# taz.de -- Kai Wegner versagt bei Berlin-Blackout: Ein desolates Bild
       
       > Berlins Regierender Bürgermeister scheitert bei der Bewältigung des
       > Stromausfalls. Statt echter Fehleranalyse fährt er ein billiges
       > Ablenkungsmanöver.
       
 (IMG) Bild: Kai Wegner am Ort des Kabelbrandes in Berlin-Lichterfelde
       
       An Tag vier des großen [1][Stromausfalls] im Berliner Südwesten ist der
       Senat um politische Schadensbegrenzung bemüht: Hotelkosten für Betroffene
       würden jetzt doch übernommen, versprach Berlins Regierender Bürgermeister
       Kai Wegner (CDU) am Dienstag und zählte noch schnell ein paar Teilerfolge
       auf: Pflegeheime und Supermärkte sind wieder am Netz, ebenso knapp die
       Hälfte der vom Blackout betroffenen Haushalte.
       
       Das ändert aber nichts daran, dass Wegner und seine Kolleg*innen im
       Senat [2][in der aktuellen Krise] ein desolates Bild abgeben. Seit Tagen
       harren unzählige Menschen bei eisigen Temperaturen ohne Elektrizität und
       Heizung in ihren Wohnungen aus, ein Ende dieses Zustands ist erst am
       Donnerstag in Sicht. Es ist der größte Blackout in der Geschichte Berlins
       seit Ende des Zweiten Weltkriegs – ein Rekord, den erst vor vier Monaten
       [3][der große Stromausfall in Treptow-Köpenick] aufgestellt hatte.
       
       Und Wegner? Der glänzte zuerst durch Abwesenheit. Als er sich dann am
       Sonntag dazu bequemte, dem betroffenen Gebiet in Steglitz-Zehlendorf eine
       Stippvisite abzustatten, wirkte er überfordert angesichts der Not der
       Menschen. Am nächsten Morgen legte er noch einen [4][schnippischen Auftritt
       im „ZDF-Morgenmagazin“] drauf. Nach dem Schutz kritischer Infrastruktur
       gefragt, fiel ihm nichts weiter ein, als mit einer Gegenfrage zu antworten,
       die all sein Unverständnis für das Problem offenbarte: „Was soll ich tun,
       soll ich an jede Stelle einen Polizeibeamten stellen?“
       
       Unglückliche Szenen für einen Bürgermeister, der in diesem Jahr noch eine
       Wahl gewinnen will. Aber das Versagen reicht noch weiter. Es liegt gar
       nicht unbedingt darin, dass Wegner erst an Tag zwei des Blackouts im
       Krisengebiet unterwegs war. Vom Händedruck des Regierenden ist noch keine
       Wohnung elektrifiziert worden. Es liegt auch nicht darin, dass insgesamt zu
       wenig getan wird: Der Katastrophenschutz war schnell vor Ort, Krankenhäuser
       wurden zügig wieder mit Strom versorgt – und auch [5][die Hilfsbereitschaft
       und Solidarität der Berliner*innen ist groß].
       
       ## Ein billiges Ablenkungsmanöver
       
       Aber im Krisenfall kommt es immer auch auf die Kommunikation an – und die
       Bereitschaft, eigene Versäumnisse zu benennen und zu analysieren, damit es
       beim nächsten Mal besser läuft. Denn hundertprozentige Sicherheit vor
       Sabotage oder Unfällen [6][wird es niemals geben]. Doch die ersten
       Reaktionen von Wegner, aber auch von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und
       Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) waren ein Desaster.
       
       Es mag ja sein, dass [7][eine linksextreme Gruppe hinter dem Anschlag
       steckt]. Aber mit den Begriffen Terrorismus und Linksextremismus um sich zu
       werfen, während Zehntausende Menschen noch frierend in den Wohnungen
       sitzen, ist ein billiges Ablenkungsmanöver von der eigenen Unfähigkeit und
       den eigenen Fehlern. Für die lebensnotwendige Versorgung mit Strom und
       Wärme ist es zunächst zweitrangig, wer sabotiert hat – das Problem ist,
       dass es einen massiven Blackout gibt [8][und Berlin schlecht vorbereitet
       war].
       
       Leicht machte es sich etwa Badenberg, die kurzerhand [9][mehr Repressionen
       gegen „die Antifa“ forderte]. Hilfreicher wäre, sich zu fragen, wie ein so
       großflächiger Stromausfall künftig verhindert werden kann – ob er nun von
       [10][selbsternannten Klimaaktivisten] oder russischen Saboteuren kommt.
       
       Der Schutz kritischer Infrastruktur ist ein drängendes Problem, das
       [11][auch nach der aktuellen Krise bestehen bleiben wird]. Es wäre eine
       gute Gelegenheit für Kai Wegner, sein eigenes Wahlversprechen einzulösen
       und mehr „Sicherheit“ für die Berliner*innen zu schaffen. Die längst
       überfällige Gründung eines Landesamts für Katastrophenschutz wäre da ein
       erster Schritt.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Stromausfall/!t5036494
 (DIR) [2] /Stromausfall-nach-Brandanschlag/!6142845
 (DIR) [3] /Nach-Brandanschlag-auf-Strommasten-/!6109290
 (DIR) [4] https://www.zdfheute.de/video/zdf-morgenmagazin/wegner-gespraech-stromausfall-100.html
 (DIR) [5] /Notunterkunft-nach-Stromausfall/!6142933
 (DIR) [6] /Anschlag-auf-Stromnetz-in-Berlin/!6142832
 (DIR) [7] /Nach-Anschlag-auf-Stromkabel-in-Berlin/!6143002
 (DIR) [8] /Brandanschlag-auf-Stromnetz-in-Berlin/!6142611
 (DIR) [9] https://www.tagesspiegel.de/berlin/linksextremistischen-gruppen-den-nahrboden-entziehen-berlins-justizsenatorin-fordert-nach-anschlag-und-stromausfall-harteres-vorgehen-15102023.html
 (DIR) [10] /Anarchistische-Brandleger/!5996893
 (DIR) [11] /IT-Experte-ueber-bedrohte-Infrastruktur/!6115811
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanno Fleckenstein
       
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