# taz.de -- SPD-Idee einer Erbschaftssteuerreform: Wider den Triumph der Ungerechtigkeit
> Die SPD hat Ideen für eine Erbschaftssteuerreform. Privatpersonen und
> kleine Firmen sollen entlastet, große dafür belastet werden.
(IMG) Bild: Die SPD muss die Partei der sozialen Gerechtigkeit bleiben – oder sie kann einpacken: Wahlplakat zur Bundestagswahl 1987
Da scheint die SPD mal was richtig gemacht zu haben. Sie hat einen
[1][Vorschlag zur Reform der Erbschaftsteuer] auf den Tisch gelegt, der das
Erben einfacher und gerechter machen soll. Kleine Erben sollen entlastet,
große Erben belastet werden. Wobei klein eher so mittel bedeutet, denn
zukünftig sollen privat bis zu 900.000 Euro steuerfrei bleiben – mehr als
doppelt so viel wie derzeit. 100.000 Euro aus nichtfamiliären Quellen
kommen noch hinzu. Und wenn man im geerbten Haus wohnt, muss man dafür
ebenfalls keinen Cent Steuern berappen.
Mit den üppigen Freibeträgen wollen die Sozialdemokraten der Mehrheit der
Betroffenen die Angst nehmen und die erwartbaren [2][Empörungswellen
niedrig halten. Das ist klug.] Steuern sind ja erst mal unbeliebt, weil der
Staat immer in Verdacht steht, einem bei jeder Gelegenheit was vom sauer
verdienten, erwirtschafteten oder geerbten Geld wegnehmen zu wollen.
Aber Moment. Sauer geerbt? Da fängt es schon an. Erben heißt, etwas
geschenkt zu bekommen, ohne dass man dafür einen Finger krumm machen
musste: unverdientes Vermögen also. Beim Erben ist das Leistungsprinzip,
das die Unionsparteien wie die Wirtschaft so gern vor sich hertragen,
suspendiert. Auch das liberale Versprechen, durch Talent, Bildung, Fleiß
aufsteigen zu können, wird so untergraben.
In Deutschland leben mehr Superreiche als in jedem anderen europäischen
Land. Die Zahl der Milliardäre stieg 2025 um ein Drittel auf 156 – weltweit
haben nur die USA, China und Indien mehr Superreiche. Sie konnten ihr
Vermögen im Vergleich zum Vorjahr um fast 150 Milliarden Dollar steigern,
nicht wenige durch Erbschaften. Wenn das [3][reichste eine Prozent] mehr
als ein Drittel des Nettovermögens besitzt, die untere Hälfte der
Bevölkerung dagegen fast nichts, ist das der Demokratie nicht zuträglich.
Die wachsende Ungleichheit füttert eines der größten Übel unserer Zeit: den
Aufstieg der extremen Rechten.
Die SPD muss die Partei der sozialen Gerechtigkeit bleiben – oder sie kann
einpacken. Die Sozialdemokraten tun gut daran, Gerechtigkeitsfragen wieder
zu ihrem Glutkern zu machen. Aus ihm ist Energie zu ziehen, die gebraucht
wird, denn Gerechtigkeitsfragen durchdringen die ganze Gesellschaft – ob
bei Anpassungen an die Klimakrise, beim Wohnen, bei Energiefragen oder
Zumutungen durch militärische Konflikte.
Deshalb ist auch der 5-Millionen-Freibetrag für Unternehmen ein
vernünftiger Ansatz, wenn zugleich milliardenschwere Firmenübertragungen
sich nicht mehr mithilfe von „Verschonungsbedarfprüfungen“ kleinrechnen
lassen dürfen. Der „Triumph der Ungerechtigkeit“, den die französischen
Ungleichheitsforscher Emmanuel Saez und Gabriel Zucman in den USA
ausgemacht haben, ist kein Naturgesetz. Eine Reform der Erbschaftsteuer ist
ein guter Anfang, um Ungleichheit abzubauen. Das stärkt die Demokratie. Und
in weniger ungleichen Gesellschaften, so hat die Forschung längst
herausbekommen, sind die Menschen auch zufriedener.
18 Jan 2026
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(DIR) Stefan Mahlke
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