# taz.de -- Tennis-Affäre um Kai Wegner: Abstreiten, angreifen, ablenken
       
       > Der Regierende Bürgermeister droht gegen eine kritische Recherche des
       > „Tagesspiegels“ zu klagen. Ein durchschaubarer Versuch, von Kritik
       > abzulenken.
       
 (IMG) Bild: Hat offenbar ein schwieriges Verhältnis zur Wahrheit: der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU)
       
       Was macht man als Regierender Bürgermeister, der kritische
       Berichterstattung über sich selbst verhindern will, aber eigentlich gar
       keine Handhabe hat? Ganz genau: Man zündet Nebelkerzen und versucht so, die
       Berichterstattung zu diskreditieren. Ganz nach dem Motto des im Englischen
       als die „4 Ds der Verantwortungsvermeidung“ bekannten Prinzips: deny,
       deflect, defend, diffuse. Zu Deutsch: Alles abstreiten, Nebenschauplätze
       aufmachen, sich aggressiv zur Wehr setzen und dann erklären, das Problem
       gebe es gar nicht.
       
       Wie Kai Wegner (CDU) mit der Tennis-Affäre umgeht, folgt exakt diesem
       Muster. Am Dienstag wurde bekannt, dass er die Öffentlichkeit über sein
       Krisenmanagement nach dem verheerenden Stromanschlag im Berliner Südwesten
       Anfang Januar noch stärker getäuscht hatte, als bisher bekannt. Wegners
       Reaktion: [1][die Recherchen in Zweifel ziehen und ankündigen, gegen die
       kritische Berichterstattung klagen zu wollen].
       
       Anfänglich hatte Wegner erklärt, sich „zu Hause eingeschlossen“ zu haben,
       um die Krise zu managen und unterschlug, dass er zwischendurch Tennis
       spielen war. Das rechtfertigte er anschließend damit, dass er nach den
       vielen Telefonaten am Vormittag „mal den Kopf freikriegen“ wollte. Doch
       laut [2][Tagesspiegel] haben diverse dieser Telefonate überhaupt nicht am
       Vormittag stattgefunden, sondern wesentlich später und weniger intensiv als
       dargestellt.
       
       Als Reaktion verschickte die berüchtigte Medienrechtskanzlei Schertz
       Bergmann [3][eine „Presseerklärung für Kai Wegner“], aus der hervorgeht,
       dass der Regierende die Berichterstattung als „haltlos“ betrachtet. Von
       einer „kampagnenartigen Formulierung“ ist die Rede, und davon, dass die
       Kanzlei „presserechtliche Schritte“ prüfen werde.
       
       ## Aus dem populistischen Playbook
       
       Nur: Eine Unterlassungserklärung, die der Medienanwalt Christian Schertz
       ansonsten recht freimütig verschickt, ist beim Tagesspiegel bisher nicht
       eingegangen. Das ist auch kein Wunder, denn die Recherche ist tadellos: Die
       Zeitung hat die Senatskanzlei verklagt, Informationen zu Wegners
       Tagesablauf freizugeben – und diese widersprechen dem, was Wegner bisher
       kundgetan hat. Angreifbar dürfte daran kaum etwas sein.
       
       Die öffentlichkeitswirksame Ankündigung einer Klage – ob sie noch kommt
       oder nicht – dürfte deshalb vor allem einen anderen Zweck erfüllen: Die
       Tatsache, dass Wegner die Öffentlichkeit getäuscht hat, im kollektiven
       Gedächtnis irgendwie als umstritten zu markieren, als ungesicherten
       Vorwurf. Ein Fehlverhalten streitet Wegner weiter ab, insinuiert
       stattdessen eine Medienkampagne und verweist darauf, dass ja wohl jeder das
       Recht auf ein bisschen Sport hätte – ganz entsprechend der vier Ds.
       
       Ganz ähnlich hat sich diese Woche die Innenverwaltung verhalten, als sie
       [4][eine von ihr selbst beauftragte Studie zur Versammlungsfreiheit noch
       vor Erscheinen zu diskreditieren versuchte, weil die Ergebnisse der
       aktuellen Senatspolitik zuwiderlaufen]. Wissenschaft und Medien angreifen,
       weil diese regierungskritisch sind, sind Methoden aus dem populistischen
       Playbook.
       
       18 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kai-Wegner-im-Stromausfall/!6163286
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/weil-ich-einfach-den-kopf-freikriegen-wollte-kai-wegners-zweite-luge-zum-stromausfall-15343645.html
 (DIR) [3] https://x.com/schertzbergmann/status/2033937287629726165/photo/1
 (DIR) [4] /Studie-zu-Demonstrationsrecht-in-Berlin/!6163318
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
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