# taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Warum radiert ein Radiergummi?
       
       > Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
       > beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Charlotte, 6 Jahre alt.
       
 (IMG) Bild: Das Gummi zieht stärker an den Stückchen der Bleistiftschrift, als diese am Papier haften
       
       Schreibst du manchmal mit einem Bleistift? Wenn dir ein Buchstabe nicht so
       gut gelungen ist oder du ein Wort nicht richtig geschrieben hast, dann
       kannst du ein [1][Radiergummi] nutzen, um den Fehler zu korrigieren. Auf
       dem Papier kommt es dann zu einem echten Kräftemessen. Und was genau da
       passiert, hat viel mit „Adhäsion“ zu tun.
       
       Ein kompliziertes Wort! Es klingt ein wenig, als könnte es eine griechische
       Sagengestalt sein, „Der tapfere Adhäsion und seine Gefährten“ oder so. Das
       Wort leitet sich aber ab vom Lateinischen „adhaerere“, und das heißt auf
       Deutsch „anhaften“. Damit sind wir auf der richtigen Spur: Adhäsion ist,
       wenn zwei unterschiedliche Stoffe aneinanderzukleben scheinen, ohne dass
       zum Beispiel Klebstoff im Spiel ist. Adhäsion sorgt dafür, [2][dass du auf
       dem Fahrrad in der Kurve nicht sofort hinfällst]. Oder dass Wassertropfen
       auf einem Blütenblatt haften bleiben.
       
       Adhäsion ist auch am Werk, wenn du mit dem Bleistift schreibst. Der Strich,
       den so ein Stift auf dem Papier hinterlässt, besteht aus vielen kleinen
       Grafitstückchen – aus Grafitstaub, der von der Bleistiftspitze abgerieben
       wird und am Papier haftet. Schreib mal ein Wort, und schüttle danach das
       Papier. Natürlich bleibt die Schrift, wo sie ist, sonst dürftest du ja auch
       kein Schulheft hochkant in die Tasche stecken.
       
       Aber manchmal ist es halt auch lästig. Wenn wir uns verschrieben haben. Das
       Radiergummi ist die Lösung. Zwischen dem feinen Grafitstaub und dem
       reibenden Gummi ist die Adhäsion stärker als zwischen Grafit und Papier.
       Man könnte auch sagen, das Gummi zieht stärker an den Stückchen der
       Bleistiftschrift, als diese am Papier haften. Dass Gummi diese Eigenschaft
       hat – oder genauer der Stoff, aus dem Gummi gemacht wird –, das hat im Jahr
       1770 ein englischer Optiker und Musikinstrumentenbauer entdeckt. Edward
       Nairne ist sein Name.
       
       „Radieren“ stammt übrigens auch von einem lateinischen Verb ab: „radere“,
       auf Deutsch „kratzen“ oder „schaben“. Vielleicht kennst du Radiergummis mit
       einer roten und einer blauen Seite? Das blaue ist ein raueres Material, das
       nicht nur Grafitstaub mitnimmt, sondern auch das Papier darunter abreibt.
       Auf diese Weise lässt sich auch mit dem Füller Geschriebenes wegradieren.
       Aber Vorsicht: Ist das Papier sehr dünn, hast du ganz schnell Löcher
       hineinradiert. Und dann musst du doch alles noch mal ganz von vorne
       schreiben.
       
       5 Jan 2026
       
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