# taz.de -- China will Maduro zurück: Pekings Taktik zwischen Öl und Großmachtfantasien
       
       > China und Venezuela sind strategische Partner und haben miteinander
       > Ölgeschäfte betrieben. Was bedeuten die jüngsten Weltgeschehnisse nun für
       > Taiwan?
       
 (IMG) Bild: Fester Zusammenhalt zwischen Maduro (l. auf Plakat) und Xi Jinping? Venezuela ist letztlich aber nicht wichtig genug für China
       
       Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums hat die US-Intervention in
       Venezuela scharf verurteilt. Peking sei „zutiefst schockiert“, hieß es am
       Samstag laut dem Parteiblatt [1][China Daily]. Solche hegemonialen
       Handlungen der USA verletzten das Völkerrecht und die Souveränität
       Venezuelas, erklärte der Sprecher. Dies bedrohe Frieden und Sicherheit in
       Lateinamerika und der Karibik: „China ist strikt dagegen.“ Am Sonntag
       forderte Peking die USA zur Freilassung von Venezuelas bisherigem
       Staatschef Nicolás Maduro und seiner Ehefrau auf.
       
       Nur wenige Stunden vor Maduros Gefangennahme durch US-Spezialtruppen hatte
       ihn der chinesische Lateinamerika-Sondergesandte Qiu Xiaoqi noch mit einer
       Delegation in dessen Präsidentenpalast in Caracas getroffen. Peking hatte
       Sorgen, die USA könnten auch chinesische Öltanker beschlagnahmen.
       
       Schon im November hatte China die US-Regierung bezüglich Venezuela vor
       einer Verletzung der Sicherheit und Souveränität anderer Länder gewarnt.
       Laut [2][Washington Post] sollen Maduro und sein letzter internationaler
       Gast Qiu auch besprochen haben, wie Peking das Regime unterstützen könne
       und wie rund 600 bilaterale Verträge vor den USA zu schützen seien.
       
       China ist Venezuelas wichtigster internationaler Partner, umgekehrt ist
       Venezuela für Peking ein Brückenkopf in Lateinamerika. Dort hat China in
       den letzten Jahren wirtschaftlich und politisch stark an Einfluss gewonnen,
       während Washingtons Gewicht rückläufig war. Bereits 2014 vereinbarten China
       und Venezuela eine „umfassende strategische Partnerschaft“. Als Chinas
       Machthaber Xi Jinping Maduro im Mai bei Moskaus Weltkriegsfeierlichkeiten
       traf, sprach er von einer „eisernen Freundschaft“.
       
       ## Einig in der Ablehnung der US-Hegemonie
       
       Xi und Maduro teilen nicht nur eine ähnliche Weltsicht samt Abneigung gegen
       US-Hegemoniestreben. Ihre Volkswirtschaften sind auch durch Öl- und andere
       Handelsinteressen verbunden. Letztere umfassen etwa chinesische
       Technologieproduktie etwa von Huawai, aber auch Waffen.
       
       China kaufte zuletzt etwa 80 Prozent der venezolanischen Ölexporte. Zwar
       machen die nur etwa vier Prozent der gesamten chinesischen Ölimporte aus,
       doch vergrößern sie Chinas Unabhängigkeit von anderen Ölquellen. Die
       chinesischen Kredite werden mit künftigen Öllieferungen abgesichert. Das
       wirtschaftlich angeschlagene Venezuela steht derzeit etwa mit 60 Milliarden
       Dollar bei China in der Kreide und hat als Schuldner einen miesen Ruf.
       
       Künftig könnten die Handelsbeziehungen zwischen China und Venezuela stark
       von Washingtons Gnaden abhängen. Sollte die von Donald Trump verkündete
       Übernahme der venezolanischen Ölindustrie durch US-Konzerne zum
       versprochenen Boom in Venezuela führen, könnten ironischerweise davon auch
       Chinas Banken und die Exportwirtschaft profitieren – zumindest theoretisch.
       
       Laut Trump soll China weiter Öl aus Venezuela bekommen können – über
       US-Konzerne: „Was andere Länder betrifft, die Öl haben wollen, wir sind im
       Ölgeschäft und wir werden es ihnen verkaufen. Wir sagen nicht, dass wir es
       ihnen nicht verkaufen,“ hatte Trump bei seiner Pressekonferenz nach Maduros
       Gefangennahme erklärt.
       
       Andererseits begründete er die US-Intervention aber auch damit, dass Maduro
       auswärtigen Feinden der USA zu Einfluss in der Region verholfen hätte.
       China nannte er dabei aber so wenig beim Namen wie bei der Frage künftiger
       Ölgeschäfte.
       
       ## Peking will wegen Venezuela keinen Krieg mit den USA
       
       So sehr Trumps Machtdemonstration im Umgang mit Venezuela China empört, so
       wenig ist Peking jenseits diplomatischer Schützenhilfe bisher auch nur
       ansatzweise bereit oder in der Lage, Venezuela vor Ort in irgendeiner Form
       militärisch beizustehen. Dafür ist Caracas für Peking nicht wichtig genug.
       
       Umgekehrt ist es zu früh, aus Trumps völkerrechtswidrigem Einsatz
       militärischer Mittel abzulesen, dass dieser China ermuntern könnte,
       gegenüber Taiwan ähnliche Schritte zu unternehmen. Das mag passieren, doch
       gehen etwa von der [3][taiwanischen Nachrichtenagentur CNA] befragte
       China-Experten davon aus, dass Pekings Taiwan-Strategie langfristig ist und
       sich nicht kurzfristig an Trump orientiert. Mit anderen Worten: Taiwan ist
       auch ohne Trumps Kanonenbootpolitik nicht vor China sicher.
       
       5 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.chinadaily.com.cn/a/202601/03/WS69592c55a310d6866eb31b1b.html?fbclid=IwY2xjawPGRFNleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeIqtmxEUflL1N1jv1EO6auGUXR-hna_n_crupGUOiAJrBDi22U6RZ7aAVWrk_aem_3KTBLYk3PZbQYoQLuuFc9w
 (DIR) [2] https://www.washingtonpost.com/national-security/2026/01/03/venezuela-maduro-china-beijing-oil/
 (DIR) [3] https://focustaiwan.tw/politics/202601040007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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