# taz.de -- US-Reaktionen auf Zolldrohung: Koste es, was es wolle
       
       > Trumps Griff nach Grönland behagt auch in den USA nicht allen. Seine
       > Zollpolitik belastet Verbraucher. Der Supreme Court könnte ihn stoppen.
       
 (IMG) Bild: Was ist der Preis? New-York-Container-Terminal in Staten Island, New York
       
       Der Post in den sozialen Medien schlug ein wie eine Bombe. US-Präsident
       Donald Trump drohte am Samstag damit, Strafzölle gegen acht europäische
       Länder zu verhängen, darunter auch Deutschland. Auslöser ist laut Trump die
       Entsendung von Militärkräften nach Grönland, aus, wie er es nennt,
       „unbekannten Gründen“.
       
       Ab 1. Februar sollen demnach neue Zölle in Höhe von 10 Prozent gegen
       Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Frankreich, Großbritannien, die
       Niederlande und Finnland gelten. Sollte sich keine schnelle Lösung zur
       Grönland-Frage finden lassen, dann werde die US-Regierung die Zölle am 1.
       Juni auf 25 Prozent anheben, hieß es weiter. „Dieser Zolltarif ist so lange
       fällig und zahlbar, bis eine Einigung über den vollständigen Kauf Grönlands
       erzielt wird“, fügte der 79-Jährige hinzu.
       
       Nur wenige Tage nachdem Vertreter aus Dänemark und Grönland in Washington
       für Gespräche zu Gast gewesen sind, erteilte der republikanische Präsident
       seinen Ambitionen für eine Gebietserweiterung Nachdruck. Für ihn zähle nur
       eins: Grönland müsse Teil der USA werden, koste es, was es wolle.
       
       „Der Weltfrieden steht auf dem Spiel! China und Russland wollen Grönland,
       und Dänemark kann nichts dagegen unternehmen. Sie verfügen derzeit
       lediglich über zwei Hundeschlitten zur Verteidigung, einer davon wurde erst
       kürzlich hinzugefügt. Nur die Vereinigten Staaten von Amerika unter
       Präsident Donald J. Trump können in diesem Spiel mitmischen“, schrieb
       Trump.
       
       ## Kritik aus dem Kongress
       
       Es ist die nächste Eskalation in einer Frage, die bis in die erste
       Trump-Regierung zurückreicht. Auch damals schon wollte Trump Grönland für
       die USA gewinnen. Offiziell geht es um die nationalen Sicherheitsinteressen
       der USA. Die Arktis wird aufgrund der globalen Erderwärmung immer mehr zu
       einem geopolitischen Konfliktpunkt. Im Westen haben die USA mit dem
       Bundesstaat Alaska Zugang zur Arktis, doch im Osten muss man sich auf
       Nato-Partner wie Kanada und Dänemark verlassen.
       
       Grönland, das zum Königreich Dänemark gehört, aber weitestgehend autonom
       ist, soll zudem große Rohstoffvorkommen besitzen, deren Abbau und
       Verarbeitung jedoch schwierig und mit hohen Investitionen verbunden sind.
       
       „Donald Trumps leichtsinnige Zölle haben die Preise bereits in die Höhe
       getrieben und unserer Wirtschaft geschadet, und jetzt verschlimmert er die
       Lage nur noch“, sagte der demokratische Senator Chuck Schumer in einer
       Erklärung. Seine Partei werde einen Gesetzesentwurf vorlegen, der die
       angedrohten Zölle gegen europäische Verbündete blockieren würde.
       
       Auch der republikanische Senator Thom Tillis, einer der wenigen seiner
       Partei, der Trump öffentlich kritisiert, bezeichnete das Vorgehen des
       Präsidenten rundherum als „schlecht“. Die einzigen, die davon profitieren
       würden, sind der russische Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi
       Jinping „und andere Gegner, die eine Spaltung der Nato herbeiführen
       wollen“. Tillis ist Teil einer Delegation des US-Kongresses bestehend aus
       Senator:innen und Abgeordnet:innen beider Parteien, die in den
       vergangenen Tagen zu Gesprächen in Dänemark und Grönland waren.
       
       ## Supreme Court entscheidet über Zölle
       
       Die Einnahmen aus Trumps Zöllen haben zwar die Kassen des amerikanischen
       Finanzministeriums gut gefüllt, doch die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft
       sind bisher eher negativ. Bis Ende November haben Trumps Zölle Einnahmen
       von mehr als 230 Milliarden US-Dollar eingebracht. Doch die Auswirkungen
       auf die globalen Handelsbeziehungen und die weltweiten Lieferketten haben
       zu höheren Preisen für Unternehmen und Verbraucher geführt. Laut einer
       Untersuchung der Tax Foundation sind die Verbraucherpreise seit Beginn von
       Trumps Zollpolitik um 4,9 Prozent gestiegen.
       
       „Die Trump-Regierung war stets der Ansicht, dass ausländische Exporteure
       durch die Einführung von Zöllen unter Druck geraten würden, ihre Preise zu
       senken. Wir stellen jedoch fest, dass vor allem US-amerikanische
       Unternehmen und US-Verbraucher die Zeche zahlen“, sagte Harvard Professor
       Alberto Cavallo, der die Auswirkungen der Zölle ebenfalls untersucht hatte.
       
       Trotz der Kritik gibt es aktuell nur wenige Anhaltspunkte, die dafür
       sprechen würden, dass sich die republikanische Mehrheit im US-Kongress
       gegen die Pläne des Präsidenten stellen würde.
       
       Die größte Gefahr für Trumps Zollpläne kommt in der Form des Supreme Court.
       Der oberste Gerichtshof könnte bereits nächste Woche eine Entscheidung über
       die Rechtmäßigkeit der bisher von Trump eingeleiteten weltweiten Zölle
       fällen. Trump selbst hat die Richter angehalten, nicht gegen seine
       Regierung zu entscheiden. Es gehe dabei „buchstäblich um Leben und Tod für
       unser Land“, hatte Trump in der Vergangenheit erklärt.
       
       Ob Trump weiterhin auch militärische Maßnahmen in Erwägung zieht, um die
       Kontrolle über Grönland zu gewinnen, bleibt ungewiss.
       
       18 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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