# taz.de -- Nato-Truppen in Grönland: Europäische Initiative statt offizieller Mission
       
       > Der Konflikt mit den USA um Grönland droht die Allianz zu lähmen und
       > könnte sie am Ende sogar spalten. Beschwichtigen heißt daher die Devise.
       
 (IMG) Bild: Biedert sich immer wieder bei Donald Trump an: der Niederländer Mark Rutte, Nato-Generalsekretär
       
       Die Nachricht klingt spektakulär: Erste Nato-Truppen sind auf Grönland
       gelandet, [1][auch deutsche Soldaten sollen in der Hauptstadt Nuuk für
       Sicherheit sorgen]. Fast scheint es, als habe sich die Nato im Streit mit
       den USA auf die Seite der Europäer geschlagen – und als könne es jederzeit
       zum Showdown mit US-Präsident Donald Trump kommen.
       
       Die Realität sieht anders aus: Bei der Operation „Arctic Endurance“ geht es
       nicht um eine offizielle Nato-Mission, sondern zunächst nur um eine
       europäische Initiative. Die Nordatlantische Allianz versucht, sich aus dem
       Streit über die von Trump angedrohte Annexion Grönlands herauszuhalten –
       oder sie beschwichtigt.
       
       Dies hat ein Auftritt von Nato-Generalsekretär Mark Rutte im
       Europaparlament am Dienstag in Brüssel gezeigt. Auf Einladung der Liberalen
       sollte Rutte einen Ausblick auf das neue Jahr geben. Der Niederländer
       redete über die Ukraine und die Gefahr aus Russland – doch über Grönland
       verlor er kein Wort. Auf Nachfrage wurde es nicht besser.
       
       Rutte erklärte, im Sommer 2025 habe die Nato zuletzt über die Sicherheit in
       der Arktis gesprochen. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, betonte der
       Niederländer. Man sei sich einig gewesen, dass man mehr tun müsse, um die
       Arktis vor Russland und China zu schützen. [2][Auf Trumps neue Drohungen
       gegen Grönland und Dänemark ging Rutte nicht ein].
       
       ## Lähmung und Spaltung
       
       Offenbar wollte der Nato-Chef seinen amerikanischen „Daddy“ schonen, wie er
       Trump scherzhaft nennt. Immer wieder biedert sich Rutte bei den Amerikanern
       an, immer wieder spielt er Konflikte in der Nato herunter. Doch lange wird
       er damit nicht mehr durchkommen – der Konflikt droht die Allianz zu lähmen
       und am Ende sogar zu spalten.
       
       „Wenn Trump in Grönland einmarschiert“, dann wäre dies „das Ende der Nato“,
       warnt die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Viele Europäer
       sehen dies ähnlich. Um den Konflikt zu entschärfen, haben mehrere Länder –
       darunter Deutschland – eine Nato-Mission „Arctic Sentry“ vorgeschlagen. Sie
       könnte die Gewässer rund um Grönland überwachen und so die amerikanischen
       Sorgen vor einer wachsenden russischen Präsenz lindern helfen.
       
       Deutschland und Großbritannien sollen sich sogar bereit erklärt haben,
       Truppen für diese Mission zu stellen. Doch Nato-Chef Rutte griff den
       Vorschlag nicht auf, denn bei den USA stieß er auf wenig Gegenliebe. Ohne
       oder gar gegen die Amerikaner geht in der Nato jedoch gar nichts. Die
       Folge: Die Militärallianz wirkt wie gelähmt.
       
       Dass die Operation „Arctic Endurance“ daran etwas ändern wird, ist kaum zu
       erwarten. Denn die Europäer sind in der Nato schlecht organisiert. Der viel
       beschworene „europäische Pfeiler“ existiert nur auf dem Papier. Das
       militärische Oberkommando für Europa – und damit auch für Grönland – liegt
       bei einem amerikanischen General.
       
       ## Verbale Gegenwehr
       
       Zudem handeln die Europäer nicht so geschlossen, wie es nach der Entsendung
       von Soldaten nach Nuuk aussehen mag. Grönland und Dänemark leisten vor
       allem verbale Gegenwehr. Nach dem ergebnislosen Gipfeltreffen mit der
       US-Administration im Weißen Haus am Mittwoch setzen sie auf eine
       diplomatische Lösung des Konflikts.
       
       Militärische Tatkraft beweist dagegen Frankreich. Schon vor einem Jahr
       hatte Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagen, ein europäisches
       Militärkontingent nach Grönland zu schicken. Am Donnerstag berief er den
       nationalen Verteidigungsrat ein. Danach hieß es in Paris, man wolle eine
       größere europäische Militärübung vorbereiten.
       
       Wesentlich vorsichtiger klingt es in Berlin. Das
       Bundesverteidigungsministerium betonte das Ziel eines gemeinsamen Vorgehens
       mit den USA. Verteidigungsminister Boris Pistorius hob hervor, wie wichtig
       die Koordinierung innerhalb der Nato sei – „insbesondere mit unseren
       US-Partnern“. Nach Widerstand gegen Trump klingt das nicht.
       
       15 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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