schultag allgemein für fast alle zu verunmöglichen, hätte die Senatorin
       ruhig abwarten können.
       
       Wenn die Stadt wirklich im Schnee versunken wäre, wenn niemand der ja im
       Idealfall gar nicht so weit von der Schule wohnenden Kinder und
       Jugendlichen sich durch den Schnee hätte kämpfen können, hätte sie auch im
       Nachhinein noch verfügen können, dass eine Abwesenheit an dem Tag nicht
       gezählt wird. So war es einfach ein verlorener Tag.
       
       12 Jan 2026
       
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