# taz.de -- Brandanschlag auf Stromnetz in Berlin: „Vulkangruppe“ veröffentlicht neues Bekennerschreiben
> Nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz war über eine russische
> Sabotage spekuliert worden. Die „Vulkangruppe“ weist das zurück.
(IMG) Bild: Ein Bauzaun schützt momentan die Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde, auf die zuvor ein Brandanschlag verübt wurde
Drei Tage nach einem [1][Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner
Stadtteil Lichterfelde], der für einen großflächigen, andauernden
Stromausfall sorgte, melden sich die mutmaßlichen Verursacher zum zweiten
Mal zu Wort. In einer am Dienstagabend veröffentlichten „Richtigstellung“
weist die „Vulkangruppe“ zurück, dass die Tat eine „False-Flag-Aktion“
eines ausländischen Akteurs gewesen sein könnte – und verteidigt den
Anschlag, trotz der [2][Folgen für zehntausende Haushalte].
Man melde sich erneut zu Wort, da vieles aus der ersten Erklärung „bewusst
missverstanden oder verzerrt wurde“, heißt es in der zweiten Stellungnahme
der „Vulkangruppe“, die auf einer linken Onlineplattform veröffentlicht
wurde. [3][„Kursierenden Unterstellungen“, dass der Anschlag die Tat eines
ausländischen Staates wie Russland war], die dieser nur als linksextrem
kaschierte, weise man klar zurück. „Diese Spekulationen sind nichts weiter
als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren“, heißt es im Schreiben.
„Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen,
passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden.“ Also werde
ein äußerer Feind konstruiert, so heißt es weiter. „Das ist bequem,
entlastet und verschiebt die Debatte.“
Die Autor*innen der „Vulkangruppe“, [4][die sich bereits seit 2011 zu
verschiedenen Brandanschlägen auf Kabelschächte oder Strommaste in und um
Berlin bekannte], betont, ihre Motive seien „weder geheim noch neu“. Sie
gründeten auf der jahrelangen Erfahrung „mit leerem Klimadiskurs,
symbolischer Politik und einer Energieversorgung, die auf Zerstörung
basiert“. Und weiter: „Wer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage
müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der
Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren.“
## „Nicht von moralischer Empörung beeindrucken lassen“
Zudem verteidigen die Autor*innen den Anschlag von Samstagfrüh, der bis
heute zu einem Blackout bei zehntausenden Haushalten im Berliner Süden
führt. Die Aktion habe sich nicht gegen Menschen gerichtet, sondern „gegen
eine Infrastruktur, die tagtäglich Menschen, Umwelt und Zukunft zerstört“,
schreiben sie. Man sehe zwar die Belastung „insbesondere für Alte, Kranke,
Kinder“ durch den Stromausfall. Dies sei aber das Resultat einer
profitorientierten Zentralisierung der kritischen Infrastruktur. „Nicht
diejenigen, die angreifen, haben diese Abhängigkeit geschaffen, sondern
diejenigen, die sie seit Jahrzehnten aufrechterhalten.“
Und die Autor*innen bekräftigen: „Wir werden uns nicht von moralischer
Empörung beeindrucken lassen, die nur dann laut wird, wenn Eigentum
betroffen ist.“ Die „Intervention“ sei ein Bruch mit der klimazerstörenden
Normalität. „Ob sie verstanden wird oder nicht, liegt nicht bei uns.“ Ob
der Text tatsächlich von der „Vulkangruppe“ stammt, lässt sich nicht final
überprüfen.
## Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen
Bereits zuvor hatte am Dienstag die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu
dem Brandanschlag übernommen. Es bestehe gegen die Verantwortlichen der
Verdacht der Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung, der
verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung
öffentlicher Betriebe, teilte ein Sprecher der taz mit. Berlins Regierender
Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD)
hatten die Übernahme zuvor eingefordert und [5][die Tat als
Linksterrorismus eingeordnet].
Die Bundesanwaltschaft hatte bereits bei einem früheren Anschlag der
„Vulkangruppe“, [6][im Frühjahr 2024 auf die Stromzufuhr zum Tesla-Werk im
Brandenburger Grünheide], die Ermittlungen übernommen. Damals war ein
Millionenschaden entstanden. Tatverdächtige aber konnten nicht ermittelt
werden – wie bisher bei keinem der „Vulkangruppen“-Anschläge.
Nach dem aktuellen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke vor dem Gaskraftwerk
Lichterfelde waren zwischenzeitlich rund 50.000 Haushalte ohne Strom.
Schulen und Supermärkte mussten geschlossen bleiben, Krankenhäuser und
Pflegeheime mit Notstromaggregaten versorgt werden. Bis heute sind knapp
22.000 Haushalte weiter ohne Strom. [7][Die Reparaturen sollen bis
Donnerstag andauern].
Schon in einem ersten Bekennerschreiben, [8][das als erstes an vier Medien
ging, darunter die taz], hatte sich die „Vulkangruppe“ zu der Tat bekannt.
Ziel sei das Gaskraftwerk gewesen, um „den Herrschenden den Saft
abzudrehen“ und ein Signal gegen „den Raubbau an der Erde“ zu setzen.
## Spekulation über russische Verantwortliche
Wegen der teils sperrigen Satzkonstruktionen des Bekennerschreibens und
fehlerhafter Namensschreibweisen wie „Vans“ für den US-Vizepräsidenten J.
D. Vance war spekuliert worden, [9][ob das Pamphlet ursprünglich auf
Russisch verfasst und der Anschlag damit eine getarnte russische Sabotage]
und Teil des hybriden Kriegs des Kremls gewesen sein könnte.
Die Berliner Polizei hatte das Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ dagegen
für authentisch erklärt. [10][Der Berliner Verfassungsschutz hatte schon
bei acht früheren Bekennerschreiben der Gruppe Ähnlichkeiten in Aufbau und
Stil gesehen] – und geht deshalb von einem zumindest „(teil-)identischen
Autorenkreis“ der „Vulkangruppe“ aus. Andere Sicherheitsbehörden wollten
die Russlandspur zunächst nicht völlig ausschließen, [11][sahen aber auch
keine konkreten Hinweise dafür].
Um nun die Tatverdächtigen zu finden, wertet die Polizei derzeit Spuren am
Tatort, Zeug*innenaussagen und hunderte Stunden Videomaterial aus,
unter anderem aus U-Bahnen.
7 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
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