# taz.de -- Angriff der USA auf Venezuela: „Es geht doch ums Öl“
> Nach der US-Militäroperation in Venezuelas Hauptstadt Caracas wurde
> Präsident Maduro nach New York City gebracht. Ein US-Diplomat über Trumps
> wahre Ziele.
(IMG) Bild: Laut ihnen geht es nur um Drogenhandel: US-Präsident Trump Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Direktor John Ratcliffe
Die US-Militäroperation in Venezuela, die zur Festnahme des venezolanischen
Präsidenten Nicolás Maduro führte, hat gezeigt, dass US-Präsident Donald
Trump seinen Worten Taten folgen lässt. Auch wenn das Ende des
Maduro-Regimes von den meisten Politiker:innen und Expert:innen in
den USA begrüßt wird, kritisieren viele die Vorgehensweise der
Trump-Regierung. Vor allem die Tatsache, dass die US-Regierung auf
unbestimmte Zeit die Kontrolle in Venezuela übernehmen will, stößt auf
Widerstand.
Der Angriff [1][auf die Hauptstadt Caracas] in den frühen Morgenstunden des
3. Januar bestätigte zudem, dass der Kampf gegen illegalen Drogenschmuggel
nicht das wahre Ziel der USA im schwelenden Konflikt war. Es ging um
[2][Regimewechsel] und Kontrolle. Und, wie ein hochrangiger ehemaliger
US-Diplomat erklärte, um Ressourcen.
„Das Einzige, was deutlich wurde, ist, dass es um Öl geht. […] Es geht
nicht um die Drogenboote, es geht nicht um den Sturz von Maduro, es geht
nicht um die Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela. Es geht um das
Öl. Und im Grunde hat Trump genau das gesagt“, so der US-Diplomat, der mehr
als 40 Jahre für die US-Regierung tätig war, im Gespräch mit der taz.
US-Präsident Trump, der am Samstagmorgen die amerikanische Bevölkerung über
die Militäroperation in Venezuela informierte, beschrieb den Angriff als
einen, „wie ihn die Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt
haben“.
## USA wollen Kontrolle übernehmen
Es sei „eine der beeindruckendsten, effektivsten und wirkungsvollsten
Demonstrationen amerikanischer militärischer Kompetenz in der Geschichte“
gewesen, führte der 79-Jährige weiter aus.
Laut Trump wird die US-Regierung die Kontrolle in Venezuela vorerst
übernehmen. Wie dies genau aussehen soll, ist noch unklar. Auch weitere
Militäroperationen schloss er nicht aus. „Wir sind bereit, einen zweiten
und viel größeren Angriff durchzuführen, falls dies notwendig sein sollte“,
sagte Trump.
Auch sollen US-Ölkonzerne in Venezuelas Energiesektor investieren, um
diesen wieder aufzubauen. „Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne –
die größten der Welt – dorthin schicken, damit sie Milliarden von Dollar
investieren und die stark beschädigte Infrastruktur, die Ölinfrastruktur,
wieder instand setzen“, sagte der Republikaner.
Mit den möglichen Einnahmen aus dem Ölsektor sollen laut Trump sowohl die
Bevölkerung Venezuelas als auch amerikanische Ölkonzerne entschädigt
werden. Venezuelas Regierung verstaatlichte die Ölindustrie in den 1970s.
Unter Ex-Präsident Hugo Chávez wurde vor knapp 20 Jahren die
Verstaatlichung ausgeweitet und auch das Eigentum von ausländischen
Ölkonzernen beschlagnahmt.
## Abfuhr für Machado
Der US-Diplomat, der während seiner aktiven Zeit im Außenministerium sowohl
in Venezuela als auch in Kolumbien stationiert war, kritisierte die Abfuhr,
die Trump der venezolanischen Oppositionsführerin María Corina Machado
erteilte. Der US-Diplomat bezeichnete Trumps Aussagen, Machado genieße
keinen Respekt im Land, als „mehr als umstritten“. Damit stelle er die
amerikanische Außenpolitik der letzten 20 Jahre „komplett auf den Kopf“.
Machado, die im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhielt,
veröffentlichte ein Schreiben nach Maduros Verhaftung, in dem sie erklärte,
dass die Zeit der Freiheit gekommen sei.
Die US-Regierung setzt aktuell aber auf die Kooperation von Venezuelas
Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die laut Trump nach Maduros Festnahme als
neue Präsidentin des Landes vereidigt wurde. „Sie ist dazu bereit, alles zu
tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder großartig zu
machen“, sagte der US-Präsident.
Rodríguez widersprach dieser Darstellung nur wenige Stunden später, als sie
in einer Fernsehansprache die Festnahme Maduros als Entführung bezeichnete,
dessen Freilassung forderte und erklärte, Venezuela werde niemals eine
Kolonie sein.
