# taz.de -- Bundeswehr verlässt Grönland: Sie kamen, sahen und sind schon wieder weg
> Schnelles Ende einer Erkundungsmission: Nach zwei Tagen ziehen die 15
> Bundeswehrsoldaten aus Grönland ab. Derweil üben acht Nato-Länder Kritik
> an Trump.
(IMG) Bild: Genug gesehen: Soldaten der Bundeswehr in Grönland
afp/dpa | Das Erkundungsteam der Bundeswehr soll schon heute wieder [1][aus
Grönland abziehen]. Die 15 Soldaten werden die Arktisinsel mit einem
Zivilflugzeug in Richtung Kopenhagen verlassen, wie ein Sprecher des
Operativen Führungskommandos der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuvor
hatte „Bild“ berichtet. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag
angekündigt, Sonderzölle gegen die acht an der Erkundungsmission
beteiligten Länder zu verhängen.
Das deutsche Team ist erst seit Freitagabend deutscher Zeit in Nuuk, um die
Bedingungen für militärische Übungen auszukundschaften. Noch am
Samstagabend hatte es geheißen, es sei nicht absehbar, wie lang der
Aufenthalt sein werde. Nun sagte der Sprecher des Führungskommandos, das
Team habe den Auftrag erfüllt. „Die Erkundungsergebnisse werden in den
kommenden Tagen ausgewertet.“
US-Präsident Trump hatte am Samstag erneut ultimativ darauf gepocht,
[2][Grönland, das zu Dänemark gehört], den USA einzuverleiben. Er begründet
dies mit Sicherheitsbedenken wegen einer angeblichen Bedrohung durch China
und Russland in der Region.
## Trump rügte Entsendung der Soldaten
Trump übte auch heftige Kritik daran, dass Deutschland und andere
europäische Nato-Staaten auf Einladung Dänemarks einige Soldaten für die
Erkundungsmission geschickt haben. Trump erklärte, die Soldaten der
Verbündeten seien dort „für unbekannte Zwecke“. Dies sei eine „sehr
gefährliche Situation“ für die Sicherheit, den Schutz und das Überleben des
Planeten.
Mehrere Nato-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, hatten Soldaten
auf die Insel entsandt. Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und
inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, hieß
es dazu aus Verteidigungsministerium. Gegen diese acht europäischen Staaten
kündigte Trump zusätzliche Zölle an.
Die europäischen Nato-Verbündeten sind anders als Trump der Meinung, dass
Grönland nicht von den USA übernommen werden müsse, um die Arktis zu
schützen. Laut ihnen könne dies die Nato im Verbund übernehmen.
## Europäer warnen vor „Eskalation“
Deutschland und sieben weitere betroffene Länder haben die von US-Präsident
Donald Trump [3][wegen des Streits um Grönland angekündigten Sonderzölle]
scharf kritisiert und ihre Geschlossenheit betont. „Zolldrohungen
untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer
Eskalation“, erklärten Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, die
Niederlande, Norwegen, Schweden und Großbritannien am Sonntag in einer
gemeinsamen Stellungnahme. „Wir werden weiterhin geeint und koordiniert
reagieren. Wir sind entschlossen, unsere Souveränität zu wahren.“
Als Nato-Verbündete seien sie „der Stärkung der Sicherheit in der Arktis
verpflichtet“, betonten die acht Länder in ihrer Erklärung. „Dies ist ein
gemeinsames transatlantisches Interesse.“ Die von Dänemark koordinierte
Erkundungsmission in Grönland, an der sich auch die Bundeswehr beteiligte,
stelle „für niemanden eine Bedrohung dar“.
„Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und
der Bevölkerung Grönlands“, betonten die acht europäischen Länder. Sie
seien bereit, in einen Dialog einzutreten, „auf Grundlage der Prinzipien
der Souveränität und territorialen Integrität“.
Trump hatte am Samstag Strafzölle gegen die acht europäischen Länder
angekündigt. Ab dem 1. Februar sollen zusätzliche Zölle in Höhe von zehn
Prozent für Waren aus diesen Ländern gelten, ab 1. Juni Zölle von 25
Prozent. Die Aufschläge sollen laut Trump bestehen bleiben, bis eine
Vereinbarung über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt ist.
Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark. Trump hatte in den
vergangenen Wochen immer wieder einen Besitzanspruch auf Grönland erhoben
und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen der USA in der Arktis
begründet. Dabei schloss der US-Präsident militärische Gewalt nicht aus. Da
Dänemark wie die USA der Nato angehört, droht der Konflikt um Grönland auch
die Nato zu spalten.
## Wirtschaft fordert klare Antwort Europas auf Trumps Zölle
Nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump, im Grönland-Konflikt
mehrere europäische Staaten mit neuen Zöllen zu bestrafen, fordert die
Wirtschaft eine deutliche und geschlossene Gegenreaktion der EU.
