# taz.de -- 2026 – Erwartungen liegen bei unter null: Auf ein berauschendes neues Jahr – oder doch nicht?
       
       > Das neue Jahr macht schon jetzt gar keinen Spaß. Anhaltende
       > Katerstimmung! Unser Kolumnist hofft daher auf mehr als einen einzelnen
       > Rausch.
       
 (IMG) Bild: Deutschland steht an für Feuerwerk; hier morgens um 7 Uhr vor einem Baumarkt
       
       Na, wie war Ihr Silvester so? Schön groß gefeiert oder eher entspannt in
       kleiner Runde mit bescheidenem Rausch? Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen
       geht, aber Silvester macht doch schon lange keinen Spaß mehr. Mit Blick auf
       Weltgeschehen und Innenpolitik fiel einem in den vergangenen Jahren nach
       dem Jahreswechsel jedes Mal vor Entsetzen die Kinnlade in den Schoß. Für
       anhaltende Katerstimmung braucht es seither nicht mal mehr einen Rausch.
       Hahahast du Prosit Neujahr gesagt?! Urgs!
       
       Womit wir mitten im Thema wären. Ich muss gestehen, diese Kolumne beginnt
       mit einer Desinformation: Sie lesen den Text im neuen Jahr, ich schreibe
       ihn aber noch im alten. Silvester ist erst in vier Tagen, die Anspannung
       aber schon jetzt da. Wie werden die ersten Wochen und Monate? Was wird an
       Silvester geschehen sein?
       
       Ich meine, allein die jeweils ersten Wochen der letzten fünf Jahre lassen
       einen noch heute erschaudern: 2020 der rechtsextreme Anschlag in Hanau,
       dann die Coronapandemie, 2021 der Sturm aufs Kapitol, 2022 Bomben auf die
       Ukraine, 2023 Gewalt gegen Feuerwehr und Rettungssanitäter in der Berliner
       Silvesternacht [1][mit anschließender rassistischer „Aufarbeitung“], 2024
       die Correctiv-Recherche über [2][Potsdamer „Remigrations“-Treffen], der
       Januar und Februar brechen Temperaturrekorde über null, 2025 die Rückkehr
       des Wahnsinns ins Weiße Haus, aber auch in den Bundestag: nach Gedenken an
       die Opfer des Holocaust noch am selben Tag [3][gemeinsame Abstimmung von
       Union und AfD]. Bundestagswahl. Schnappatmung.
       
       Jetzt ist es also da, das neue Jahr. Wie mag es denn diesmal werden, fragt
       man sich und traut sich dabei gar nicht erst aus der Deckung. Zaghaft
       streckt man den Hals zwischen den hochgezogenen Schultern vor und lugt
       skeptisch durch die sicherheitshalber nur einen Spalt weit geöffnete Tür in
       das neue kalendarische Kapitel mit der Nummer 2026.
       
       ## Drei Landtagswahlen
       
       Und während wir also noch vorsichtig durch die ersten Januartage
       schleichen, werfen Ereignisse aus der zweiten Jahreshälfte längst ihre
       Schatten voraus. Mit drei Landtagswahlen wird der September ein
       Superwahlmonat. Das könnte aber auch das Einzige sein, was super wird. Der
       wohl anstehende blaue Höhenrausch in Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern führt noch immer zu keinem echten Zusammenrücken der
       demokratischen Kräfte.
       
       Herrje, ich will zurück „zwischen die Jahre“. Das alte Jahr schon rum, das
       neue noch nicht da. Verharren im zeitlichen Lockdown, irgendwie hätte das
       was.
       
       Auch in Berlin wird gewählt. Wenn sich niemand links der CDU allzu doof
       anstellt, was in der Berliner Landespolitik nie garantiert ist, könnte es
       zu einem progressiven Bündnis kommen. Der Elfer müsste nur noch verwandelt
       werden. Aber selbst ein Tor ohne Torwart kann man, Pardon, frau verfehlen.
       
       Ach ja, Fußball, Mensch! Da war doch was. Noch mehr Rausch gibt es also
       schon im Sommer, während der Weltmeisterschaft der Männer. Wenn in Neukölln
       wieder rekordverdächtig große Deutschlandfahnen aus Fenstern mit
       Migrationshintergrund hängen, internationale Gastronomien in
       Schwarz-Rot-Gold erstrahlen, drehen ranzige Integrationsdebatten wie gehabt
       ihre gefährlichen Runden. Man könnte sich fragen, wer hier eigentlich in
       der Parallelgesellschaft lebt. Aber das wäre eine Kolumne für den Sommer.
       
       Für jetzt sei genug Trübsal geblasen. Meine Erwartungen liegen bei unter
       null, privat aber hoffe ich auf mehr als einen einzelnen Rausch. Vielleicht
       reicht es ja auch schon, dieses Jahr bei klarem Verstand zu überstehen. Das
       wünsche ich Ihnen auch. Frohes Neues!
       
       3 Jan 2026
       
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