# taz.de -- Optimismus für 2026: Das wird schon
       
       > Frohes Neues? Also Aufbruchstimmung ist vielleicht nicht unbedingt
       > angesagt. Aber ein wenig Optimismus darf man für 2026 trotzdem haben.
       
 (IMG) Bild: Noch recht frisch, das neue Jahr
       
       Frohes Neues!“, heißt es auch nach einer guten Woche 2026 noch allüberall,
       und irgendwie ist es ja ganz erbaulich, wie alles so gemeinsam in die
       Zukunft guckt. Man darf das halt nur nicht mit Aufbruchsstimmung
       verwechseln.
       
       Gestern an der Tankstelle zum Beispiel grüßte die Kassiererin ihre
       Warteschlange routiniert mit Neujahrswünschen weg und bekam in den fünf
       Minuten meiner Zeugenschaft gleich zweimal – von offenbar Wildfremden – zur
       Antwort: „Es kann ja nur besser werden.“ Und diese allgemeine
       Miesepetrigkeit macht dann doch was mit einem. Zumal es ja vermutlich nicht
       mal stimmt. Denn der unerträglichen Beschissenhaftigkeit des Seins zum
       Trotz fürchte ich doch, dass in der Angelegenheit noch ganz schön viel Luft
       nach oben ist. Beziehungsweise unten.
       
       Und schon ist es passiert: Da hat man selber angefangen mit dem Geunke, als
       wäre man das Klima höchstpersönlich, der Welthunger [1][oder Grönland]. In
       einem wirklich schönen Vortrag gegen das Verschwörungsdenken hat
       „Illuminatus!“-Autor Robert Anton Wilson seinerzeit das Mindset kritisiert,
       eine geheime Machtelite habe die Strippen in der Hand und zupple bei jedem
       Unglück und bei jeder Krise an ihnen herum. Er hingegen definiere die
       Machtelite, sagt Wilson, als sich selbst und seine Freund:innen.
       
       Ich habe das nun auch ein paar Tage versucht, stoße allerdings noch an
       Grenzen. Vor allem, weil die meisten meiner Freundinnen und Freunde sich
       komischerweise so gar nicht ihrer weltbewegenden Rolle entsprechend
       verhalten. Aber das wird wohl noch werden, denke ich, und wünsche in diesem
       Sinne nun auch meinerseits ein frohes neues Jahr. Also Ihnen. Machen Sie
       was draus! Und ich versuch’s dann auch.
       
       Das Problem daran sind vielleicht gar nicht die aktuellen Krisen, sondern
       deren Routine. Vor zwei Jahren habe ich an dieser Stelle etwa die
       [2][Isolation auf dem Land] beklagt, weil die Straßen zur Stadt unter
       Wasser standen und der Bahnverkehr zum Erliegen gekommen war. Heute gucke
       ich aus dem Fenster schon wieder auf Schneeberge und erwarte demütig den
       fürs Wochenende angekündigten Schneesturm, vor dem auch die Bahn jetzt
       wieder warnt.
       
       Aber es hat sich trotzdem etwas Grundsätzliches geändert zwischen mir und
       Stadt und Land und Schiene. Und ich glaube, es geht über bloße Gewöhnung
       deutlich hinaus. Ich habe keine Angst mehr vor der Isolation und keine
       Sorge, in der vorübergehend unerreichbaren Stadt etwas zu verpassen. Im
       Gegenteil: Um diesen Text zu schreiben, habe ich das Handy ausgeschaltet
       und den E-Mail-Client auf Eis gelegt, um die Welt draußenzuhalten. Auf so
       eine Idee wäre ich früher nie gekommen, jetzt mache ich es fast jeden Abend
       um spätestens 21 Uhr so.
       
       Sicher liegt der Sinneswandel nicht allein am Landleben. Und es ist auch
       keine Voraussetzung dafür. Aber zumindest für mich selbst kann ich mir
       dieses Einfühlen in die Isolation als Großstädter nicht vorstellen. Und es
       ist schon verblüffend, wie spät solche Dinge noch passieren können, als
       wäre der Umzug in den Speckgürtel auch Jahre später ein immer noch
       fortwährender Prozess.
       
       Okay, ich gebe zu: Auch dieser Optimismus bewegt sich noch in recht engen
       Grenzen. Aber es gibt ihn. Und ich glaube, es lohnt sich wirklich, noch mal
       festzuhalten: Die Welt da draußen wird nicht nur immer schlechter – und
       2026 wird nicht nur deshalb zwangsläufig besser werden, weil das letzte
       Jahr so schrecklich schlimm gewesen wäre, dass es noch schlimmer nicht mehr
       ginge.
       
       Viel mehr Neujahrsstimmung ist gerade auch bei mir nicht drin. Aber wie
       gesagt: Es wird schon werden. Frohes neues Jahr.
       
       10 Jan 2026
       
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