## Prozess gegen Maduro in New York
Ex-Präsident Maduro ist derweil in den USA angekommen. Dort soll ihm und
seiner Frau Celia Flores wegen Drogenterrorismus in New York der Prozess
gemacht werden. US-Justizministerin Pam Bondi veröffentlichte die Anklage
gegen Maduro und Flores am Samstagmorgen.
Die ursprüngliche Anklage aus dem Jahr 2020 gegen Maduro wurde dabei
aktualisiert. Sie wirft dem Ex-Präsidenten Verbindungen zu sechs
Verbrecherbanden und Drogenkartellen vor. Die Anklageschrift enthält
allerdings nur wenige Details über die Verbindungen, die Maduro zu vielen
dieser Gruppen gehabt haben soll.
Maduro und seine Frau werden außerdem beschuldigt, zwischen 2006 und 2015
Kokain produziert und gedealt zu haben und auch Entführungen und Morde
angeordnet zu haben. In der Anklageschrift heißt es, dass jährlich zwischen
200 und 250 Tonnen Kokain über Venezuela geschmuggelt würden.
## Demokraten schlagen Alarm
Unter US-Politikern hat die Militäroperation für große Empörung gesorgt.
Vor allem Demokraten haben Bedenken über die rechtliche Grundlage
vermeldet. Auch die schlechten Erfahrungen mit Regimewechsel-Kriegen in der
US-Geschichte sorgt für Kritik.
Senator Mark Warner, der Top-Demokrat im Geheimdienstausschuss, erklärte,
dass die Vorgehensweise der Trump-Regierung in Venezuela eine mögliche
Einladung für China oder Russlands Wladimir Putin sein könnte, dasselbe zu
tun.
„Wenn die Vereinigten Staaten das Recht beanspruchen, militärische Gewalt
anzuwenden, um ausländische Staatschefs, denen sie kriminelles Verhalten
vorwerfen, gefangen zu nehmen, was hindert China dann daran, dieselbe
Befugnis gegenüber der Führung Taiwans geltend zu machen? Was hindert
Wladimir Putin daran, eine ähnliche Begründung für die Entführung des
ukrainischen Präsidenten anzuführen? Sobald diese Grenze überschritten ist,
brechen die Regeln zusammen, die das globale Chaos eindämmen, und
autoritäre Regime werden dies als Erste ausnutzen“, mahnte Warner in einer
Stellungnahme.
Auch die frühere MAGA-Republikanerin Marjorie Taylor Greene, die am Montag
von ihrem Abgeordnetenamt zurücktreten wird, zeigte sich wenig begeistert.
Sie bemängelte, dass der Militärschlag gegen Trumps „America
First“-Philosophie verstoße.
„Regimewechsel, die Finanzierung ausländischer Kriege und die Tatsache,
dass die Steuergelder der Amerikaner ständig für ausländische Zwecke […]
verwendet werden, während die Amerikaner ständig mit steigenden
Lebenshaltungskosten, Wohnkosten und Gesundheitskosten konfrontiert sind
[…]. Das ist es, was viele MAGA-Anhänger mit ihrer Wahl beenden wollten.
Wie sehr wir uns doch geirrt haben“, [3][schrieb Greene auf X].
Auch international ist der Rückhalt für Trumps Vorgehen eher gering. Die EU
rief zur „Zurückhaltung“ auf, weil Russland und China es als einen Verstoß
gegen internationales Recht und als einen unbegründeten Akt bewaffneter
Aggression verurteilten. Der UN-Sicherheitsrat hat für Montag eine
Sondersitzung einberufen.
Die Politik der Trump-Regierung, in [4][Anlehnung an die Monroe-Doktrin],
die westliche Hemisphäre als den Einflussbereich der USA zu beanspruchen
und dies auch militärisch durchzusetzen, könnte weitreichende Auswirkungen
haben, sagte der US-Diplomat gegenüber der taz.
„Es ist eine Art der Entglobalisierung, die die USA mit dieser Außenpolitik
betreiben. Wenn ich ein Europäer wäre, […] würde ich mich fragen: Macht es
überhaupt Sinn, sich in dieser Angelegenheit prinzipientreu zu äußern, oder
könnte sich dies negativ auf Dinge in meiner unmittelbaren Nachbarschaft
auswirken, die viel wichtiger sind?“, so der Diplomat und spielte dabei auf
den anhaltenden Krieg in der Ukraine an.
4 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gefangennahme-des-Praesidenten-Venezuelas/!6142587
(DIR) [2] /Angriff-der-USA-auf-Venezuela/!6142577
(DIR) [3] https://x.com/RepMTG/status/2007485346913607836
(DIR) [4] /US-Angriff-auf-Venezuela/!6142574
## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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