# taz.de -- Herrscher in Trainingsanzügen: Staatstragende Joggingkleidung
       
       > Nicolás Maduro ist nicht der erste Diktator, dessen Sportklamotten Kult
       > wurden. Eine kleine Kulturgeschichte von Diktatoren mit Swoosh und
       > Streifen.
       
 (IMG) Bild: Kalter Kultkrieger: Leonid Breschnew im Trainingsanzug auf hoher See
       
       Wieder einmal also macht das Bild eines Diktators in Trainingsanzug
       Karriere. Auch Leute, die alles andere als witzig finden, [1][was die USA
       gerade mit Venezuela und der Welt anstellen], mögen gelacht haben, über die
       Geschichten, die über das mausgraue Sportoutfit geschrieben werden, das der
       in die USA entführte Präsident von Venezuela Nicolás Maduro getragen hat,
       als ihn Donald Trumps Häscher abgeführt haben.
       
       [2][Ein Verkaufsschlager soll der Hoodie aus dem Hause Nike nun sein], wird
       berichtet. Und als die Fußballer des spanischen Erstligisten RCD Mallorca
       in eben jenem Modell zum Ligaspiel in Girona angereist sind, gingen Bilder
       davon um die ganze Welt, als wäre nicht sonnenklar, dass die Sportler
       nichts, aber auch gar nichts mit Maduro am Hut haben.
       
       Es ist schon immer eine gewisse Faszination von Herrschern in
       Sportklamotten ausgegangen. Ein Bild des 2016 verstorbenen kubanischen
       Revolutionsführers Fidel Castro in einer blauen Trainingsjacke von Adidas
       hat bestimmt einmal gesehen, wer sich nur halbwegs für den Lauf der Welt
       interessiert. Und wer im Vintage-Shop des Sportartikelherstellers heute
       eine solche Jacke kauft, hat vielleicht die Bilder des greisen Castro im
       Sportdress vor Augen und findet sie irgendwie cool.
       
       Selbst ziemlich klasse fand sich einst auch Leonid Breschnew, der erste
       Sekretär der Kommunistischen Partei und Vorsitzende des Präsidiums des
       Obersten Sowjets der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken auf den
       Fotos, die ihn 1971 im blauen Trainingsanzug auf einem Motorboot vor der
       Krim zeigen. „Ich sehe aus wie Alain Delon“, soll der kalte Krieger, der
       zum Trainingsanzug Sonnenbrille und Rolex trug, dazu gesagt haben.
       
       ## Unvorteilhaftes Badehosenbild
       
       Der Markenaufdruck eines Sportartikelgiganten findet sich nicht auf den
       Bildern mit der sportlichen Trikotage aus nichtsozialistischer Produktion.
       Ob man sich damals bei Adidas geärgert hat, dass der Chef der
       sozialistischen Welt nicht zu einem Teil mit drei Streifen gegriffen hat?
       Man weiß es nicht. Ein Geschäft war damals jedenfalls nicht zu machen mit
       dem Fürsten der Sowjetunion, dessen Spitzensportler sehr wohl mit Klamotten
       von Adidas auf Medaillenjagd gegangen sind. Von dem für den Abgebildeten
       nicht ganz so vorteilhaften Bild, das Breschnew Jahre später in Badehose
       zeigt, haben dann übrigens auch keine Sportartikelhersteller profitiert.
       
       Ob die Verkaufszahlen des Trainingsanzuges in die Höhe geschnellt sind, in
       dem sich der russische Präsident Wladimir Putin 2015 während eines Workouts
       in einem Fitnessstudio in Sotschi hat ablichten lassen, ist nicht
       überliefert. Man hätte jedenfalls tief in die Tasche greifen müssen, um in
       einer Berliner Hipsterbar mit einem original Putin-Trainingsanzug von Loro
       Piana einen Gag landen zu können. Gute 2.000 Euro kostet ein solches Teil
       aus Leinen und Kaschmir, in das der Kremlchef beim Gewichtestemmen
       hineingeschwitzt hat.
       
       Dass Putin ein Faible für sauteure Klamotten aus dem italienischen
       Designerschuppen hat, ist spätestens im März 2022 der ganzen Welt
       aufgefallen. Bei der Propagandashow zum Jahrestag der Krimannexion im
       Moskauer Luschniki-Stadion wandte er sich in einem Daunenmantel an die
       Massen, der nicht unter 10.000 Euro zu haben ist.
       
       Das ist selbst im gleichgeschalteten Russland negativ aufgefallen. Dort
       genießen eher die Bilder Putins mit nacktem Oberkörper Kultstatus. Ein
       solches Nichtoutfit gibt es weder bei Adidas noch bei Loro Piana im
       Angebot. Der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy trägt es dennoch.
       Der 70-Jährige macht gerade Urlaub auf Guadeloupe und [3][wurde dort beim
       Joggen mit nacktem Oberkörper gesehen]. Ob das eine mit dem anderen etwas
       zu tun hat? Eher nicht. Eine schöne Geschichte gibt es dennoch her.
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Trumps-Angriff-in-Venezuela/!6143137
 (DIR) [2] /Memes-zum-US-Angriff-auf-Venezuela/!6143180
 (DIR) [3] https://x.com/giggle4you/status/2002461241046880508?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2002461241046880508%7Ctwgr%5Eb15abd6e672cff8439a9d7e533550ce01d25a59b%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.leparisien.fr%2Fpolitique%2Ftoujours-sous-controle-judiciaire-nicolas-sarkozy-passe-des-vacances-en-guadeloupe-en-famille-22-12-2025-GKBYWT5UMREL5FMW3AQORQVNGY.php
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Kulturbeutel
 (DIR) Freizeit
 (DIR) Nicolás Maduro
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) Demonstrationen
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) Kinofilm
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Pressefreiheit in Venezuela: Neue Machthaberin, alte Methoden
       
       Freie Berichterstattung in und aus Venezuela ist weiterhin kaum möglich.
       Auch unter Interimspräsidentin Rodríguez werden Journalistinnen
       drangsaliert.
       
 (DIR) Angriff auf Venezuela: Aufstehen für das Völkerrecht
       
       Hunderte Menschen protestierten in Bochum gegen Trumps Imperialismus. Am
       Freitag soll auch in Berlin demonstriert werden.
       
 (DIR) Memes zum US-Angriff auf Venezuela: Das Grauen im Jogginganzug
       
       Nach dem US-Angriff auf Venezuela fluten Memes von tanzenden Maduros,
       Jogginganzügen und KI-Fakes das Internet. Trump inszeniert sich als
       Actionheld.
       
 (DIR) Trumps Angriff in Venezuela: Im Schlaf von US-Raketen getroffen
       
       Mindestens 80 Menschen starben bei der Entführung des venezolanischen
       Präsidenten Nicolás Maduro. Zivilisten wurden durch US-Luftschläge
       überrascht.
       
 (DIR) Film „Der Helsinki Effekt“: Und Breschnew glaubte sich als schlauer Fuchs
       
       Arthur Francks Film „Der Helsinki Effekt“ ist ein Flashback ins Jahr 1975,
       als sich auf einer Konferenz die politische Weltkarte veränderte.