# taz.de -- Säuberungswelle in China: Xi Jinping räumt sein Militär um
       
       > In den letzten Jahren hat Chinas Parteiführung Dutzende Offizielle aus
       > dem Verteidigungsapparat entfernt. Nun hat es den ranghöchsten General
       > getroffen.
       
 (IMG) Bild: Gegen Zhang Youxia, den letzten General mit Kriegserfahrung, wird wegen „schwerer Verstöße gegen Parteidisziplin und Gesetze ermittelt“
       
       Ein Sprecher des Pekinger Verteidigungsministeriums hat am Samstag
       bestätigt, worüber die meisten China-Experten bereits spekuliert haben:
       Gegen Zhang Youxia, dem ranghöchsten General des Landes, wird wegen
       „schwerer Verstöße gegen Parteidisziplin und Gesetze ermittelt“. Auch Liu
       Zhenli hat es getroffen, ebenfalls Mitglied der Militärkommission der
       Kommunistischen Partei.
       
       Was auf Außenstehende wie eine Randnotiz wirken könnte, ist tatsächlich
       eine Säuberungswelle beispiellosen Ausmaßes. In den letzten Jahren hat
       Präsident Xi Jinping Hunderte Offiziere entlassen, zwei
       Verteidigungsminister entfernt und etliche Vorstände von
       Rüstungsunternehmen geschasst. Oftmals ging es dabei um handfeste
       Korruptionsskandale, denen unter anderem auch die Führungsriege der
       berüchtigten Raketenstreitkräfte zum Opfer fiel.
       
       Und nun ist offenbar auch die Machtzentrale der Volksbefreiungsarmee
       praktisch eingestampft: Von der einst siebenköpfigen Militärkommission sind
       nur mehr zwei übrig – einer davon ist [1][Xi Jinping] selbst.
       
       Was das zu bedeuten hat, darüber herrscht eine rege Debatte. „Solange die
       Kommandostruktur an zentralen Punkten derart beeinträchtigt ist, bezweifle
       ich stark, dass die Volksbefreiungsarmee sehr ambitionierte Operationen
       wirksam durchführen kann“, kommentiert etwa der unabhängige Militärexperte
       Alex Luck – offenbar in Anspielung an eine mögliche Invasion Taiwans.
       
       ## Gute Nachricht für Taiwan
       
       Auch Velina Tchakarova, Gründerin der geopolitischen Beratungsfirma FACE
       mit Sitz in Wien, meint: „Das ist ein Säuberungsprozess von geradezu
       atemberaubendem Ausmaß – und sehr gute Nachrichten für Taiwan, [2][Japan]
       [3][und die USA]“. Die Logik dahinter ist klar: Wenn Xi Jinping sein
       Militär offensichtlich nicht im Griff hat, dann sollten sich Taiwan und die
       Anrainerstaaten Chinas nicht sonderlich sorgen müssen.
       
       Dafür spricht auch, dass mit Zhang Youxia der letzte chinesische General
       mit tatsächlicher Kriegserfahrung geschasst wurde. Ende der 1970er Jahre
       kam es zu einem kurzen, aber blutigen Grenzkrieg zwischen der Volksrepublik
       China und Vietnam. Die jüngere Generation im chinesischen Militär mag zwar
       rhetorisch gegen den imperialistischen Erzfeind USA hetzen, doch haben sie
       noch keinen einzigen Kampfeinsatz in der Praxis erlebt.
       
       Doch es lohnt ein genauerer Blick auf die Gründe hinter der Untersuchung
       gegen Zhang, der übrigens zu den engen Weggefährten Xi Jinpings zählt. Auch
       wenn die ursprüngliche Ankündigung des Verteidigungsministeriums vom
       Samstag vage blieb, hat ein Artikel in der offiziellen Tageszeitung der
       Volksbefreiungsarmee für mehr Klarheit gesorgt. Darin hieß es im sperrigen
       Bürokratenduktus der KP, Zhang habe „das System der Verantwortlichkeit des
       Vorsitzenden massiv verletzt und ausgehöhlt“. Damit wird klar: Es ist
       keineswegs nur ein Korruptionsfall.
       
       Das Wall Street Journal hatte unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet,
       dass Zhang Youxia unter anderem beschuldigt wird, Geheimnisse über das
       chinesische Nuklearprogramm an die USA weitergegeben zu haben. Einige
       Experten halten die Behauptung jedoch für wenig glaubwürdig.
       
       Laut Lyle Morris vom Asia Society Policy Institute, einem der führenden
       Experten zum chinesischen Militär, deutet vieles darauf hin, dass Zhang
       wohl zu viel Macht angehäuft hat – ein Verstoß, den der Kontrollfreak Xi
       Jinping keineswegs duldet.
       
       Dementsprechend sind ebenfalls Zweifel angebracht, ob die anhaltende
       massive Säuberungswelle tatsächlich eine gute Nachricht für Taiwan ist.
       Denn offensichtlich geht es Xi darum, die Entscheidungsprozesse im Militär
       stärker zu bündeln, um absolute Kontrolle auszuüben. Von außen betrachtet
       wirkt dies also durchaus so, als ob jemand unter hohem Zeitdruck versucht,
       die Volksbefreiungsarmee von Grund auf umzugestalten, um seinen Lebenstraum
       eines „vereinten Mutterlandes“ in die Tat umzusetzen. Da Xi bereits 72
       Jahre alt ist, bleibt ihm dafür auch nicht mehr allzu viel Zeit.
       
       26 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Militaerparade-in-China/!6107960
 (DIR) [2] /Neuer-Streit-zwischen-China-und-Japan/!6129477
 (DIR) [3] /Alte-und-neue-Weltordnung/!6144322
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) China
 (DIR) Militär
 (DIR) Xi Jinping
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) China
 (DIR) China
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Chinesisch-russische Beziehungen: Warme Töne mit kaltem Kalkül
       
       Peking hält Putins Kriegsindustrie am Laufen, beliefert aber auch die
       Ukraine mit Drohnen. Dahinter stehen nicht nur kommerzielle Interessen.
       
 (DIR) China als neue Weltmacht: Auch Peking will Grönland
       
       Ob Xi Jinping die Weltmacht USA ersetzen will, ist umstritten. Doch will
       Chinas Staatschef die internationale Ordnung nach seinem Gusto umgestalten.
       
 (DIR) China will Maduro zurück: Pekings Taktik zwischen Öl und Großmachtfantasien
       
       China und Venezuela sind strategische Partner und haben miteinander
       Ölgeschäfte betrieben. Was bedeuten die jüngsten Weltgeschehnisse nun für
       Taiwan?
       
 (DIR) Wadephuls Reise nach Peking: Vorteil für China
       
       Westliche Politiker können sich in China die Klinke in die Hand geben – es
       nützt nichts. China baut auf Machtpolitik und weiß um seine Stärke.