# taz.de -- US-Aggression gegen Grönland: Das Ende der Nato, wie die Welt sie kannte
       
       > Es heißt, die Nato ist erledigt, sollten sich die USA Grönland
       > einverleiben. Doch sie ist es wohl schon. Europa hat keine überzeugende
       > Antwort darauf.
       
 (IMG) Bild: Schneekenntnis: Gebirgsjäger der Bundeswehr nehmen an der Nato-Übung Nordic Response in Norwegen teil, 2024
       
       Vor vier Jahren pilgerten europäische Politiker nach Moskau und versuchten,
       Wladimir Putin vom Einverleiben der Ukraine abzubringen – vergeblich. Heute
       pilgern andere europäische Politiker nach Washington und versuchen,
       [1][Donald Trump von seinen Übernahmeplänen für Grönland loszueisen] – mit
       offenem Ausgang. Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal reimt sie
       sich, wie einst der US-Schriftsteller Mark Twain schrieb.
       
       Die Nato sei am Ende, sollten die USA Grönland und damit das Staatsgebiet
       des Nato-Mitglieds Dänemark angreifen, heißt es. Ist sie das nicht schon?
       Trump sagt, Grönland müsse vor Russland und China geschützt werden, und das
       gehe nur, wenn es Teil der USA sei. Das kann nur heißen: Trump schützt
       ausschließlich US-Staatsgebiet. Andere Länder nicht, also auch keine
       Nato-Verbündeten, und Grönland ist Nato-Territorium. Die wichtigste
       Grundlage der westlichen Militärallianz – dass Nato-Mitglieder im Ernstfall
       unter US-Schutz stehen – ist unter diesem US-Präsidenten praktisch
       eingefroren.
       
       Was das für Europas Sicherheit bedeutet, darf sich Europa jetzt selber
       ausrechnen. Und wenn der US-Präsident nur US-Staatsgebiet für schützenswert
       hält und sonst nichts, sind auch US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine
       wertlos – das verändert die Grundlage der geplanten europäischen
       Friedenssicherung in der Ukraine, die sich bislang auf US-amerikanische
       Überwachung verlässt.
       
       Jetzt schicken europäische Länder also Soldaten nach Grönland und halten
       dort Militärmanöver ab. Das ist mehr, als sie für die Ukraine vor dem
       russischen Großeinmarsch taten. Hätte Putin die Ukraine überfallen, wenn
       europäische Armeen dort direkte Präsenz gezeigt hätten, und sei es nur zu
       Übungszwecken? So eine entschlossene Prävention traute sich vor vier Jahren
       niemand – aus Angst vor Putin und seinen Atomwaffen. Eine Beistandspflicht
       bestand nicht, die Ukraine war und ist kein Nato-Mitglied. Aber wer 2022
       Putin in der Ukraine gewähren ließ, kann nicht 2026 glaubhaft Trump in
       Grönland abschrecken. Die USA sind stärker als Russland, Trump ist ebenso
       unberechenbar wie sein Bruder im Geiste im Kreml.
       
       Noch immer findet Europa keine überzeugende Antwort darauf, dass die nach
       1945 gegründete und nach 1989 erneuerte Sicherheitsarchitektur des Westens
       in sich zusammenfällt. Berlin tat und tut sich damit ganz besonders schwer.
       Vor vier Jahren bot Deutschland der Ukraine 5.000 Helme als Schutz gegen
       Russland. [2][Heute schickt Deutschland nach Grönland 13 Soldaten als
       Solidaritätsbekundung gegen die USA]. Manchmal wiederholt sich Geschichte
       eben doch als Farce. Bleibt zu hoffen, dass daraus keine neue Tragödie
       wird.
       
       Anm. der Redaktion: in einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, die im
       Foto abgebildete Nato-Übung habe in Grönland stattgefunden. Tatsächlich
       wurde das Foto in Norwegen aufgenommen.
       
       15 Jan 2026
       
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