# taz.de -- Angriff auf die Pressefreiheit: Französischer Journalist in der Türkei festgenommen
> Ein französischer Reporter wurde in der Türkei verhaftet und für drei
> Tage festgehalten. Der Fall beunruhigt ausländische Korrespondenten im
> Land.
(IMG) Bild: Der französische Journalist Raphael Boukandoura wurde überraschend am Mittwoch freigelassen
Der französische Journalist Raphael Boukandoura wurde am Montagnachmittag
am Rande einer Demonstration [1][verhaftet und für drei Tage festgehalten].
Nachdem ihm zuvor mit einer Deportation nach Frankreich gedroht worden war,
kam er am Mittwochabend überraschend doch frei.
Ob ihm noch eine Anklage droht, ist unklar. Raphael Boukandoura war am
Montag im Auftrag der französischen Zeitung Liberation zur Beobachtung
einer Demonstration, zu der die kurdische DEM-Partei aufgerufen hatte,
unterwegs, als er am Rande der Demo plötzlich verhaftet wurde. Es ging um
einen Protest gegen die Angriffe auf die kurdischen Siedlungsgebiete in
Nordostirak, wo die kurdische SDF seit Tagen gegen syrische
Regierungstruppen kämpft, die in die bislang von Kurden kontrollierte
Gebiete vordringen.
Das Thema ist brisant. Während viele Kurden in der Türkei ihre
[2][Verwandten, Freunde und Bekannte in Syrien] unterstützen, ist die
türkische Regierung völlig auf der Seite der syrischen Regierungsmilizen.
Obwohl unklar war, was Boukandoura überhaupt vorgeworfen wird, wurde er
zunächst in Polizeihaft festgehalten und dann in ein Zentrum für
Abschiebungen überstellt.
Raphael Boukandoura lebt seit mehr als zehn Jahren in der Türkei. Er ist
offiziell akkreditiert, hat einen Presseausweis und eine gültige
Aufenthaltserlaubnis. Er hat eine türkische Lebenspartnerin, mit der
zusammen er ein kleines Kind hat. Die französische Botschaft und etliche
Journalistenverbände protestierten gegen seine Festnahme und eine mögliche
Ausweisung. Der türkische Vertreter von Reporter ohne Grenzen, Erol
Önderoğlu, nannte seine Festnahme völlig unverständlich.
## Protest gegen Festnahme
Gerüchteweise soll ihm vorgeworfen sein, er hätte „Slogans“ gerufen oder er
hätte Polizisten fotografiert. Boukandoura arbeitet für verschiedene
französische Medien. Auch Arte protestierte öffentlich gegen die Festnahme
ihres Korrespondenten. Am Ende wollten die türkischen Verantwortlichen dann
wohl doch keinen Eklat mit der französischen Regierung riskieren und ließen
den Journalisten wieder frei. Ob die Staatsanwaltschaft dennoch Anklage
gegen ihn erheben wird, ist unklar, aber zumindest droht Boukandoura, dass
er seine Akkreditierung verliert.
Der Fall beunruhigt die gesamte Community ausländischer KorrespondentInnen.
Nachdem es in den vergangenen zehn Jahren, insbesondere in den Jahren
[3][nach dem Putschversuch 2016], mehrfach zu Ausweisungen und der
Ablehnung von Akkreditierungen gekommen war, wurden in den letzten vier bis
fünf Jahren keine solchen Fälle mehr unter den fest akkreditierten
europäischen KorrespondentInnen bekannt.
Im Moment läuft noch das Verfahren für die Genehmigung der Presseausweise
für 2026. Während einige KollegInnen ihre Dokumente bereits bekommen haben,
warten andere noch. Angesichts der Kämpfe in Nordsyrien steigen auch die
Spannungen zwischen Kurden und der türkischen Regierung wieder, obwohl der
„Friedensprozess“ mit der PKK offiziell weitergeht. Die Berichterstattung
über die „Kurdenfrage“ war in der Vergangenheit oft ein Grund dafür, dass
ausländische KorrespondentInnen Schwierigkeiten bekamen.
22 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://rsf.org/en/t%C3%BCrkiye-arrest-and-threat-deportation-french-journalist-rapha%C3%ABl-boukandoura-serious-attack-press
(DIR) [2] /Machtkampf-um-Nordostsyrien/!6147021
(DIR) [3] /Gescheiterter-Putsch-in-Tuerkei/!5781354
## AUTOREN
(DIR) Wolf Wittenfeld
## TAGS
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(DIR) Wahl
(DIR) US-Angriff auf Venezuela
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