# taz.de -- Stromausfall im Berliner Südwesten: Ein ziemlich langes Briefing
       
       > Beim Stromnetz ist man zuversichtlich, die Versorgung bis
       > Donnerstagnachmittag hinzubekommen. Die Ermittlungen übernimmt die
       > Bundesanwaltschaft.
       
 (IMG) Bild: Acht Menschen inklusive Regierungschef Kai Wegner (CDU) redeten bei einem „Briefing“ zum Stromausfall – und nicht immer gehaltvoll
       
       Bis zur mutmaßlich wichtigsten Aussage im Pressesaal des Senats ist schon
       fast eine Stunde vergangen, als sich endlich Bernhard Büllmann vor den
       Journalisten äußern kann. „Wir sind sehr gut im Zeitplan und kommen
       hervorragend voran“, sagt der Geschäftsführer von Stromnetz Berlin. Was
       heißen soll: Donnerstagnachmittag könnten wie angekündigt tatsächlich alle
       Haushalte im Berliner Südwesten wieder Strom haben.
       
       Bevor aber Büllmann genau das sagen darf, haben schon sechs andere Menschen
       geredet, und das mal mehr, mal weniger auf den Punkt. Dabei ist dieses
       Treffen in Raum 337 des Roten Rathauses doch ausdrücklich als
       „Pressebriefing“ angekündigt – und „brief“ ist schließlich Englisch für
       „kurz“ oder „kurz dargestellt“
       
       Interessant unter all dem vielen, was die sechs vorigen Redner sagen – vom
       Regierungschef über drei Senatorinnen bis hin zu führenden Köpfen von
       Polizei und Feuerwehr –, ist auch, was nicht zu hören ist. Es gibt keinen
       Fahndungserfolg bei der Suche nach [1][jener Gruppe namens Vulkan], die
       sich in einem Bekennerschreiben zu dem Anschlag vom Samstagmorgen bekannt
       hat. Und erst auf Nachfrage folgt die Information, dass ähnlich
       neuralgische Punkte wie jene attackierte Kabelbrücke am Kraftwerk
       Lichterfelde gerade besonders gesichert werden.
       
       Stattdessen gibt es teils minutiöse Schilderungen von Abläufen und
       Weitergaben von Informationen an zurückliegenden Tagen, von
       funktionierenden Krisenstäben und Strukturen. Und Innensenatorin Iris
       Spranger (SPD) etwa stellt ausführlich heraus, lange mit dem
       Bundesinnenminister gesprochen zu haben. Es geht gerade offenbar auch
       darum, sich bloß keine Versäumnisse vorwerfen lassen zu können.
       
       ## Warten bis Donnerstagnachmittag
       
       Alltagsnäher wirkt da, was von Stromnetzchef Büllmann auch noch zu hören
       ist: Die in jenem Moment noch betroffenen 25.500 Haushalte – Samstag hatten
       abrupt rund 45.000 in Lichterfelde, Zehlendorf, Nikolassee und Wannsee
       keinen Strom mehr – werden demnach zwar ab Donnerstagnachmittag wieder
       Strom haben, aber eben auch nicht vorher. In den vergangenen Tagen war es
       gelungen, immer mehr Haushalte auch ohne neue Hochspannungsleitungen zu
       versorgen, teils sogar tief drin im Blackout-Gebiet. Doch mehr würden die
       dafür genutzten Mittelspannungsleitungen nicht noch mehr hergeben, alle
       anderen müssen demnach noch zwei Tage warten.
       
       Für die Zeit bis dahin gibt es für alle nicht anderweitig Versorgten
       weitere Hilfsangebote: Gratisduschen in drei Schwimmbädern im Südwesten,
       freier Bibliothekseintritt und Essensausgabe durch die Bundeswehr, alles
       einsehbar auf dem landeseigenen Internetportal Berlin.de. Wer nachweisen
       kann, vom Stromausfall betroffen zu sein, soll in 161 ausgesuchten Berliner
       Hotels übernachten und die Rechnung später beim Sozialamt des Bezirks
       Steglitz-Zehlendorf einreichen können. Verkünden kann [2][Regierungschef
       Kai Wegner (CDU)] zudem, dass dank Notstromgeneratoren alle 74 Senioren-
       und Pflegeheime im Blackout-Gebiet wieder Strom hätten.
       
       Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), zu deren Ressort auch die
       Energieversorgung gehört, wird jener sehr kleine Teil des Stromnetzes, der
       wie die attackierte Kabelbrücke oberirdisch ist, schon zu drei Vierteln per
       Video überwacht. Was möglich ist, weil die Kameras auf privatem Boden
       stehen. Künftig soll das auch im öffentlichen Bereich erlaubt sein. Schon
       nach dem Anschlag auf das Stromnetz in Köpenick im September [3][hatte
       Giffey angeregt, darüber nachzudenken]. Nun kündigte sie für den Senat an:
       „Wir werden eine Priorisierung gegenüber dem Datenschutz vornehmen.“
       
       Aber auch bis dahin soll es mehr Vorbeugung geben, damit nicht
       Donnerstagnachmittag der Strom wieder fließt, aber Freitagmorgen der
       nächste Anschlag auf eine andere neuralgische Stelle folgt. Regierungschef
       Wegner spricht von vermehrten Polizeistreifen und sagt zu: „Wir sichern
       zurzeit diese Punkte ab, unabhängig von Videoüberwachung.“
       
       ## Polizei: Acht erfolgversprechende Hinweise
       
       Was umso wichtiger sein könnte, als die Täter noch nicht gefasst sind. Man
       gehe acht Hinweisen aus der Bevölkerung nach, die erfolgversprechend
       erscheinen würden, heißt es vom Polizei-Vizepräsidenten. Die Federführung
       geht laut Innensenatorin an den Generalbundesanwalt. Das soll aber nicht an
       mangelnder Fähigkeit der Berliner Polizei liegen, sondern am
       Terrorismusverdacht. Und da gilt laut Wegner: „Dafür ist die
       Bundesanwaltschaft zuständig.“
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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