# taz.de -- Hannovers Wahrzeichen und Treffpunkt: Nach'n Kröpcke hin
       
       > In Hannovers Fußgängerzone ist vieles schlimm. Aber das Kröpcke nicht.
       > Das hat außerdem schon ganz andere Dinge überlebt.
       
 (IMG) Bild: Stadtgeschichte: Hannovers damaliger Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg schneidet 2001 die Torte fürs neue Café Kröpcke an
       
       Kann man Außenstehenden erklären, was dieses „Kröpcke“ eigentlich ist? Das
       habe ich mich gefragt, als die Hannoversche Allgemeine Zeitung jetzt mit
       der schockierenden Nachricht um die Ecke kam, dass das dort ansässige
       Mövenpick-Café sich nach 50 Jahren zu verdünnisieren gedenkt.
       
       Für den Lokalteil ist das natürlich Gold: Man kann dann sehr schön sehr
       viele Zeilen mit sentimentalen Erinnerungen füllen und Leute fragen, was
       sie davon halten und was denn nun stattdessen da rein soll und so. („Bloß
       kein Extrablatt“ war die mit Abstand lustigste und klügste Antwort.)
       
       Was für Außenstehende vielleicht nicht so ganz nachzuvollziehen ist: Das
       Café am Kröpcke [1][ist halt mehr als irgendein Café]. Es ist sozusagen
       konzentrierte Stadtgeschichte. Das fängt schon mit der Optik an. In der
       ansonsten leider [2][brutal hässlichen Fußgängerzone] ist der kleine Bau
       mit seinen hübschen Kuppeln und Bögen und dem schnörkeligen Schriftzug ein
       verspielter Lichtblick.
       
       Es weht einen direkt so eine Anmutung von Kaffeehauskultur an und vage
       Assoziationen an die 20er-Jahre, als sich hier noch Literaten und Künstler
       tummelten. Jawohl, das gab es mal! In Hannover! Ist aber lange her. Der
       Schwitters soll da jedenfalls herumgesessen haben.
       
       Okay, was es da auch gab, war Haarmann. Der Serienkiller und
       Sexualstraftäter soll sich in den Gartenanlagen herumgetrieben haben, die
       das Café Kröpcke früher umgaben. Da tummelte sich nämlich die – damals noch
       höchst illegale – schwule Stricherszene.
       
       Wobei es in der Gegend zwischen Hauptbahnhof und sumpfigen Altstadtgassen
       damals überhaupt von Elendsgestalten und Gaunern nur so wimmelte. Manche
       unken ja, das käme gerade wieder, aber vielleicht sollten wir solche
       20er-Jahre-Analogien auch lieber mal wieder sein lassen.
       
       Das aktuelle Café am Kröpcke ist jedenfalls schon der vierte Bau, habe ich
       bei dieser Gelegenheit gelernt. Der erste war tatsächlich ein Geniestreich.
       Café Robby hieß das Ding, ein hübscher orientalisch anmutender Pavillon.
       Das fand man damals – 1869 – sehr schick. Und weil sich hier ein paar Jahre
       später die neu gebauten Hauptverkehrsstraßen kreuzten, war es plötzlich im
       Zentrum der Stadt.
       
       ## Weggebombt und abgerissen – und doch immer noch da
       
       Damals hielt hier auch die Pferdestraßenbahn, mittlerweile liegt
       unterirdisch ein hübsches Labyrinth und die wichtigste Umsteigestation des
       Stadtbahnnetzes, weshalb man sich eben immer noch am einfachsten am Kröpcke
       trifft, wenn man sich in der Stadt treffen will. An der Kröpcke-Uhr, die
       noch mal eine ganz eigene Überlebensgeschichte hat.
       
       Das Café wurde im Zweiten Weltkrieg weggebombt, provisorisch wieder
       aufgebaut, musste schließlich in den 60ern dem U-Bahn-Bau weichen.
       
       Kröpcke hieß das Café nach dem Oberkellner, der es bis 1919 betrieb. Seine
       Nachfahren wollten den Namen aber nicht ohne Weiteres weiterreichen. Darauf
       ließen sie sich erst ein, als die Stadt gleich den ganzen Platz nach ihm
       benannte. So läuft das hier.
       
       ## Kein Riesengewese
       
       Das heutige Kröpcke wird von einer Gemeinschaft aus 20 hannoverschen
       Familien getragen, meist alteingesessene Kaufleute und Unternehmer, zum
       Teil in der dritten Generation. Die – typisch hannöversch – aber eben nicht
       so ein Riesengewese daraus machen. (Nehmt dies, liebe Hamburger. [3][So
       geht das, Herr Kühne].)
       
       Die krude Formulierung „Nach'n Kröpcke hin“ stammt übrigens vom Comedy-Duo
       Siggi und Raner (hannöversch für Rainer) und war Teil des Versuchs, so
       etwas wie Lokalkolorit zu kultivieren. Weil man in Hannover nun einmal
       keinen ordentlichen Dialekt spricht, behalfen sich die beiden mit
       Soziolekt, einer Art Arbeitersprache, grammatikalisch eigensinnig und mit
       regionalen Besonderheiten.
       
       Die Thekengespräche von Siggi und Raner waren Teil des [4][legendären
       ffn-Frühstyxradio-Umfelds]. Das war in den 90ern enorm populär, mit so
       Ausläufern und Auswüchsen, die heute noch die Comedy-Landschaft bevölkern –
       Oliver Welke (jetzt „heute show“), Oliver Kalkofe („Kalkofes Mattscheibe“),
       Günther, der Treckerfahrer, und viele andere. Aber das ist wieder eine
       andere Legende.
       
       6 Feb 2026
       
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