# taz.de -- Adis Ahmetović zu US-Angriff: „Venezuela zu bombardieren, war, ist und bleibt illegal“
       
       > Die USA hätten wegen Öl und aus innenpolitischen Gründen Venezuela
       > angegriffen, sagt SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović – und widerspricht
       > Bundeskanzler Merz.
       
 (IMG) Bild: Adis Ahmetovic (SPD) bei einer Rede im Bundestag
       
       taz: Herr Ahmetovic, Bundeskanzler Merz findet die rechtliche Einordnung
       des [1][US-Angriffs auf Venezuela] „komplex“. Sehen Sie das auch so? 
       
       Adis Ahmetović: Die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, Venezuela
       zu bombardieren, war, ist und bleibt illegal. Dieser Angriff ist nicht
       abgedeckt durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats oder Beschluss des
       US-Kongresses. Es war die Entscheidung einiger weniger – aber mit
       hochgefährlichen Folgen für die internationale Ordnung.
       
       taz: Nicolás Maduro war ein brutaler Diktator, der sein Land wirtschaftlich
       vor die Wand gefahren hat. Ist es nicht gut, dass er bald vor Gericht
       steht?
       
       Ahmetović: Maduro ist ein nichtdemokratisch legitimierter Präsident. Er hat
       ein autoritäres Regime angeführt, das für millionenfache Vertreibung
       verantwortlich ist. Deshalb ordnete der Internationale Strafgerichtshof die
       Wiederaufnahme der Ermittlungen zu mutmaßlichen Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit in Venezuela an. Als SPD unterstützen wir die internationale
       Strafbarkeit und die venezolanische Freiheitsbewegung, aber keinen
       Regime-Change durch militärische Gewalt und Bruch von Völkerrecht.
       
       taz: Auch nicht, wenn sich Venezuela nun zu einer Demokratie entwickeln
       sollte? 
       
       Ahmetović: Der Angriff der US-Regierung auf Caracas ist nicht aus dem
       intrinsischen Wunsch entstanden, den Menschen in Venezuela die Freiheit zu
       bringen, sondern hat drei andere Dimensionen: [2][Kontrolle über die
       größten Ölreserven der Welt]; international deutlich zu machen, dass der
       südamerikanische Kontinent US-Einflusssphäre ist; und drittens, mit Blick
       auf die Midterm-Wahlen in diesem November, ein innenpolitisches Signal an
       Teile der lateinamerikanischen Wählerschaft zu senden.
       
       taz: Europa ist bei der Abschreckung Russlands und in der Ukraine-Frage auf
       die USA angewiesen. Ist es da nicht verständlich, dass [3][sich Merz so
       diplomatisch äußert]? 
       
       Ahmetović: Es gibt feine Unterschiede in den Rollen zwischen einem
       CDU-Bundeskanzler und dem außenpolitischen Sprecher der SPD. Was uns aber
       eint: Die Einhaltung von Recht und Regeln muss Fundament deutscher und
       europäischer Außen- und Sicherheitspolitik bleiben. Und trotzdem sind die
       USA auch weiterhin Partner – so zum Beispiel in der Frage, wie es zum Ende
       des russischen Angriffskriegs in der Ukraine kommen kann. Ohne die USA wird
       es Stand jetzt nicht gehen, Putins Russland zu ernsthaften Verhandlungen
       zum Ende des Krieges zu bewegen.
       
       taz: Viele Beobachter befürchten , die US-Intervention in Venezuela könnte
       China zu einer Invasion Taiwans ermutigen. Dabei hat China den Angriff auf
       Venezuela verurteilt. Wie passt das zusammen? 
       
       Ahmetović: Der Angriff der USA auf Venezuela ist nicht durch US-Recht und
       internationales Recht gedeckt. Solch ein Agieren wird Nachahmungen
       provozieren. Dabei denke ich an die Situation in Taiwan, dabei verfolgen
       wir die Entwicklungen in der Ukraine. Es gibt viele fragile Regionen und
       instabile Regierungen auf dieser Welt. Wenn überall nach diesem Schema
       gehandelt werden sollte, leben wir bald in einer Welt mit noch weniger
       Stabilität und mehr Chaos.
       
       taz: Wenn sich Großmächte nicht an das Völkerrecht halten, welche
       Konsequenzen müssen Deutschland und Europa daraus ziehen – mehr eigene
       militärische Stärke?
       
       Ahmetović: Auf uns Europäer kommt ein Schicksalsjahr zu. Es braucht
       tiefgreifende Reformen, um mehr Souveränität und Stärke zu erlangen. Wir
       müssen sicherheitspolitisch eigenständiger werden, den EU-Binnenmarkt
       wieder aufbauen, digitale Souveränität von den USA und China erlangen sowie
       weiter an Bündnissen mit dem Globalen Süden arbeiten. Ein großer
       politischer Erfolg wäre der Abschluss des
       [4][Mercosur-Freihandelsabkommens] mit Staaten Südamerikas noch in diesem
       Monat. Nach 25 Jahren Verhandlungen braucht es in der angespannten Phase
       jetzt dieses klare Zeichen von Multilateralismus. Ich glaube an die Stärke
       Europas mit seinen fast 750 Millionen Einwohnern. Wir können, wenn wir
       wollen.
       
       4 Jan 2026
       
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