# taz.de -- Afghanische Vertretung in Deutschland: Priorität Abschiebeabkommen
       
       > Die afghanische Botschaft wird de facto inzwischen wohl von einem
       > Taliban-Vertreter geführt. Die Bundesregierung will davon nichts
       > mitbekommen haben.
       
 (IMG) Bild: Abschiebungen um jeden Preis: Die Bundesregierung lässt dafür auch Taliban ins Land
       
       Die Bundesregierung gibt sich weiter schmallippig über eine schleichende
       Übernahme afghanischer Vertretungen in Deutschland durch das
       Taliban-Regime. Das betrifft jetzt auch parlamentarische Anfragen. Auf eine
       solche von Cansu Özdemir, außenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke
       im Bundestag, die der taz exklusiv vorliegt, hieß es nur: „Dem Auswärtigen
       Amt wurde keine personelle Änderung der Leitung der afghanischen Botschaft
       Berlin notifiziert.“ Die Vertretung werde weiterhin „von einer Person
       geleitet“, die vor der Taliban-Machtübernahme im August 2021 „entsandt und
       in Deutschland akkreditiert wurde.“
       
       Das ist aber durchaus fraglich. Die ARD-Tagesschau hatte Ende März
       berichtet, dass in der Botschaft inzwischen zumindest intern ein von den
       Taliban entsandter Diplomat als Geschäftsträger – amtierender Leiter der
       Vertretung unter dem Rang eines Botschafters – fungiere. Bei ihm soll es
       sich um einen von zwei Taliban-Konsularbeamten handeln, die die
       Bundesregierung [1][vorigen Juli einreisen ließ.]
       
       Darüber lägen Dokumente vor, etwa ein Schreiben des
       Taliban-Außenministeriums an die Botschaft vom Dezember, demzufolge der
       alte Geschäftsträger, der noch von der Vorgängerregierung benannt worden
       war, zum 21. März 2026 abgelöst sei, dies aber „bis dahin dem Gastland
       nicht zu übermitteln“ sei. Laut Bundesregierung sei eine solche Mitteilung
       auch danach nicht eingetroffen.
       
       Die exilafghanische Nachrichtenplattform Afghanistan International hatte
       gleichlautende Dokumente sogar ins Netz gestellt. Deren Authentizität lässt
       sich aber nicht überprüfen.
       
       ## Was bekommen die Taliban für die Abschiebungen?
       
       Zwar kündigte die Bundesregierung an, man werde die Berichte zum Anlass
       nehmen, mit den Taliban-Behörden „zu kommunizieren“. Ob das geschehen ist
       sowie zur tatsächlichen Lage an der Botschaft äußerte sie sich gegenüber
       Özdemir aber nicht. Die Abgeordnete kritisiert deshalb, dass die
       Bundesregierung offenbar „die Hinweise weder geprüft noch Konsequenzen
       gezogen“ habe. „Während Frauen und Mädchen in Afghanistan systematisch
       entrechtet werden“, rolle sie „den Taliban den roten Teppich aus“.
       
       Dass Berlin einseitige Schritte der Taliban durchaus unterbinden kann,
       zeigte ein Vorfall Ende März. Damals fand sich unter der Internet-Adresse
       der alten afghanischen Botschaft plötzlich die Webseite einer „Botschaft
       des Islamischen Emirats Afghanistan in Berlin“. Darauf wehten virtuell die
       Flaggen der Bundesrepublik und des von ihr nicht anerkannten
       Taliban-Emirats einträchtig nebeneinander. Einen Tag später war die
       Webseite wieder auf dem alten Stand. Offenbar hatte die Bundesregierung bei
       den Taliban interveniert, zu denen sie „technische“ Kontakte hält über
       einen eigenen Geschäftsträger mit Sitz in Katar. Offiziell erklärt hat die
       Bundesregierung sich zu diesem Vorgang bisher nicht.
       
       Als Hintergrund für das Schweigen der Bundesregierung ist unschwer die
       Priorität deutscher Afghanistan-Politik zu erkennen: regelmäßige
       [2][Abschiebungen in das Land] durchzuführen. Dafür benötigt man eine
       Vereinbarung mit dem Regime in Kabul und funktionierende Konsulate, deren
       Papiere von der Empfängerregierung anerkannt werden. Eine solche
       Vereinbarung kam im Februar zustande und führte zur ersten direkten
       Sammelabschiebung nach Afghanistan [3][mit 20 Menschen an Bord.]
       
       Unterdessen geht die schleichende Übernahme der Botschaft weiter. Nach
       taz-Informationen beriefen die Taliban kürzlich einen der zwei letzten
       verbliebenen Diplomaten ab, die noch von der Vorgängerregierung berufen
       worden waren. Bleibt als einziger Rest des ursprünglichen Personals nur
       noch der wohl entmachtete Nicht-mehr-oder-doch-noch-Geschäftsträger. Offen
       ist auch, was die Taliban sich von dem Abschiebeabkommen erhoffen, wenn sie
       die Botschaft nicht offiziell für sich reklamieren dürfen. Die
       Bundesregierung bestreitet, dass es andere Gegenleistungen gab.
       
       6 Apr 2026
       
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