Spitzenverbände befürchten weitere Rückschläge für die deutsche Industrie
und die Exportwirtschaft, warnen aber auch vor einer Eskalation. Eine
Zustimmung des EU-Parlaments zum bisherigen Zollabkommen der EU mit den USA
mit Entlastungen für amerikanische Einfuhren nach Europa halten die
Verbände nach der jüngsten Zolldrohung Trumps für ausgeschlossen.
„Europa darf sich nicht erpressen lassen, auch nicht von den Vereinigten
Staaten“, sagte der Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA, Bertram
Kawlath. Grönland sei ein Teil Europas und müsse es auch bleiben. „Wenn die
EU hier nachgibt, wird es den amerikanischen Präsidenten nur ermutigen, die
nächste aberwitzige Forderung zu stellen und mit weiteren Zöllen zu
drohen.“
Die Europäische Union dürfe sich nicht auseinanderdividieren lassen, warnte
der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK),
Volker Treier. „Wirtschaftlichem Zwang gegen einzelne Mitgliedstaaten kann
Brüssel nur mit einer klaren und gemeinsamen Haltung begegnen.“ Die
angekündigten Zölle zeigten erneut, wie unberechenbar die US-Handelspolitik
geworden sei. Sie würden laut Treier spürbare zusätzliche Einschnitte nach
sich ziehen: „Der Einbruch der deutschen Exporte in die USA um fast zehn
Prozent im Jahr 2025 wäre damit nur ein Aufgalopp.“
Der europäische Maschinen- und Anlagenbau ist laut VDMA von den US-Zöllen
bereits überdurchschnittlich stark betroffen, weil eine Vielzahl von
Produkten den Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium von 50 Prozent
unterliegen. Hinzu kämen hohe Kosten für Bürokratie, die viele Geschäfte
verhinderten. Mehr als jede zweite exportierte Maschine könnte davon
betroffen sein. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnte, „die
Kosten durch diese zusätzlichen Zölle wären für die deutsche sowie
europäische Industrie – in ohnehin herausfordernden Zeiten – enorm“.
## Ja zu Zolldeal im EU-Parlament erscheint ausgeschlossen
Die EU und die USA hatten im vergangenen Jahr im Zollkonflikt eine
Verständigung erzielt, der das EU-Parlament noch zustimmen muss. Demnach
soll für die meisten europäischen Produkte ein US-Zoll von 15 Prozent
gelten. Zölle auf US-Industriegüter dagegen sollen abgeschafft werden, und
Barrieren für den Import bestimmter Lebensmittel sollen fallen. Im
EU-Parlament erscheint eine Zustimmung dazu nun aber ausgeschlossen.
VDMA-Präsident Kawlath forderte, Europa müsse der US-Expansionspolitik
selbstbewusst, einig und entschlossen entgegenstehen. „Die EU‑Kommission
sollte prüfen, ob das Instrument gegen handelspolitische Zwangsmaßnahmen
(Anti‑Coercion-Instrument) zum Einsatz kommen kann.“ Es ermögliche
Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher Druck ausgeübt werde, um politische
Entscheidungen zu erzwingen. „Das Europäische Parlament kann in der
kommenden Woche unmöglich Zollkürzungen für die USA beschließen, so lange
Washington die Europäische Union mit neuen Strafzöllen unter Druck setzt.“
## Warnung vor Schnellschüssen
Auch Treier hält eine Zustimmung des Europäischen Parlaments zur eigentlich
vereinbarten Senkung der EU-Zölle auf US-Industriegüter für
unwahrscheinlich: „Es ist angesichts der aktuellen Drohung kaum
vorstellbar, die EU-Zollsätze für viele amerikanische Güter auf Null zu
setzen.“ Außerdem müssen alle Instrumente des EU-Handelsschutzes geprüft
werden – inklusive des Anti-Coercion-Instruments: „Dessen Anwendung sollte
jedoch Ultima Ratio bleiben.“
Aus Sicht von VDA-Präsidentin Hildegard Müller ist jetzt „eine kluge,
strategische und mit den betroffenen Ländern abgestimmte Reaktion“ aus
Brüssel entscheidend: „Schnellschüsse führen zu einer Eskalation und einer
möglichen Spirale, die nur Verlierer produziert.“ „Wenn eine Seite ihr Wort
bricht, gilt ein Deal nicht mehr“, sagte Dirk Jandura, Präsident des
Außenhandelsverbands BGA, dem Pro-Newsletter Industrie & Handel des
Nachrichtenmagazins Politico. Politische Forderungen mit Handelshemmnissen
durchsetzen zu wollen, sei nicht akzeptabel: „Besonders nicht, wenn es um
die Durchsetzung von hegemonialen Plänen geht.“
## IG Metall fordert Geschlossenheit
Die Industriegewerkschaft Metall hat nach den von US-Präsident Donald Trump
angekündigten neuen Strafzöllen gegen Deutschland und andere europäische
Staaten Geschlossenheit gefordert. „Wir dürfen uns nicht kleiner machen,
als wir sind: Wenn Europa geschlossen auftritt, kann es auf Augenhöhe mit
den großen globalen Akteuren handeln und bleibt kein Spielball
geopolitischer Kräfte“, sagte Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall
in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Jetzt ist hierzulande Klarheit
gefragt: Beschäftigung first!“
Er betonte: „Diese Form der US-Handelspolitik erzeugt jedenfalls keine
Gewinner. Sie schadet Verbraucherinnen und Verbrauchern, Beschäftigten und
Unternehmen gleichermaßen – diesseits wie jenseits des Atlantiks.“ Eine
exportorientierte Volkswirtschaft wie die deutsche träfen die Strafzölle
dennoch besonders – „sei es die Automobilindustrie in Niedersachsen oder
der Maschinen- und Anlagenbau in Sachsen-Anhalt“.
