# taz.de -- Das Medienjahr 2026: Ein Traumszenario
       
       > Eine Wunschliste für das neue Jahr: neue Bezahlmodelle für den
       > öffentlichen Rundfunk und ein neues Steuerrecht für gemeinnützigen
       > Journalismus.
       
 (IMG) Bild: „…auf dem Strahle der elektrischen Kraft“ – das Medienjahr 2026 wird prima!
       
       Das Medienjahr 2026 wird prima. Das beschließen wir jetzt einfach mal so.
       Es macht doch keinen Sinn, immer nur Trübsal zu blasen und das Schlimmste
       zu befürchten.
       
       Also, am Donnerstag startet in der Evangelischen Akademie Loccum eine
       Tagung zur Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und auf
       der wird Martin Detzel, Chef der Kommission zur Ermittlung des
       Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, froh verkünden, dass das Gemaule
       [1][in Sachen Rundfunkbeitrag] ein Ende hat. Weil sich Sender und Länder
       endlich auf ein praktikables Modell geeinigt haben. Der Beitrag orientiert
       sich künftig am taz-Abo, inklusive „Leider-leider“ und „Politischer Preis“.
       Wer es nicht so dicke hat, kriegt ARD, ZDF und Deutschlandradio endlich zum
       ermäßigten Tarif. Und wer mehr hat, gibt mehr, hat aber trotzdem nicht mehr
       zu sagen.
       
       Im März wird ein gewisser Donald J. Trump von ICE-Agenten im Londoner High
       Court verhaftet, weil er sich nach seinem verlorenen [2][Prozess gegen die
       BBC] in der Gerichtskantine angekettet und in die Baked Beans gespuckt hat.
       Derweil übernimmt nach dem „Make America Great Britain Again“-Gesetz von
       1812 König Charles III. vorübergehend die Regierungsgeschäfte in Washington
       und erlässt eine Royal Charter für die American Broadcasting Corporation,
       die künftig PBS und NPR finanziert.
       
       Im April gründet sich die Washington-Post-Genossenschaft, übernimmt [3][das
       Blatt von Amazon-Chef Jeff Bezos] und wird ein nichtgewinnorientiertes,
       gemeinnütziges Unternehmen. Das beeindruckt Bundeskanzler Friedrich Merz
       (CDU) bei seinem zufällig parallel stattfindenden Staatsbesuch derart, dass
       er gemeinnützigen Journalismus ins deutsche Steuerrecht schreiben lässt und
       den Medien so in weiteres Standbein verschafft.
       
       ## Vergesellschaftete Open-Source-Einheiten
       
       Ab Juli überschlagen sich dann die Ereignisse. Beim RBB starten die ersten
       „Claudia-Nothelle-Volontariate“, die die frühere Programmdirektorin des
       Senders aus den ihr zustehenden Ruhegeldern privat finanziert. Beim MDR
       geht unter der neuen Programmdirektion Halle-Leipzig das trimediale
       Medienmagazin mit Jörg Wagner auf Sendung. Gesendet wird aus dem
       gleichnamigen Funkhaus auf dem Strahle der elektrischen Kraft. Und die EU
       erlässt den „Flatten the Platforms“-Act, der bis Jahresende die Abwicklung
       von Google, Meta & Co verfügt. Alle Dienste und Angebote gehen auf
       vergesellschaftete Open-Source-Einheiten über, die vom Chaos Computer Club
       koordiniert werden.
       
       Okay, das sind bislang nur Ideen. Aber ein bisschen was Positives passiert
       ja doch. In den USA hat vor Weihnachten zum Beispiel die
       Spendenbereitschaft für öffentlich-rechtliche Lokalsender noch mal massiv
       zugenommen. Der befürchtete Kahlschlag nach den Trump’schen Kürzungen
       bleibt vorerst aus.
       
       Und in Großbritannien ist am Montag das Verbot von TV-Werbung für
       Dickmacher in Kraft getreten. Weshalb die Lebensmittelindustrie bereits zu
       Weihnachten auf die Bremse trat. Die Supermarktkette Asda wirbt da immer
       mit dem Grinch. Und der hielt sich schon im Xmas-Spot 2025 überwiegend in
       der Obst- und Gemüseabteilung auf.
       
       „Und mein Vorschlag, wenigstens einmal pro Woche nur positive ‚Tagesthemen‘
       & Co zu senden, lässt sich eigentlich auch ganz leicht umsetzen“, sagt die
       Mitbewohnerin.
       
       6 Jan 2026
       
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