# taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Wie können sich die Reichen durchsetzen, obwohl sie in der Minderheit sind?
       
       > Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
       > beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Theo, 12 Jahre alt.
       
 (IMG) Bild: Mit viel Geld kann man nicht nur teuren Schmuck kaufen, sondern auch Berater beschäftigen, die dann die Politiker beeinflussen
       
       Viele Menschen glauben, dass sich die Reichen durchsetzen können, weil sie
       reich sind. Das ist nicht ganz falsch. Denn die Reichen haben genug Geld,
       um viele Berater zu beschäftigen, die dann die Politiker beeinflussen.
       Diese Berater heißen [1][Lobbyisten]. Sie versuchen die Gesetze so zu
       gestalten, dass die Reichen profitieren und möglichst wenig Steuern zahlen.
       
       Trotzdem reicht es nicht, nur Lobbyisten zu beschäftigen, damit sich die
       Reichen durchsetzen können. Denn die Politiker wollen ja wiedergewählt
       werden. Die Abgeordneten im Parlament müssen daher tun, was die Mehrheit
       der Wähler will. Die meisten Wähler sind aber nicht reich, sondern gehören
       zur Mittelschicht oder sogar zu den Armen. Die Reichen können daher ihre
       Interessen nur durchbringen, wenn sie der Mittelschicht das Gefühl geben,
       dass sie [2][ebenfalls reich] ist – obwohl das gar nicht stimmt. Die
       Mehrheit der Wähler muss also zur Selbsttäuschung verleitet werden.
       
       Dafür gibt es mindestens drei Tricks. Erstens: Die [3][Reichen rechnen sich
       arm] und erklären sich selbst zu einem Teil der Mittelschicht. Dieser Trick
       funktioniert, weil es keine genauen Zahlen gibt, wie viel Geld die Reichen
       wirklich haben.
       
       Zweitens: Die Mittelschicht hofft auf den eigenen Aufstieg. Die meisten
       Menschen nehmen gar nicht wahr, wie groß der Abstand zu den Reichen
       wirklich ist. Umfragen zeigen, dass viele Menschen glauben, dass der
       Reichtum gleich oberhalb ihres eigenen Einkommens anfängt. Da liegt dann
       der Irrtum nahe, dass man sich nur ein bisschen anstrengen muss, um auch zu
       den Reichen zu gehören.
       
       Drittens: Die Mittelschicht überschätzt das eigene Einkommen auch deshalb,
       weil sie sich unbedingt von den Armen abgrenzen will. In der Mittelschicht
       ist das Vorurteil verbreitet, dass die Armen gar nicht arbeiten wollen und
       eigentlich nur Schmarotzer sind. Menschen aus der Mittelschicht sehen sich
       an der Seite der Reichen, weil sie meinen, dass man gemeinsam von den
       angeblich faulen Armen ausgebeutet würde.
       
       Diese drei Mechanismen erklären, warum sich die Mittelschicht für reicher
       hält, als sie ist. Das Ergebnis ist schlimm. Immer wieder [4][werden die
       Steuern gesenkt], wovon vor allem die Reichen etwas haben. Der Staat nimmt
       nicht mehr genug Geld ein, was jeder spürt. Auch du, lieber Theo, hast es
       sicherlich schon bemerkt: Viele Schulgebäude sind marode, es gibt zu wenig
       Kitas, Schwimmbäder schließen.
       
       Die Menschen der Mittelschicht müssten ehrlicher mit sich selbst sein. Wenn
       sie einsehen würden, dass sie nicht reich sind, würde es weniger Politik
       für Reiche geben.
       
       12 Jan 2026
       
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