Gröger mahnte „weniger Scheindebatten über Arbeitszeiten oder den
Sozialstaat, dafür mehr Entschlossenheit bei der Senkung der Energiepreise,
bei Investitionen in Forschung und Innovation sowie bei der Stärkung und
Stabilisierung der Kaufkraft der Bevölkerung“ an. Die Stärke des
europäischen Binnenmarktes müsse „endlich“ selbstbewusst genutzt werden. Er
sagte: „Donald Trump hat das Parkett partnerschaftlicher Zusammenarbeit
längst verlassen. An seine Stelle ist ein Denken getreten, das sich allein
am Recht des Stärkeren orientiert.“ Darauf müsse mit „kühlem Kopf, aber
fester Hand reagiert werden: besonnen im Ton, konsequent im Handeln.
Etwaige Gegenmaßnahmen dürfen nicht von Aktionismus geprägt sein, sondern
müssen präzise, gezielt und wirksam ausgestaltet werden.“
Nach Grögers Angaben ist die wirtschaftliche Bedeutung der Vereinigten
Staaten für die Industriearbeitsplätze in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
erheblich: Demnach sind die USA für Niedersachsen der drittwichtigste
Exportpartner, 2024 wurden Waren im Wert von rund 7,3 Milliarden Euro in
die Vereinigten Staaten geliefert – gut sieben Prozent der Gesamtausfuhren.
Für Sachsen-Anhalt sind die USA der wichtigste Absatzmarkt außerhalb der
Europäischen Union.
18 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bundeswehr-in-Groenland/!6145393
(DIR) [2] /Trumps-Griff-nach-Groenland/!6146305
(DIR) [3] /Wegen-Streit-um-Groenland/!6146318
## TAGS
(DIR) Grönland
(DIR) Dänemark
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Bundeswehreinsatz
(DIR) Europäische Union
(DIR) Zölle
(DIR) Zoll
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Strafzölle
(DIR) Strafzölle
(DIR) Grönland
(DIR) Grönland
(DIR) wochentaz
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Trump und seine Grönland-Manie: Ein Präsident auf Bulldozerfahrt
US-Präsident Donald Trump gibt nichts auf die Realität – und macht, was er
für richtig hält. Die Welt ist ratlos angesichts dieses rabiaten Handelns.
(DIR) Streit um Grönland: Überfordert mit dem Zoll-Troll
Acht Länder will Trump mit Strafzöllen belegen, bis man ihm Grönland
überlasse. Die Europäer begegnen seinen Forderungen mit gewohnter
Ratlosigkeit.
(DIR) US-Reaktionen auf Zolldrohung: Koste es, was es wolle
Trumps Griff nach Grönland behagt auch in den USA nicht allen. Seine
Zollpolitik belastet Verbraucher. Der Supreme Court könnte ihn stoppen.
(DIR) Proteste in Grönland: Gröne Welle, rote Fahne
In Grönland und Dänemark demonstrieren am Samstag Tausende Menschen gegen
die aggressive Rhetorik von US-Präsident Trump. Der legte indes nach.
(DIR) Kritik an Trumps Grönland-Strafzöllen: EU warnt vor transatlantischem Zollstreit
Mit einhelliger Ablehnung reagieren die betroffenen Länder auf Trumps neue
Zölle. Brüssel beruft die Botschafter der EU-Staaten zu einer
außerordentlichen Sitzung ein.
(DIR) Ökonom über die USA unter Trump: „Das System ist gekippt“
Um die autokratische Ordnung zu stürzen, reicht es nicht aus, die Macht der
Milliardäre anzugreifen, sagt der Ökonom William Lazonick. Es müsse
umverteilt werden.
(DIR) USA und Grönland: Bündnisse im Bündnis gegen Bündnisse
US-Präsident Trump löst mit seiner Drohung, Grönland notfalls militärisch
zu bekommen, de facto die Nato auf. Europa kann dem wenig entgegensetzen.