# taz.de -- Rechte Denkfabrik Republik 21: Wissen wir nicht, wissen wir nicht – und siehe oben
> Ein rechter Verein bekommt künftig Geld vom Staat, dabei fand die Union
> NGO-Förderung doch bäh. Auf Fragen dazu reagiert die Regierung wenig
> innovativ.
(IMG) Bild: Endlich Staatskohle: CDU-Politikerin Kristina Schröder beim Kongress „Wokes Deutschland“ von R21 im Jahr 2022
Wahlen ändern nichts? Die Union hat diese Annahme in den vergangenen
Monaten einerseits widerlegt. Denn nach ihrem Regierungseintritt im
Frühjahr hat sie die eigene Haltung zur staatlichen Finanzierung
politischer NGOs revidiert. Andererseits hat sie damit bestätigt, dass
alles beim Alten bleibt. Denn auf Fragen zu diesem Thema gibt die neue
Regierung die gleichen Antworten wie die vorherige. Also wirklich:
wortwörtlich. So zeigt es eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine
Anfrage der taz.
Worum es geht: Im September hat die schwarz-rote Mehrheit im Bundestag auf
Betreiben der Union durchgedrückt, dass die Denkfabrik Republik 21 (R21) in
Zukunft staatlich gefördert wird – zunächst mit 250.000 Euro aus dem Etat
des Bundespresseamtes. Eine Entscheidung, die nicht nur ein Geschmäckle
hat, sondern gleich zwei Geschmäcker. Erstens steht die Denkfabrik R21 weit
rechts, schreibt in ihren Publikationen bevorzugt [1][gegen den
„Wokeismus“] und die Brandmauer zur AfD an. Zweitens hatten CDU und CSU
noch wenige Monate zuvor gegen die tatsächliche oder vermeintliche
Finanzierung anderer Gruppen durch den Staat polemisiert.
In einer Bundestagsanfrage [2][ging die Unionsfraktion Ende Februar
Organisationen der Zivilgesellschaft hart an]. Es ging um Gruppen wie
Campact, „Omas gegen rechts“ oder Greenpeace. Diese hatten im
Bundestagswahlkampf dagegen protestiert, dass CDU und CSU im Bundestag mit
Stimmen der AfD eine Verschärfung der Asylpolitik beschließen wollten.
„Gibt es Belege dafür, dass der Verein Omas gegen Rechts Deutschland e. V.
einseitige Narrative in politischen Debatten fördert, und wenn ja,
welche?“, hieß es in der Unions-Anfrage zum Beispiel. Oder: Fahren die
Gruppen gezielt Kampagnen gegen einzelne Parteien, finanzieren sie
entsprechende Proteste, beeinflussen sie Wahlergebnisse? „Politische
Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ lautete die Überschrift
der Kleinen Anfrage, ungeachtet der Tatsache, dass etliche der genannten
Gruppen gar nicht staatlich gefördert wurden.
## Linksfraktion greift taz-Fragen auf
Heute so, morgen so? Das provoziert Rückfragen. Als Service für
oppositionelle Abgeordnete veröffentlichte die taz deshalb vor einigen
Wochen [3][die Vorlage für eine neue Bundestagsanfrage]. Es waren 45 Fragen
zur Förderung von R21: Gibt es vielleicht Belege dafür, dass diese Gruppe
einseitige Narrative fördert? Kampagnen fährt? Staatliche Fördergelder für
Parteipolitik zweckentfremdet?
Die Linksfraktion schnappte sich die Anfrage, polierte sie noch etwas auf
und reichte sie bei der Bundesregierung ein. Jetzt liegen die Antworten
vor. In drei Sätzen zusammengefasst lauten sie: Wissen wir nicht. Ist nicht
unsere Angelegenheit. Und, siehe oben – wissen wir nicht.
In der jetzigen Antwort aus dem Bundespresseamt (das direkt dem
Bundeskanzler Friedrich Merz unterstellt ist) heißt es exakt gleichlautend
wie in der damaligen Antwort an die Unionsfraktion (der damals Friedrich
Merz vorstand): „Das parlamentarische Fragerecht der Abgeordneten des
Deutschen Bundestages dient der politischen Kontrolle der Bundesregierung.
Dabei erstreckt sich der parlamentarische Informationsanspruch nur auf
Gegenstände, die einerseits einen Bezug zum Verantwortungsbereich der
Bundesregierung gegenüber dem Deutschen Bundestag haben. Andererseits
müssen diese in der Zuständigkeit der Bundesregierung liegen.“ Frei
übersetzt: Was für bescheuerte Fragen.
„Schon interessant“, findet das die Linken-Abgeordnete Clara Bünger.
„Während die Union in der Opposition offensichtlich noch der Meinung war,
hier müsste eine stärkere Kontrolle der Aktivitäten stattfinden, lehnt sie
diese nun doch ab.“ R21 unterstütze den Griff der AfD nach der Macht und
orientiere sich an „Plänen des autoritären Umbaus“, wie man ihn [4][von der
MAGA-Bewegung] in den USA kenne. „Und die Ziele, die R21 im Hinblick auf
das Abtragen der Brandmauer verfolgt, stehen in klarem Widerspruch zum
Koalitionsvertrag von Union und SPD“, sagt Bünger.
Protest hilft aber nichts: In der Zwischenzeit hat Schwarz-Rot im Bundestag
beschlossen, die geplante Förderung von R21 zu verdoppeln. Die rechte
Denkfabrik bekommt künftig 500.000 Euro pro Jahr.
28 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Anti-Wokeness-Kongress-in-Berlin/!5890581
(DIR) [2] /551-Fragen-im-Bundestag/!6069900
(DIR) [3] /Foerderung-fuer-R21/!6115914
(DIR) [4] /Risse-in-der-Pro-Trump-Bewegung/!6098745
## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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