# taz.de -- Deutsche Emissionen 2025: Klimaschutz verliert noch mehr Tempo
       
       > Die CO₂-Emissionen sinken leicht, teils aber nur durch die
       > Wirtschaftskrise. Verkehr und Gebäude sind sogar wieder klimaschädlicher
       > geworden.
       
 (IMG) Bild: Steigende Zahl von Autos und ein höheres Verkehrsaufkommen sorgen für hohe CO₂-Emissionen
       
       Deutschlands ohnehin unzureichendes Tempo beim Klimaschutz nimmt weiter ab:
       2025 sanken die CO₂-Emissionen nur um 1,5 Prozent auf 640 Millionen Tonnen.
       Im Vorjahr sanken die Emissionen noch um 3 Prozent. Das geht aus
       [1][Berechnungen] der Denkfabrik Agora Energiewende hervor, die sich für
       eine klimaneutrale Transformation der Wirtschaft einsetzt.
       
       Setzt sich dieser Trend fort, wird Deutschland seine selbst gesteckten
       Klimaziele nicht erreichen, auch wenn das Ziel für 2025 um 22 Millionen
       Tonnen CO₂ übererfüllt wurde. „Wir brauchen mehr Tempo, nicht weniger“,
       sagte Julia Bläsius von Agora Energiewende. „Das 2030er-Ziel ist noch zu
       erreichen, aber das ist voraussetzungsvoll.“ Unternehmen zu verunsichern,
       wie es zum Beispiel die Bundesregierung durch [2][die Abkehr vom
       Verbrenner-Aus] tue, helfe nicht.
       
       „Wir sehen eine Kontinuität der kompletten klimapolitischen
       Unzulänglichkeit der Bundesregierung“, sagte Carla Reemtsma, Sprecherin von
       Fridays for Future, der taz. Die Regierung habe sich „eins zu eins den
       Interessen der fossilen Industrie“ verschrieben.
       
       Weniger CO₂ als im Vorjahr stießen 2025 den Agora-Berechnungen zufolge nur
       die Energiewirtschaft, die Industrie und die Landwirtschaft aus. In der
       Stromerzeugung gingen die Emissionen insgesamt um 3 Millionen Tonnen CO₂
       zurück. Im Vorjahr hatte das Minus noch 18 Millionen Tonnen betragen. Die
       Solarstromerzeugung stellte mit 89 Terawattstunden aber einen neuen Rekord
       auf und kompensierte so die witterungsbedingt leicht schwächelnden Wind-
       und Wasserkraftwerke. Damit erzeugte Deutschland 2025 [3][erstmals mehr
       Strom aus Sonnenenergie als aus Erdgas oder Kohle]. Hinter der Windkraft
       ist die Solarenergie somit die zweitwichtigste Stromquelle des Landes.
       
       ## Schwäche der Industrie rettet Klimabilanz
       
       Die CO₂-Emissionen der Industrie sanken 2025 laut Agora um 11 Millionen
       Tonnen. Der Denkfabrik zufolge ist dafür allerdings nicht die
       Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität verantwortlich,
       sondern die Wirtschaftskrise. Schwächelnde Nachfrage im In- und Ausland
       sowie hohe Energiekosten aufgrund der Abhängigkeit von fossilen
       Brennstoffen setzten energieintensiven Unternehmen in der Stahl- und
       Chemie-Industrie zu.
       
       Auf diesen Emissionsrückgang dürfe man sich nicht verlassen, sagte Bläsius:
       „Die deutsche Industrie braucht dringend Impulse für Investitionen in die
       klimaneutrale Modernisierung ihrer Produktion.“ Ohne die Schwäche von Stahl
       und Chemie hätten die deutschen CO₂-Emissionen den Agora-Zahlen zufolge
       sogar das erste Mal seit 2021 wieder zugenommen.
       
       Das liegt auch daran, dass die CO₂-Emissionen im Verkehrs- und
       Gebäudesektor 2025 sogar um 5 Millionen Tonnen gestiegen sind. Im
       Verkehrssektor führt Agora das auf die steigende Zahl von Autos und ein
       höheres Verkehrsaufkommen zurück. Im Gebäudesektor seien die kältere
       Witterung und der dadurch steigende Heizbedarf Schuld.
       
       2025 stieg gleichzeitig der Absatz von Wärmepumpen auf einen Höchststand
       von 300.000 Stück. Erstmals wurden damit mehr Wärmepumpen als Gaskessel
       eingebaut. Im Heizungsbestand macht die klimafreundliche Alternative zwar
       weiterhin nur 5 Prozent aus, sparen allein dadurch aber 3,4 Millionen
       Tonnen CO2 ein. „Das zeigt, wie groß dieser Hebel ist“, sagte Bläsius.
       
       ## Verfehlte Klimaziele können teuer für Deutschland werden
       
       FFF-Sprecherin Reemtsma sieht die [4][Bundesregierung mit Blick auf die
       schlechten Zahlen „in der Pflicht], sich zu besinnen, was Verantwortung
       heißt: die Zukunft der Menschen des Landes zu schützen.“ Wie eine Verkehrs-
       und Heizwende sowie der Ausbau der Erneuerbaren funktionieren, sei bekannt.
       „Das muss die Bundesregierung jetzt in die Praxis umsetzen.“ Reemtmsa
       fordert außerdem einen Ausbaustopp der Gasinfrastruktur. „Mit Blick auf
       Russland und Venezuela sehen wir, dass fossile Energieträger immer
       angreifbar machen.“
       
       Auch der Naturschutzverband WWF fordert mehr Klimaschutz von der
       Bundesregierung. „Maßnahmen für einen zukunftsfähigen Verkehrs- und
       Gebäudesektor müssen ausgeweitet werden, statt eingedampft“, sagte
       WWF-Klimachefin Viviane Raddatz. Die Bundesregierung verharmlose die
       Konsequenzen ihrer fossilen Politik: „Kostensteigerungen, weniger Resilienz
       und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit in Zukunftsbranchen.“
       
       Bläsius setzt Hoffnung in das Klimaschutzprogramm, das die Bundesregierung
       bis Mitte März vorlegen muss. „Es sollte den Rahmen dafür bieten, dass die
       Elektrifizierung schneller vorangeht und alle Sektoren ihren Beitrag zu den
       Klimazielen leisten.“ Gerade in den Sektoren Gebäude und Verkehr müsse die
       Bundesregierung dafür sorgen, „dass nicht nur diejenigen umsteigen, die das
       sowieso tun würden, sondern Förderung vor allem an Menschen mit niedrigem
       Einkommen geht“.
       
       Sinken die Emissionen in diesen Sektoren nicht, könnte das teuer werden.
       Denn Verkehr und Gebäude in Deutschland stoßen 30 Millionen Tonnen CO₂ mehr
       aus als nach EU-Recht erlaubt. Setzt sich dieser Trend fort, müsste die
       Bundesregierung Agora zufolge bis 2030 deswegen von anderen EU-Ländern
       CO₂-Zertifikate [5][in Höhe von bis zu 34 Milliarden Euro kaufen].
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2025/2025-28_DE_JAW25/A-EW_391_Die_Energiewende_in_Deutschland_Stand_der_Dinge_2025_WEB.pdf
 (DIR) [2] /Aus-vom-Verbrenner-Aus/!6136108
 (DIR) [3] /So-viel-Sonnenstrom-wie-nie-zuvor/!6142830
 (DIR) [4] /Expertenbericht-zu-Klimazielen/!6084747
 (DIR) [5] /Druck-hat-gewirkt/!6112092
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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