# taz.de -- Imagekampagne für Niedersachsen: Kein Land für lahme Claims
       
       > Wenn die Landesregierung mal wieder eine Imagekampagne auslobt, kann das
       > eigentlich nur schiefgehen. Mit oder ohne neuen Slogan.
       
 (IMG) Bild: Verdienstkreuz statt After-Show-Party: Was ist, wenn Niedersachsen wie die Scorpions ist?
       
       Es gibt ja kaum etwas, was so zuverlässig Fremdscham auslöst, wie
       Standortmarketing. Neulich erst musste ich jemanden vom Flughafen abholen,
       wo immer noch diese ganzen „hub of the scorpions“-Banner herumhingen, die
       man zum großen Bandjubiläum im letzten Jahr dort aufgehängt hatte.
       
       Ich summte leise Thees Ulmanns „Was wird aus Hannover, wenn die Scorpions
       nicht mehr sind“, um mich nicht die ganze Zeit geniert zu winden, aber das
       half auch nicht wirklich. In der vergangenen Woche kam dann die Meldung,
       dass Niedersachsen nun mal wieder eine Imagekampagne plant und dafür zehn
       Millionen Euro eingeplant hat.
       
       Die europaweite Ausschreibung ist wohl schon so gut wie abgeschlossen,
       [1][dieses Mal ohne Gemauschel und Rücktritte]. Eine Präsentation der
       Ergebnisse droht in naher Zukunft. Darauf gibt es natürlich überhaupt nur
       eine denkbare Reaktion: So viel Geld, gebt das doch lieber für x aus.
       
       Und obwohl der Regierungssprecher mehrfach betonte, es sei nicht klar, ob
       bei dieser Gelegenheit auch der aktuelle Slogan „Niedersachsen. Klar.“
       ausgetauscht werden sollte, das habe man bei der Ausschreibung bewusst
       offen gelassen, konzentrierte sich danach natürlich trotzdem die gesamte
       Debatte auf – klar – eben diesen Slogan.
       
       ## Slogans, an die sich kein Mensch erinnert
       
       Fernsehteams und Radiopraktikanten rückten umgehend zu Straßenumfragen aus,
       um zu dokumentieren, dass bei diesem Thema wirklich niemandem spontan etwas
       auch nur ansatzweise Lustiges oder Originelles einfällt. Ich wäre wirklich
       dankbar, wenn das bald mal die KI übernehmen könnte. Das Ergebnis wird ja
       in etwa das gleiche sein.
       
       [2][Der NDR veröffentlichte gleich eine Liste mit den Slogans] oder Claims
       der anderen Bundesländer, sofern sie welche haben. Wenn Sie mal testen
       möchten, wie eingängig die sind, versuchen Sie doch einmal, sie ohne
       Nachzuschauen aufzuschreiben. Also ich komme dabei auf null von 16
       möglichen Punkten.
       
       Der letzte Länderwerbeslogan, der bei mir hängen geblieben ist, war „Wir
       können alles. Außer Hochdeutsch“. Zu meinem Erstaunen ist der aber auch
       schon seit 2021 abgemeldet. Seither wirbt Baden-Württemberg mit „the länd“,
       was ich so schlimm fand, dass ich es prompt wieder verdrängt habe. Dabei
       ist es ja eigentlich eine total logische Steigerung. Die können halt weder
       Deutsch noch Englisch.
       
       In Niedersachsen könnte man jetzt natürlich sagen, wir können wenigstens
       Hochdeutsch. [3][Das stimmt zwar aus wissenschaftlicher Sicht nicht so
       ganz], aber wer hört schon auf Linguisten. Werbeagenturen ganz sicher
       nicht.
       
       ## Das niedersächsische Identitätsproblem
       
       Dass man sich sofort auf den Slogan stürzte, hängt natürlich damit
       zusammen, dass der Rest noch viel weniger greifbar ist. Image?
       Niedersachsen? Was zum Kuckuck soll denn das sein? Dazu müsste man ja
       überhaupt erst einmal eine halbwegs stabile Identität als Niedersachse
       haben. Aber daran scheitert es ja schon.
       
       Schon in diesem berühmt-berüchtigten Niedersachsenlied, mit seinem
       völkisch-geschichtsklitternden Vokabular definiert man sich ja vor allem
       darüber, gegen wen man gekämpft hat bzw. wer oder was man auf keinen Fall
       ist: römischer Scherge, welsche Brut, Franke, unausgesprochen auch:
       Westfale, igittipfui. „Sturmfest und erdverwachsen“, na ja.
       
       In Niedersachsen gibt es außerdem so viele unterschiedliche regionale
       Identitäten und Lokalpatriotismen, dass für das Bundesland – das ja auch
       bloß so eine Verwaltungskopfgeburt aus der Nachkriegszeit ist – überhaupt
       nichts übrig bleibt.
       
       Dazu kommt: Die Hälfte der Bevölkerung ist irgendwann in den letzten 80
       Jahren zugezogen. [4][Einwanderung können wir]. Geflüchtete aufnehmen üben
       wir seit 1945 – und waren damit ziemlich erfolgreich. Aber damit will im
       Moment natürlich auch keiner protzen.
       
       16 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vergabeaffaere-um-PR-Kampagnen/!5431992
 (DIR) [2] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/2026-image-kampagne-geplant-bekommt-niedersachsen-neuen-slogan,slogan-100.html
 (DIR) [3] /Auch-Hannover-spricht-nicht-Hochdeutsch/!6054180
 (DIR) [4] /Lorenzo-Annese-ueber-Integration/!6049264
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
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