# taz.de -- USA und Grönland: Bündnisse im Bündnis gegen Bündnisse
       
       > US-Präsident Trump löst mit seiner Drohung, Grönland notfalls militärisch
       > zu bekommen, de facto die Nato auf. Europa kann dem wenig entgegensetzen.
       
 (IMG) Bild: US-Vizepräsident JD Vance, hier mit seiner Frau Usha bei seinem Grönlandbesuch im März 2025
       
       Nein, es ist nicht nur ein Konflikt, der [1][derzeit um Grönland] tobt. Und
       nein, es ist nicht bloß zorniges Getöse eines erratischen US-Präsidenten
       Trump, der amerikanisches Territorium ausweiten oder sich lukrative
       Bodenschätze einverleiben will. Und nein, es handelt sich nicht um einen
       absurden Nachbarschaftsstreit zwischen den USA und Europa um ein Stück
       Land, das zwar unwirtlich, aber von strategischem Wert ist. Der imperiale
       Wahn Donald Trumps hat wieder zugeschlagen, und er streckt seine Hand nach
       der arktischen Insel aus. Überraschend ist das nicht. Alles läuft nahezu
       mustergültig nach Trumps Playbook, seinem Drehbuch, das er im Wahlkampf
       2024 angekündigt hat. Sein Vize J. D. Vance hat auf der Münchner
       Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr den Pflock eingeschlagen, und in
       der [2][Nationalen Sicherheitsstrategie] der Vereinigten Staaten ist Trumps
       Szenario verschriftlicht.
       
       Und nun? Den Europäern bleibt nichts anderes übrig, als in die
       Vorwärtsverteidigung zu gehen. In eingespielter europäischer Manier.
       Nämlich mit einem harten Dialogangebot zu einer gemeinsamen
       Sicherheitsstrategie für diesen geopolitisch wichtigen Raum. Oder mit der
       Forderung nach einer Sicherheitsvereinbarung zwischen den USA und – ja, wem
       eigentlich? Die EU wird dies nicht sein, die Nato auch nicht, schließlich
       ist die USA wichtigster Partner des Militärbündnisses. Interessant ist,
       dass sich derzeit neue Bündnisse im Bündnis formieren, die in die
       Verhandlungen gehen und zunächst mit Erkundungsmissionen militärische
       Präsenz zeigen wollen. Die skandinavischen Staaten sind dabei, Deutschland,
       Frankreich.
       
       Dieses Teambuilding hat sich im Ukrainekrieg bewährt. Weil auf die EU und
       auch die „Koalition der Willigen“ nicht immer Verlass ist, arbeiten die
       baltischen Staaten, Polen und die skandinavischen Länder [3][längst enger
       zusammen]. Die Bedrohungslage hat sie zusammengeschweißt. Gibt es nun im
       hohen, eiskalten Norden einen ganz ähnlichen Fall? Mit dem Unterschied,
       dass diesmal nicht Russland oder China das Problem sind, sondern der große
       Bruder USA, der ganz unverhohlen seine hässliche Fratze zeigt?
       
       Aber da geht noch mehr. Wie wäre es mit einem Angebot an Grönland, zur
       EU-Mitgliedschaft zurückzukehren? Die gab es nämlich schon einmal: Grönland
       war als Teil Dänemarks bis 1985 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.
       Oder damit, die diplomatischen Beziehungen zu intensivieren, etwa mit einem
       [4][deutschen Konsulat, wie es Linke-Chef Jan van Aken fordert]?
       Flankierend dazu bräuchte es Investitionen in substanzieller Höhe, um
       Trumps Deal-Gelüste zu wecken. Bisher wird diese Option nur zaghaft
       diskutiert. Dabei liegt sie doch auf der Hand.
       
       Erkenntnisgewinne sind ja oft erhellend, um aus der Lähmung in eine
       sinnvolle Aktion zu kommen. In der Causa Grönland ist dies erstens – wieder
       einmal – die Abhängigkeit Europas von den USA. Und zweitens die Zuversicht,
       dass Europa noch einige gute Karten in der Hand hält. Europa muss sich nur
       endlich ernst nehmen.
       
       17 Jan 2026
       
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 (DIR) [4] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-van-aken-linkenchef-fordert-deutsches-konsulat-auf-groenland-a-33a9946a-71fd-4777-949a-81708666d25b
       
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